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1,50 Meter beträgt der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zu Radfahrern.
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Autoren

Franz-Martin Engeser
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1,50 Meter beträgt der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zu Radfahrern.

Mit langen Abstandshaltern aus Schaumstoff radeln sie durch die Nürnberger Südstadt, rund 50 Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Den Radfahrern geht es um ihre persönliche Sicherheit. Sie sind oft in Nürnberg unterwegs und fühlen sich auf vielen Straßen nicht sicher.

"Wir sind Alltagsradler, das heißt, es ist nicht nur Hobby, sondern wir fahren alle unsere Mobilität im Großraum mit dem Rad und das ist zum Teil lebensgefährlich. Weil eben so was Einfaches wie diese Abstandregel nicht eingehalten wird." Detlef Pauly, Mitinitiator der Aktion

Sicherheit in der Mitte der Fahrbahn

1,50 Meter Sicherheitsabstand müssen Autofahrer einhalten, wenn sie Radfahrer überholen. Sitzen Kinder mit auf dem Rad, sogar noch mehr. Schwierig bei einer Fahrbahnbreite von vielleicht drei Metern in der Innenstadt. Viele der Radfahrer haben in Nürnberg schon gefährliche Situationen erlebt. Einer der Fahrer tendiert nach eigenen Aussagen dazu, eher in der Mitte der Straße zu radeln. So sei er vor plötzlich aufgehenden Autotüren sicher und würde auch nicht so dicht überholt. Für Kinder oder Senioren sei das aber nicht praktikabel, denn er würde dafür öfter angehupt werden.

Wird der Abstand von 1,50 Meter eingehalten, haben Radfahrer einen Fahrstreifen quasi für sich alleine.

Wird der Abstand von 1,50 Meter eingehalten, haben Radfahrer einen Fahrstreifen quasi für sich alleine.

Ärger bei den Autofahrern

Viele Autofahrer ärgern sich über Radfahrer, wenn diese nicht rechts fahren und somit die Fahrbahn blockieren. Und auch am Wochenende wird auf den stark befahrenen Straßen in der Südstadt viel gehupt. Zu wirklich gefährlichen Situationen kommt es diesmal aber nicht.

"Ich bin der Meinung, es ist ganz gut gelaufen. [...] Und man erlebt ja so die Dinge des alltäglichen Lebens, sprich zugeparkte Radstreifen, offene Autotüren, sehr ungeduldige Autofahrer, das volle Programm war wieder da." Detlef Pauly, Mitinitiator der Aktion

Jeden Tag zwei Unfälle, oft mit Verletzten

Nach Angaben der Polizei passieren in Nürnberg im Schnitt täglich zwei Unfälle mit Radfahrern. Bei rund der Hälfte dieser Unfälle ist zwar der Radfahrer der Hauptverursacher, dennoch trägt er auch das größte Verletzungsrisiko. "Die Fahrradfahrer selber sind natürlich ungeschützt", sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, Bert Rauenbusch. Von den 700 Verkehrsunfällen [im vergangenen Jahr], an denen Radfahrer beteiligt waren, ist nahezu jeder Radfahrer verletzt worden, meist leicht verletzt, aber auch schwer verletzt, wir haben auch getötete Radfahrer.“

Offizielle Werbung für Sicherheitsabstand

Die Polizei versucht, bei Verkehrsverstößen einzugreifen. Bei der Masse an Rad- und Autofahrern in Nürnberg ist das aber schwierig. Und auch die Stadt Nürnberg erkennt offenbar das Problem. Seit kurzem hat sie auf Bussen der VAG Werbung geschalten, die Autofahrer auf den Sicherheitsabstand zu Radfahrern hinweisen soll. Denn die Stadt will mehr Menschen zum Umsteigen aufs Fahrrad bewegen.

Werbung auf Nürnberger Bussen soll Autofahrer an den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand erinnern.

Werbung auf Nürnberger Bussen soll Autofahrer an den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand erinnern.

"Eigentlich ist ja jeder Fahrradfahrer, der auf der Straße ist, für die Autofahrer auch ein Gewinn, weil sie haben dann mehr Platz. Und das müssen die Autofahrer vielleicht nach und nach mal einsehen, dass die Fahrradfahrer für Lebensqualität in der Stadt sorgen, weil sie weniger Platz brauchen, keine Abgase kein Radau." Ludwig Eble, Mitinitiator der Aktion

15 Kilometer Fahrradstraßen ab 2019

Der Etat für den Bau von Radwegen in Nürnberg soll für das nächste Jahr auf drei Millionen Euro verdreifacht werden. Unter anderem sollen auch zwölf Straßenzüge mit einer Gesamtlänge von 15 Kilometern zu Fahrradstraßen umgewidmet werden, auf denen Radfahrer dann stets Vorfahrt haben.