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Debatte um Bodensee-Felchen aus Aquakulturen

Die Fischer am Bodensee haben ein Problem: Sie fangen zu wenige Felchen. Die Nachfrage bleibt aber hoch und viele Restaurants und Hotels behelfen sich mit Importfischen und einem Trick. In Baden-Württemberg denkt man deshalb über Aquakulturen nach.

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Weil die Nachfrage nach Bodensee-Felchen größer ist als das Angebot, gibt es in vielen Restaurants und Hotels "Felchen vom Bodensee" statt "Felchen aus dem Bodensee". Mit dieser Formulierung auf den Speisekarten werden immer wieder Importfische etwa aus der Ukraine oder aus Kanada schmackhaft gemacht.

Berufsfischer sehen sich durch Konkurrenz bedroht

Steigern ließe sich das heimische Felchen-Angebot mit Aquakulturen, also mit Zuchtfischen, die dann tatsächlich aus dem Bodensee stammen würden. Im Gespräch sind die Kulturen in Baden-Württemberg. Roland Stohr, der seine Netze vom bayerischen Ufer aus ausbringt, lehnt diesen Vorschlag ab.

"Bisher kommt ein Felchen vom Bodensee nur von Berufsfischern oder man angelt ihn sich selber. Mit dieser Aquakultur wäre das ein Felchen, der auch aus dem Bodensee kommt. Das ist dann ein Konkurrenzprodukt und wir verlieren unser Alleinstellungsmerkmal." Roland Stohr, bayerischer Berufsfischer

Biologe räumt Aquakulturen gute Chancen ein

Alexander Brinker, Biologe an der Fischereiforschungsstelle in Langenargen sieht die Aquakultur im Bodensee dagegen als große Chance für die Berufsfischer. Seine Forschungen haben ergeben, dass sich Sandfelchen - eine der drei Felchenarten im Bodensee - gut in Netzgehegen halten lassen.

"Die Wachstumsleistung und die Futterverwertung ist so, dass man schon jetzt mit dieser Art arbeiten kann und das wird sich in Zukunft weiter verbessern, wenn es so eine Aquakultur geben wird." Alexander Brinker, Biologe an der Fischereiforschungsstelle in Langenargen

Alexander Brinker betont, dass die Felchen in den Netzgehegen nicht mit Antibiotika behandelt, sondern vor dem Ausbringen in den See gegen Krankheiten geimpft würden. Auch die Belastung des Bodensees durch die Ausscheidungen der Fische hält er nicht für problematisch: Es werde ja nicht mehr Fische in den Netzen geben, als früher im See sowieso unterwegs waren. Fischer Roland Stohr dagegen beklagt einen Betrug am Kunden.

"Ich bin Berufsfischer. Ich habe einen Wildfisch aus dem Bodensee. Tiere, die auf engstem Raum gehalten werden, die künstlich gefüttert werden, das ist ja nicht das, was der Konsument bei uns am Bodensee will." Roland Stohr, bayerischer Berufsfischer

Stohr kämpft mit Kollegen weiter gegen eine mögliche Genehmigung und setzt dabei unter anderem auf die Internationale Gewässerschutzkonferenz Bodensee. Die tagt heute in Konstanz, das Thema Aquakulturen steht auf der Tagesordnung. Eine Entscheidung wird heute aber wohl nicht bekanntgegeben.