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Dem Coronavirus auf der Spur: Contact Tracing Teams in Neu-Ulm

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Dem Coronavirus auf der Spur: "Contact Tracing Teams" in Neu-Ulm

Den Gesundheitsämtern der Landkreise kommt bei Corona-Fällen eine entscheidende Rolle zu. Sie sollen die Infektionsketten nachvollziehen und alle Kontaktpersonen einer infizierten Person ausfindig machen. In Neu-Ulm machen das spezielle Teams.

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Von
  • Joseph Weidl

Im Landratsamt Neu-Ulm gibt es besondere Teams, die sich inzwischen um die Nachverfolgung bei Corona-Fällen kümmern. Sie heißen "Contact Tracing Teams", denen eigens dafür geschulte Mitarbeiter angehören. Ihre Hauptaufgabe: Herausfinden, wer mit positiv getesteten Corona-Patienten Kontakt gehabt haben könnte.

"Detektivarbeit" im Gesundheitsamt

Das Team, das ans Gesundheitsamt angedockt ist, bekommt vom Labor Bescheid, wenn bei jemandem ein positiver Test vorliegt. Den rufen sie dann an. Dann beginnt sozusagen die "Detektivarbeit", wie es Marc Löchner, der beim Landratsamt für die Contact Tracing Teams verantwortlich ist, genannt hat. Denn jetzt müssen sie mit Hilfe des Patienten herausfinden, mit wem er in letzter Zeit Kontakt hatte und die Adressen feststellen.

Zentrale Datenbank für Kontaktpersonen

Das wird alles in eine zentrale Datenbank eingetragen und dann werden alle nacheinander abtelefoniert. Wenn sich bei jemandem rausstellt, dass er wirklich längeren Kontakt hatte zum Patienten, also sich infiziert haben könnte, dann muss diese Kontaktperson in Quarantäne. Die Contact Tracing Teams organisieren dann regelmäßige Tests, melden sich tagtäglich übers Telefon und fragen nach Symptomen. So sollen die Infektionsketten kontrolliert bzw. eingedämmt werden.

Vorteile wie etwa eine landesweite Software

Im Vergleich zu den bisherigen Teams in Gesundheitsämtern hätten die Contact Tracing Teams zwei Vorteile, sagt Marc Löchner: Erstens würden eigene Mitarbeiter nur dafür abgestellt, die Arbeit müssten also nicht die ohnehin schon belasteten Gesundheitsamts-Angestellten zusätzlich machen. Bisher wurden für die Contact Tracing Teams Beamtenanwärterinnen und -Anwärter geschult, zum Beispiel von Finanzämtern oder Gerichten, die während der Ausgangsbeschränkungen ohnehin nicht arbeiten konnten.

Der zweite Vorteil laut Marc Löchner: Die Contact Tracing Teams arbeiten mit einer zentralen vom Landesamt für Gesundheit gesteuerten Software, die bayernweit einheitlich sein soll. Das heißt, dass die Kontaktpersonen dort quasi als Profil geführt werden, Symptome einheitlich eingetragen werden können und dann auch für mehrere Mitarbeiter einsehbar ist, welche Aufgaben noch anstehen.

Nicht alle im Team haben den gleichen Daten-Zugriff

Marc Löchner erklärt, dass nur Leute mit entsprechender Freigabe Zugriff auf bestimmte Angaben haben. Nicht jeder, der die Personen einfach nur abtelefonieren muss, kann also sehen, was zum Beispiel der Arzt vom Gesundheitsamt sieht. Durch diese einheitliche Software soll auch die Vernetzung mit Nachbarlandkreisen einfacher funktionieren, um eben feststellen zu können: Wer hat sich möglicherweise wo infiziert und mit wem war er noch in Kontakt?

Momentan arbeiten immer drei Personen pro Tag im Contact Tracing Team. Ab September, wenn die Schule wieder losgeht und die letzten aus dem Urlaub zurückkommen, wird das Team eventuell wieder mehr Arbeit haben, glaubt Löchner. Und weil ja jetzt auch die Beamtenanwärter, die den Job am Anfang gemacht haben, wieder an ihre normalen Arbeitsplätze zurückkehrten, habe das Landratsamt zehn Vollzeitstellen für diese Tracing Teams ausgeschrieben.

Welche Fähigkeiten gefragt sind

Gefragt sind EDV Kenntnisse, medizinisches Grundwissen, aber auch eine gewisse Sensibilität, was die Kommunikation angeht. Denn man trägt eben nicht nur stumpf Daten in Tabellen ein, sondern telefoniert täglich mit Menschen, die vielleicht auch Angst haben, sich infiziert zu haben und die gut betreut werden möchten.

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