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Die Politik schreibt Unternehmen in Bayern in Sachen Corona-Tests nichts vor. Spitzenverbände der Wirtschaft lehnen eine Pflicht ab und auch große Unternehmen in Unterfranken sehen diese kritisch. Dabei gibt es kleinere Betriebe, die dafür sind.

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Debatte um Corona-Testpflicht in unterfränkischen Betrieben

Die Politik schreibt Unternehmen in Bayern in Sachen Corona-Tests nichts vor. Spitzenverbände der Wirtschaft lehnen eine Pflicht ab und auch große Unternehmen in Unterfranken sehen diese kritisch. Dabei gibt es kleinere Betriebe, die dafür sind.

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Von
  • Leon Willner

Wer die Steak-Boutique von Christoph Götz und Jan Wiesner in der Würzburger Innenstadt betritt, reist optisch hundert Jahre zurück: In die 1920er-Jahre, mit goldlackiertem Grammophon und zwei Verkäufern, die mit Fliege hinter den Tresen stehen. Das Hygienekonzept der beiden Geschäftsführer erinnert jedoch schnell daran, welches Jahr wir haben. Götz und Wiesner haben ihren Laden am 15. Dezember 2020 geöffnet – mitten im Lockdown. Da sie zum Lebensmitteleinzelhandel zählen, durften sie zwar von Anfang an ihr Fleisch und ihre Weine verkaufen, allerdings immer mit Masken und Abstand – und einer beschränkten Zahl an Kundinnen und Kunden im Geschäft.

Eine Corona-Testpflicht in Betrieben würden die beiden Start-Up-Gründer begrüßen, ganz anders als so manche Spitzenverbände der Wirtschaft oder große Unternehmen.

Würzburger Start-Up-Gründer für Testpflicht

Jetzt, wo genügend Corona-Schnelltests verfügbar sind, sehen die Jungunternehmer Götz und Wiesner eine Testpflicht positiv – gerade weil sie im Lebensmitteleinzelhandel ständig im Kundenkontakt sind. "Auch wenn nur zwei, drei Leute auf einmal in den Laden dürfen, am Tag sind das dann doch 30, 40, 50 Leute, die hier durchlaufen", sagt Wiesner. Und daher ist der 38-Jährige froh, dank regelmäßiger Tests seinen Kundinnen und Kunden das Gefühl zu geben, dass vom Einkaufen keine Gefahr ausgeht.

BoschRexroth: 5.500 Tests pro Woche

Eine Testpflicht lehnen Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft weiter ab. Und auch große unterfränkische Betriebe stehen einer Pflicht kritisch gegenüber. Statt einer Pflicht wolle man allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Testangebote machen. Auch verdachtsunabhängig, wie Jan Saeger, Unternehmenssprecher von BoschRexroth dem BR sagt: "Wir appellieren an unsere Mitarbeitenden, sich im Interesse der Gemeinschaft an solchen Selbsttests zu beteiligen". Am Standort in Lohr am Main gebe es dieses Angebot seit dieser Woche. Das bedeutet, dass das Unternehmen pro Woche für seine rund 5.500 Mitarbeiter jeweils einen Test zur Verfügung stellt.

IHK-Umfrage: 80 Prozent der Betriebe testen regelmäßig

Kommt das Angebot zu spät? Diesen Vorwurf lehnt Sascha Genders, stellvertretender Leiter der IHK Würzburg-Schweinfurt, ab: "Ich glaube, es wäre vermessen, die Frage der Teststrategie jetzt ausschließlich in Richtung der Wirtschaft zu orientierten" sagt er. "Wir sehen das Phänomen bundesweit, dass wir hinterherhinken, was die Dynamik mit Blick auf den Kampf gegen das Corona-Virus anbelangt".

Eine Testpflicht hält die IHK für falsch. Stattdessen verweist sie auf eine eigene Umfrage, laut der 80 Prozent der Betriebe in Bayern ihre Mitarbeitenden regelmäßig testen. Die IHK ist sich sicher, dass regelmäßige Tests im eigenen Interesse der Unternehmen lägen. Nur so können Unternehmen Infektionsketten rechtzeitig erkennen und verhindern, dass ganze Abteilungen geschlossen werden.

Sorge vor Schließung wegen Corona-Fall

Dass er bei einem positiven Test seinen Laden erst einmal zusperren muss, diese Gefahr sieht auch Jan Wiesner in Würzburg. Für sein Start-Up wünscht er sich in so einem Fall Unterstützung, gerade weil junge Unternehmen Ausfälle schwerer wegstecken. "Aber wir wussten ja von Anfang an, worauf man sich einlässt", sagt er. Corona haben die beiden gelernten Köche nach eigener Aussage als Chance begriffen, etwas Neues zu wagen.

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