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Deggendorf: Der Nikolaus grüßt die Kinder aus seinem Wohnzimmer | BR24

© BR/Christian Riedl

Die Dreharbeiten für die virtuellen Hausbesuche

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Deggendorf: Der Nikolaus grüßt die Kinder aus seinem Wohnzimmer

Da wegen Corona in diesem Jahr die Nikolausbesuche ausfallen müssen, hat sich die Stadt Deggendorf etwas Besonderes ausgedacht: Individuelle Video-Botschaften mit personalisierten Nachrichten vom Nikolaus - virtuelle Hausbesuche sozusagen.

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Von
  • Christian Riedl
  • BR24 Redaktion

Sogar der Nikolaus unterliegt den strengen Corona-Regeln: Er darf in diesem Jahr keine Hausbesuche bei den Kindern machen. Die Stadt Deggendorf hat deswegen individuelle Videobotschaften für Kinder und Erwachsene produziert - im Wohnzimmer des Heiligen Nikolaus.

Der Nikolaus meldet sich aus seinem Wohnzimmer

Der Nikolaus sitzt auf einem mit Samt gepolsterten Sofa, darauf ein weißes Lammfell. Um ihn herum stehen liebevoll dekorierte Päckchen, ein prall gefüllter Geschenkesack und vor ihm auf dem Tisch ein Weihnachtsstern, eine mit Orangen und Nüssen gefüllte Schale und der Adventskranz. Natürlich darf auch der Christbaum nicht fehlen. Der glitzert hinter dem Heiligen Mann festlich beleuchtet und reich mit roten und goldenen Kugeln geschmückt.

"Ja, mein Wohnzimmer ist doch echt schön, oder? Da könnte man glatt bleiben", lacht der Heilige Nikolaus - dabei wackelt die reich mit Gold verzierte Mitra auf seinem Kopf bedenklich, und der Bart ist irgendwie immer im Weg.

© BR/Christian Riedl

Da wegen Corona in diesem Jahr die Nikolausbesuche ausfallen müssen, hat sich die Stadt Deggendorf etwas Besonderes ausgedacht: Individuelle Video-Botschaften mit personalisierten Nachrichten vom Nikolaus - virtuelle Hausbesuche sozusagen.

Rund um den Heiligen Nikolaus ist es aber gar nicht so festlich. Da stehen Scheinwerfer auf Stativen, Kameras sind auf ihn gerichtet und er bekommt sogar Regieanweisungen und vorgefertigte Texte für sein Goldenes Buch. Denn das Wohnzimmer des Heiligen Nikolaus steht im Alten Rathaus von Deggendorf. Dort zeichnet das Multimedia-Team der Stadt die Botschaften vom Nikolaus auf Video auf. Das Besondere: Die Texte sind - soweit es geht - individualisiert.

Individualisierte Botschaften für die Kinder: Lob und Tadel

Insgesamt 140 verschiedene Vornamen hat der Nikolaus während der zwei Drehtage eingesprochen. 70 weibliche und 70 männliche. Die Stadtverwaltung hat sich dabei am Geburtenregister der Sechsjährigen orientiert. Und dazu noch eine Auswahlliste mit Lob und Tadel. Da greift der Nikolaus auf seinen Erfahrungsschatz zurück: In der weißen Albe, den roten Rauchmantel umgehängt, steckt Bernd Walter.

Seit mehr als 50 Jahren besucht der 76-Jährige Kinder in Deggendorf. Und eigentlich ist es immer gleich: Manche wollen partout nicht ins Bett gehen, andere räumen ihr Zimmer nicht auf. Es gibt aber auch die, die ihre Zähne brav putzen und Mama und Papa im Haushalt und bei der Gartenarbeit unterstützen.

Die Idee von der Videobotschaft findet Bernd Walter - alias der Hl. Nikolaus - gut, aber: "Du hast halt niemanden vor dir und man schimpft einfach so drauf los. Aber wenn ein Kind vor einem steht, dann kann man halt viel besser drauf eingehen. So schaut man in die Kamera und, mei, wird dann schon passen."

© BR/Christian Riedl

Eltern konnten Vornamen und Lob und Tadel online auswählen und angeben. Der Nikolaus liest dann für jedes Kind einen eigenen Text.

In einer Art Baukastensystem konnten Eltern in Deggendorf die Videobotschaft des Nikolaus zusammenstellen. Auf der Homepage der Stadt stand die Namensliste zur Auswahl und eben eine Liste für gute und weniger gute Taten. Mitarbeitende der Multimediastelle der Stadt und des Jugendzentrums 4You haben dann die Videosequenzen zusammengeschnitten und zum Download zur Verfügung gestellt.

Über 200 verschiedene Nikolaus-Videos sind entstanden

Oberbürgermeister Christian Moser (CSU) - selbst mehrfacher Familienvater - erklärt, die Stadtverwaltung stelle ihr Knowhow für diese Aktion gern zur Verfügung. "Mein Sohn hatte mich auch schon gefragt, ob der Nikolaus denn heuer mit Mundschutz kommt. Aber auch das geht ja leider nicht. Trotzdem soll der Brauch nicht einfach ausfallen und der Nikolaus vielleicht gar nicht kommen. Deswegen haben wir diese Aktion gemacht."

Insgesamt sind mehr als 200 verschiedene Videos mit der Botschaft des Heiligen Nikolaus entstanden. Der hofft, dass er im nächsten Jahr wieder persönlich die Kinder besuchen kann. Denn Dreharbeiten sind anstrengend, weiß Bernd Walter jetzt und sagt zum Schluss, ganz weltlich: "I moan, der Nikolaus kannt’ jetzt a Weißbier braucha …"

💡 Hintergrund:

Der Heilige Nikolaus war Bischof von Myra in der heutigen Türkei. Der Ort heißt heute Demre und liegt südwestlich von Antalya. Nikolaus wurde zwischen 280 und 286 geboren, er starb wohl an einem 6. Dezember zwischen 345 und 351. Obwohl aus seinem Leben vergleichsweise wenig überliefert ist, gilt er als einer beliebtesten und meistverehrten Heiligen im Christentum. Unter anderem ist der Hl. Nikolaus Schutzpatron zahlreicher Orte, Gruppen und Berufe. Außerdem soll sich Nikolaus zu Lebzeiten besonders um Kinder und Arme gekümmert haben. Sein Vermögen vermachte Nikolaus wohl tatsächlich den Armen. So entwickelte sich wohl das Brauchtum, dass der Hl. Nikolaus die Kinder besucht und Geschenke bringt. Während der Reformation entstand die Figur des Christkinds, da die Anhänger Martin Luthers die Heiligenverehrung ablehnten. Das Christkind ersetzte den Nikolaus als Geschenkebringer. Inzwischen ist der Nikolausbrauch längst wieder etabliert.

© BR

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