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Paznauntal in Tirol- Skilandschaft als Gefahr für die Alpen
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Paznauntal in Tirol- Skilandschaft als Gefahr für die Alpen

Die Alpen sind einzigartig, vielfältig und wertvoll, sagt der DAV und warnt, dass dieser Natur-und Kulturraum massiv durch neue Bergbahnen und Skipisten in Gefahr sei. So wie im Tiroler Pitztal. Die geplante Superskischaukel hinüber ins benachbarte Ötztal würde aus beiden Pistenrevieren das größte Gletscherskigebiet Europas machen. Ein 120 Millionen Euro-Projekt, das weitere Erschließungsmaßnahmen befeuern würde, warnt Tobias Hipp, der beim DAV als Experte für alpine Raumplanung tätig ist:

"Es sind weitere Projekte in der Planung, also zum Beispiel die Verbindung Hochötz nach Kühtai, die Verbindung von Weerberg im Inntal bis nach Hintertux in den Zillertalern, dieses Großprojekt hier im Pitztal wäre wirklich der Startschuss für eine Beschleunigung von diesem Wettrüsten im Alpenraum." Tobias Hipp, Deutscher Alpenverein

"Wettrüsten" im Alpenraum

Dass dieses Wettrüsten längst im Gang ist, bestätigt auch Rainer Schultes, der Obmann des Tourismusverbandes im Pitztal. Das hiesige Gletscherskigebiet sei zu klein, um auf Dauer mit der Konkurrenz mitzuhalten. Wirtschaftlich sei das Tal aber zu 80 Prozent vom Wintersport abhängig, sagt Schultes:

"Für uns ist es schon sehr, sehr wichtig, dass auch die jungen Leute eine Perspektive haben. Mit der geplanten Bahn kann man die zwei Gebiete verbinden. Für uns ist das ein sehr, sehr wichtiger Impuls für die Zukunft." Rainer Schultes, Obmann Tourismusverband Pitztal

Bislang ist der Linke Fernerkogel in Sichtweite des Pitztaler Pistenreviers ein beliebtes Ziel von Skitourengehern. Künftig soll auf den 3.264 Meter hohen Gipfel eine Seilbahn führen. Zusammen mit weiteren Anlagen würde die Bahn das Skigebiet um 64 Hektar erweitern. Skifahrer könnten direkt ins das Gebiet von Sölden wechseln, die Gäste im Ötztal hätten die Möglichkeit, auch auf dem Pitztaler Gletscher ihre Schwünge zu ziehen.

Pro und Contra Superskischaukel

Für den DAV führt dieses Projekt völlig in die falsche Richtung. Am Berg wären Flora und Fauna bedroht, im Tal nähme der Verkehr zu. Und das nicht nur im Pitztal, sondern im gesamten Alpenraum. Tobias Hipp vom DAV warnt:

"Wir sehen da eine höchst brisante Entwicklung, wir verlieren mehr und mehr Naturraum an die Skigebiete, immer noch ein Stück Naturraum an technisch erschlossene Räume.“ Tobias Hipp, Deutscher Alpenverein

Die Pitztaler rechnen anders. Mindestens 150 Euro am Tag gibt ein Pistenskifahrer aus, es gebe keine Alternative zu diesem Geschäft, selbst wenn das Skifahren insgesamt in Zeiten des Klimawandels rückläufig sei, sagt Tourismusobmann Rainer Schultes.

"Natürlich stagniert der Skimarkt irgendwo aber es gibt international gesehen sehr viel neue Märkte und Marktpotenzial und wir sehen da schon große Chancen für die Zukunft." Rainer Schultes, Obmann Tourismusverband Pitztal

DAV will kämpfen

Für den Alpenverein dagegen sind neue Liftanlagen eine Hypothek. Künftige Generationen hätten es damit schwerer, auf einen naturnahen Tourismus umzusteigen, warnt DAV-Experte Tobias Hipp und fordert einen generellen Erschließungsstopp.

"Die Alpen sind das am meisten erschlossene Hochgebirge der Welt mit vielen Skigebieten und Liften, gleichzeitig aber wunderschönen Naturlandschaften und alpinen Räume zum Skitourengehen und Bergsteigen. Diese Räume sind jetzt in Gefahr und wir werden dafür kämpfen, diese zu erhalten." Tobias Hipp, Deutscher Alpenverein

Gericht stoppt Skischaukel am Arlberg

Unerwartete Unterstützung haben die Alpenvereine vergangenen Freitag vom Bundesverwaltungsgericht in Wien bekommen. Das hat in letzter Instanz die Pläne für den umstrittenen Zusammenschluss der Skigebiete von St. Anton am Arlberg und Kappl im Paznauntal gestoppt. Aus Naturschutzgründen.

Zukunftswerkstatt Riedberger Horn

Auf bayerischer Seite ist das Wettrüsten der Skigebiete ohnehin abgesagt. Nach jahrelangem Streit um eine Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu verzichteten im April deren Befürworter darauf, ihre bereits genehmigten Planungen umzusetzen. Auch hier hatte sich der Alpenverein stark für den Erhalt der unberührten Gebirgslandschaft eingesetzt. Nach der Kehrtwende will die Staatsregierung zusammen mit Bevölkerung und Verbänden nun Alternativen zum herkömmlichen Skitourismus entwickeln. Der DAV bezeichnet das als Zukunftswerkstatt für den gesamten Alpenraum.

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