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Debatte um sexistisches Plakat: Jetzt hängt die Sixpack-Version | BR24

© BR/Laila Heyne

Statt des Werbeplakats mit einer Frau in Dessous hängt in Altötting nun ein Plakat mit einem Mann mit Sixpack.

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Debatte um sexistisches Plakat: Jetzt hängt die Sixpack-Version

In Altötting geht die Diskussion um das Werbeplakat eines niederbayerischen Heizungsbauers weiter. Der Ortsverband der Frauenunion hatte die Werbung öffentlich als sexistisch und diskriminierend kritisiert. Nun wurde das Plakat ausgetauscht.

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Der Grund für die Diskussion war nicht das freizügige Abbild der jungen Frau mit einer Biomasse-Heizung daneben. Es ging um die Kombination mit dem Text "Beides heiße Geräte … eine geht mit Ihnen shoppen … eine spart Geld und ist effizient". Der Text sei diskriminierend und sexistisch und würde die Frau als Objekt degradieren, so die Altöttinger Frauenunion in ihrem Beschwerde-Brief.

Auf Plakat prangt nun ein Mann mit Sixpack

Das umstrittene Plakat wurde nun, wie bereits zuvor vom Inhaber des verantwortlichen Unternehmens angekündigt, ausgetauscht. Jetzt hängt die männliche Version der Werbung von Heizungsbauer Thomas Brunner. Sie zeigt einen jungen Mann, der sich einen Cowboyhut ins Gesicht zieht und dabei seinen Sixpack präsentiert im Vordergrund, im Hintergrund steht eine Badewanne. Der Text dazu: "Mmmhh lecker … aber Entspannung und Ruhe … hat Frau nur in Ihrem neuen Bad. Das haben Sie sich verdient!" Thomas Brunner sagt dazu, er habe sich für beide Geschlechter etwas einfallen lassen und das sei nun die männliche Version, auf die er ebenso fast nur positives Feedback bekomme.

"Wenn mich Kundinnen ansprechen auf das Plakat, dann sagen die höchstens: 'He, ist der bei der Badewanne dabei, oder kommt der zum Montieren, oder bist das du?' – Aber ich bin es leider nicht, ich habe keinen Sixpack." Thomas Brunner, Heizungsbauer aus Massing/Inhaber 'Welt der Haustechnik'

Frauenunion kritisiert auch männliche Plakatversion

Die Frauenunion Altötting will nun auch dieses Plakat beim Deutschen Werberat melden. Denn beim ersten Blick wirke dieses Plakat zuerst zwar harmlos, doch je länger man es sich ansehe, desto schlimmer werde es, so die Vorsitzende Monika Klein von Wisenberg. Obwohl die männliche Variante nicht ganz so eindeutig sei wie die weibliche, gehe sie in den Augen der Frauenunion Altötting auch in die sexistische Richtung.

Auf BR-Anfrage schreibt der Deutsche Werberat, dass das Plakat mit dem Mann mit Sixpack noch nie gemeldet wurde, obwohl es ebenfalls seit 2015 im Umlauf ist. Die weibliche Version wurde bereits 2016 gerügt und die Diskussion darum reißt nicht ab, denn das Plakat taucht trotz öffentlicher Rüge immer wieder auf.

Weibliche Version wird letztendlich doch geändert

Nun hängt das allerletzte Exemplar in der Nähe der Keltenhalle in Burgkirchen an der Alz, ebenfalls im Landkreis Altötting. Thomas Brunner will die Frauenplakate jetzt mit geändertem Text nachdrucken lassen.

"Wir haben uns natürlich Gedanken über die Kritik am Plakat gemacht. Und deshalb wird bei den neuen Plakaten das falsch verstandene "Gerät" nicht mehr drauf sein, es heißt jetzt nur noch 'Beide heiß'." Thomas Brunner, Heizungsbauer aus Massing/ Inhaber 'Welt der Haustechnik'

Brunner erklärt, die neuen Plakate würden aber nach all der Zeit nicht aufgrund der Rüge des Deutschen Werberats oder der erneuten Kritik durch die Altöttinger Frauenunion geändert, sondern weil ohnehin neu gedruckt werden müsse.

Kontroverse Diskussion im Netz und in Altötting

Bei den Meinungen über das Plakat, auf dem die Frau als "Gerät" bezeichnet wird, scheiden sich die Geister. So unterschiedlich sich die Kommentarspalten unter den Artikeln zum Thema in den sozialen Medien und auf BR24 lesen, so unterschiedlich sind auch die Aussagen in Altötting, wo darüber diskutiert wird.

"Mich stört das Wort Gerät – ein Gerät ist etwas Seelenloses, etwas, das nützlich ist", schreibt die ortliche Frauenunion-Vorsitzende Klein von Wisenberg in einem Brief an das niederbayerische Unternehmen. "Ein Gerät hat zu funktionieren, das macht, was ich will", sagt Marianne Speckbacher, stellvertretende Ortsvorsitzende der Frauenunion Altötting. "Wenn ich heute in Bayern zu einem Spezl sag: 'He, da geht ein heißes Gerät vorbei', dann sehe ich das eher als positive Einschätzung", meint dagegen Thomas Brunner.

Werbekodex: Personen nicht auf ihre Sexualität reduzieren

Im Leitfaden zum Werbekodex des Deutschen Werberats steht unter dem Punkt "Herabwürdigung/ Diskriminierung", dass keine Aussagen oder Darstellungen verwendet werden dürfen, die Personen mit Objekten gleichsetzen, auf ihre Sexualität reduzieren oder ihre sexuelle Verfügbarkeit nahelegen.

Erotik in der Werbung erlaubt

Erotik in der Werbung sei generell erlaubt, sie gehöre ebenso wie die Sexualität zur freien Gesellschaft. Die Grenze zu einer Herabwürdigung dürfe jedoch hierbei nicht überschritten werden, schreibt der Deutsche Werberat in seinem Leitfaden.

Wann dies der Fall ist, liegt jeweils im Auge der Betrachterin oder des Betrachters. Erst wenn ein Vergehen gemeldet wird, kommt es für eine Rüge vom Deutschen Werberat in Frage. Von selbst wird der Rat nicht aktiv, es muss sich jemand so durch die Werbung gestört fühlen, dass sie oder er sie meldet.

© BR

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