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Demenz: Gibt es zuverlässige Tests? | BR24

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Rund 250.000 Menschen in Bayern leiden an Demenz, Tendenz steigend. Die Diagnose einer bestehenden Krankheit ist möglich, aber die Vorhersage einer wahrscheinlichen zukünftigen? Das will nun ein spezieller Test der Uni-Klinik Erlangen leisten.

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Demenz: Gibt es zuverlässige Tests?

Mit der demographischen Entwicklung steigt auch die Zahl der Demenzerkrankten. Den Namen eines Bekannten vergessen - eine Vorstufe von Demenz? Die Forschung ist soweit, Alzheimer voraussagen zu können. Heute startet die erste Bayerische Demenzwoche.

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Bedeutet Vergesslichkeit im Alter gleich den Anfang einer Demenz? Ein Gespräch mit dem Hausarzt kann sinnvoll sein, wenn Menschen sich in Unterhaltungen ständig wiederholen, die räumliche Orientierung verlieren oder Schwierigkeiten beim Umgang mit komplexen Aufgaben haben.

Mit der ersten Bayerischen Demenzwoche, die am 13. September startete und bis 22. September dauert, will die Demenzinitiative die gesamte bayerische Bevölkerung erreicht und landesweit für das Thema Demenz sensibilisiert werden.

Die Forschung ist in kleinen Schritten vorangekommen

Die verschiedenen Demenzerkrankungen können heute früher und genauer festgestellt werden als noch vor zehn Jahren. So haben verschiedene Studien beispielsweise gezeigt, dass die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn (zum Beispiel Acetylcholin und Glutamat) von Betroffenen mit Demenz verändert ist. Um eine genaue Abgrenzung vornehmen zu können, gibt es verschiedene Testmethoden.

Der Durchbruch in Sachen Alzheimer

Erlanger Forscher sind soweit, dass sie bereits 20 Jahre vor den ersten Symptomen voraussagen können, ob ein Patient einmal unter Alzheimer leiden wird. Dazu wird ein sogenannter Liquor-Test durchgeführt. Für die Diagnose wird Nervenwasser, sogenannte Liquor-Flüssigkeit, aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen. Anhand des Nachweises von zwei Biomarkern kann die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Demenz berechnet werden.

Die Wissenschaftler in Erlangen haben für den Liquortest ein fünfstufiges Raster entwickelt. Dadurch können auch grenzwertige Bereiche abgebildet werden und es kann bestimmt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, an Alzheimer zu erkranken. Damit sei es erstmals gelungen, für Patienten eine Aussage zu treffen, ob eine leichte kognitive Beeinträchtigung vorliegt oder eine beginnende Demenz, so Prof. Dr. Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrie in Erlangen. Die Liquor-Diagnostik sei das derzeit beste Vorgehen für eine frühe Demenzdiagnose und bereits international anerkannt, sagt Prof. Dr. Piotr Lewczuk von der Uni Erlangen.

Bei einer frühzeitigen Diagnose könne der Verlauf durch eine veränderte Lebensweise beeinflusst werden. Zudem könnten sich die Betroffenen früher auf veränderte Lebensumstände einstellen. Das Erlanger Labor gilt bundesweit als führendes Zentrum auf dem Gebiet der Demenzforschung. Es analysiert mittlerweile Liquorproben aus dem In- und Ausland.

Alzheimer ist die typischste Form der Demenz. Ursache der Krankheit ist nach dem aktuellen Stand des Wissens die Veränderung von Proteinen im Körper: Bei Alzheimer verklumpen diese. Es entstehen Ablagerungen. Diese sind im Nervenwasser nachweisbar. Die Eiweiß-Plaques stören letztendlich die Kommunikation in und zwischen den Nervenzellen, die dadurch nach und nach absterben.

Gedächtnissprechstunde klärt erste Anzeichen

Nimmt die Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit eines älteren Menschen zu, so kann nach Rücksprache mit dem Hausarzt eine Gedächtnissprechstunde besucht werden. Einen Termin sollten Betroffene gemeinsam mit einer Bezugsperson oder einem Angehörigen wahrnehmen, damit Veränderungen im Alltag, im Verhalten oder der Persönlichkeit besser abgeklärt werden können. Weit verbreitet sind der Mini Mental Status Test (MMST), der Uhrentest und der DemTect. Bei allen werden unterschiedliche Fragen und Aufgaben gestellt, die einen Rückschluss auf die Hirnleistung zulassen.

Der Uhrentest ist der bekannteste Test. Bei Alzheimer-Patienten sind schon früh die räumliche Vorstellungskraft und das Problemlösungsvermögen gestört. Beim Uhrentest muss der Patient in einen Kreis die zwölf Ziffern einer Uhr einzeichnen und die Stellung der Zeiger einer vorgegebenen Uhrzeit. Der MMST-Test stellt Fragen zur Merk- und Rechenfähigkeit und testet das Aufmerksamkeitsvermögen. Dieser Test und der DemTect (Demenz-Detection-Test) dienen vor allem dazu, eine Demenz besser von einer Depression abgrenzen zu können.

