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Das Demenzdorf in Hogeweyk (Niederlande) sollte Vorbild für die Einrichtung in Hergensweiler sein.

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    Demenzdorf in Hergensweiler scheitert an Bürokratie

    "Hergensweiler Heimelig", so sollte das Demenzdorf im Landkreis Lindau heißen. Nun steht fest, dass aus dem ambitionierten Projekt nichts wird. Offenbar wurden ihm die Vorschriften zum Verhängnis. In Bayern leiden mehr als 244.000 Menschen an Demenz.

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    Von
    • Andrea Trübenbacher
    • Alexander Brutscher

    In Hergensweiler im Landkreis Lindau sollte ein Dorf für Demenzkranke entstehen. Vorbild dafür war eine ähnliche Einrichtung in den Niederlanden. Doch die Evangelische Diakonie Lindau gibt das Projekt "Hergensweiler Heimelig" jetzt endgültig auf. Die Geschäftsführerin des Vereins, Anke Franke, betonte in einer Pressemitteilung, dass man mindestens 1.000 Stunden in Konzeption, Vorplanung und Umsetzungsbemühungen investiert habe. Etwa 50.000 Euro habe das bisher gekostet. Doch letztlich sei man an unüberwindlichen regulatorischen Hürden, gescheitert, so Franke weiter. Der Verein hatte bereits ein 30.000 Quadratmeter großes Grundstück dafür reserviert.

    Problem Fachkräftequote

    "Vor allem liegt es aber an starren Vorschriften, die unser Konzept behandeln wie ein ganz normales Altenheim", erklärt Franke und nannte als Beispiel die Fachkräftequote von 50 Prozent. Diese ist für Pflegeheime vorgeschrieben, das heißt, mindestens die Hälfte der Mitarbeiter müssen examinierte Pflegekräfte sein. Die Idee des Demenzdorfes "Hergensweiler Heimelig" sah zwar insgesamt deutlich mehr Personal für die Betreuung der Bewohner vor – "allerdings nicht im medizinischen Sinn", erklärt Franke. "Für die intensive Begleitung im Alltag der Bewohner braucht es keine Pflegefachkraft." Daher wirke sich eine starre Fachkräftequote so negativ auf die Betriebskosten einer solchen Einrichtung aus, dass die Umsetzung nicht mehr darstellbar sei.

    Im Umgang mit Behörden und Selbstverwaltungsorganen beklagt Franke, dass die verschiedenen Stellen nicht bereit gewesen seien, "Hergensweiler Heimelig" als Modellprojekt zu betrachten. "Für einen neuen Ansatz gibt es aber keine Blaupause, auf die man zurückgreifen könnte." Mit starrer Reglementierung könne es nicht gelingen, einen neuen Weg einzuschlagen.

    "Das Konzept hätte eine wichtige Versorgungslücke geschlossen"

    Man wolle sich jetzt aber für die tolle Unterstützung in den vergangenen Jahren bedanken. "Auch wenn es nicht hat sollen sein: Wir hatten tolle Unterstützer und möchten uns auch im Namen des Vorstands ganz herzlich bedanken. Allen voran bei der Gemeinde Hergensweiler und bei Bürgermeister Wolfgang Strohmaier."

    Für das Projekt hatte sich auch Entwicklungsminister Müller stark gemacht. Dominik Spitzer von der FDP, der sich laut Franke auch immer für das Demenzdorf eingesetzt hat, äußerte sein Bedauern. In einer ersten Reaktion betonte er: "Es ist eine wahre Schande für unser Land, dass so innovative und notwendige Versorgungsformen wie Demenzdörfer in Bayern von der Bürokratie ausgebremst werden. Das Konzept der Diakonie Lindau hätte eine wichtige Versorgungslücke in der Region geschlossen."

    Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz, in Bayern sind es mehr als 244.000.

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