Mehr Informationen über die einzelnen Tests können kostenlos bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V. bestellt werden.

Verschiedene bildgebende Verfahren geben Aufschluss

Sind bei den Tests in der Gedächtnissprechstunde Auffälligkeiten feststellbar, dann können weitere bildgebende Untersuchungen eingeleitet werden, beispielsweise ein MRT oder auch ein PET, eine Positron-Emissionstomographie. Dieses stellt die Nervenaktivitäten dar und zeigt krankheitstypische Muster auf. Dadurch lässt sich eine Funktionsminderung der Nervenzellen nachweisen.

"Keine der dargestellten diagnostischen Techniken weist aber eine vollkommene Treffsicherheit auf. Das Vorliegen eines Krankheitsprozesses ist durch einen auffälligen Untersuchungsbefund nicht endgültig bewiesen, durch ein durchschnittliches Ergebnis aber auch nicht sicher widerlegt. Aus diesem Grund darf sich die Früherkennung nicht auf Laborbestimmungen und technische Untersuchungen allein stützen." Prof. D. Alexander Kurz, Zentrum für Kognitive Störungen, TU München

Bluttest in der Entwicklung

Bildgebende Verfahren wie das PET sind allerdings für ein Screening zu teuer und die Liquorpunktion zu invasiv. Die Hoffnung ruht deshalb auf einem neuartigen und kostengünstigen Bluttest, der früh auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen könnte. Die Forscher hoffen, dass dies bereits acht Jahre vor der klinischen Diagnose möglich ist. Dazu wird derzeit weiter an der Ruhr-Uni Bochum, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Krebsregister Saarland geforscht und ausgewertet. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob sich die Amyloid-ß-Veränderungen (Alzheimer-Plaque) auch im Blut schon vor dem klinischen Ausbruch der Krankheit erkennen lassen. Die Untersuchungen starteten im Jahr 2000. In 70 Prozent der Fälle identifizierte der Bluttest diejenigen Personen, bei denen sich später tatsächlich eine Alzheimer-Demenz entwickelte.

Auch US-Forscher haben vor kurzem von einem Bluttest berichtet, bei dem die Trefferquote bei 88 Prozent lag. Die US-Forscher haben über 50 Jahre das Blut von Probanden untersucht und verglichen sie mit Gehirnsscans, dem Alter der Untersuchten und den Genveränderungen. Bei Menschen über 65 Jahren lag die Genauigkeit des Bluttests sogar bei 94 Prozent. Weitere Studien sollen jetzt folgen.

Wie weit ist die Forschung zur Behandlung?

In aktuellen Studien erforschen Wissenschaftler die medikamentösen Behandlung von Betroffenen, um die deren geistige Leistungsfähigkeit verbessern zu können. Ein anderer Behandlungsansatz besteht darin, die Bildung von bestimmten Eiweißablagerungen im Gehirn und damit die vermutete Ursache der Alzheimer-Krankheit zu bekämpfen. Die Demenzforschung arbeitet außerdem daran, neue nicht-medikamentöse Behandlungsansätze für Betroffene zu entwickeln.

Münchner erhält Auszeichnung für Alzheimer-Forschung

Am Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München sitzt einer der renommiertesten Wissenschaftler der Alzheimer-Forschung. Ende September erhält der Münchner Biochemiker Christian Haass den "Hartwig Piepenbrock-DZNE Preis". Haass zählt zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung von molekularen Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung. Haass war es, der als erster feststellte, dass es bei Alzheimer-Patienten zur Anhäufung eines Eiweißstoffes im Gehirn und zur Entstehung der charakteristischen Plaques kommt. "Ihm verdanken wir wegweisende Erkenntnisse über Eiweißstoffe und Immunreaktionen, die an Alzheimer beteiligt sind. Damit hat Christian Haass die Grundlagen für neue Ansätze in der Therapie und Diagnose geschaffen. Er hat die Alzheimer-Forschung in den vergangenen 30 Jahren maßgeblich geprägt und tut dies bis heute", heißt es in der Begründung für die Vergabe des Preises.

Demenz ist der Oberbegriff

Zu den wichtigsten Formen der Demenz gehören die Alzheimer-Krankheit, die gefäßbezogenen Erkrankungen des Gehirns (vaskuläre Demenz), die frontotemporalen Degenerationen sowie die Lewy-Körperchen-Demenz. Die Alzheimer-Krankheit zeichnet sich durch einen schleichenden Beginn und durch eine allmähliche Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten aus.

Nach heutigem Stand der Forschung sind Demenzerkrankungen nicht heilbar. Mit den aktuell verfügbaren Medikamenten (Antidementiva) kann die Abnahme des Erinnerungs- und Denkvermögens nur verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden. Ausgehend von dieser Erkenntnis konnten Wirkstoffe wie Cholinesterase-Hemmer und Glutamat-Rezeptor-Blocker entwickelt werden, mit denen das Fortschreiten der Demenz verlangsamt werden kann.