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Datenschützer kritisieren Münchner Unis | BR24

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Preisträger Nummer 2: die LMU in München

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    Datenschützer kritisieren Münchner Unis

    Die US-Plattform Coursera bietet Unis weltweit die Möglichkeit, kostenlose Online-Kurse für Studenten anzubieten – und viele Hochschulen nutzen das Angebot bereitwillig. Datenschützer beobachten die Kooperation mit Argwohn. Von Max Muth

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    Die Münchner Unis schneiden in internationalen Rankings gut ab. Beide sind laut dem QS World University Ranking unter den Top 70 Unis der Welt (LMU Platz 69, TU Platz 60). Doch da ist noch Luft nach oben. Um noch internationaler zu werden, arbeiten beide mit der Online-Plattform Coursera zusammen, einem der führenden Anbieter sogenannter MOOCs (Massive Open Online Courses). Bei Coursera können die Hochschulen auf einen Schlag 25 Millionen potentielle Studenten mit ihren Lehrangeboten erreichen.

    Für Studenten ist das Angebot grundsätzlich kostenfrei, nur, wenn sie am Ende eines Kurses ein Zertifikat möchten, wird eine Gebühr fällig, die sich Uni und das US-Unternehmen dann aufteilen.

    Kostenloses Marketing bei 25 Millionen Studenten

    Doch kostenlose Angebote im Internet haben häufig einen Haken: Der Bielefelder Vereins Digitalcourage. befürchtet, dass die Firma am Ende mit den Daten der Studenten Geld verdient. Deswegen hat der Verein den Unis den Big-Brother-Preis verliehen.

    "Die Unis haben den Preis auch stellvertretend bekommen für alle anderen Unis, die mit so ein bisschen schattigen oder zumindest sehr geschäftstüchtigen Unternehmen zusammenarbeiten." Laudator Frank Rosengart vom Chaos Computer Club

    Courseras Geschäftsmodell für die Zukunft: Datenmakler

    Das geschäftstüchtige Unternehmen Coursera verdient bislang nur mit den Kurszertifikaten Geld. Doch das ist wohl nur der Anfang: In einem Mustervertrag des Unternehmens mit der Uni Michigan, der im Netz kursiert, steht, womit das Unternehmen gerne in Zukunft Geld verdienen möchte.

    Coursera will demnach zu einer Art Jobbörse werden. Mit einem entscheidenden Vorteil gegenüber Mitbewerbern wie Linked:in oder Xing: Coursera weiß genau, wie schnell und zuverlässig ein Student seine Kurse absolviert hat. Auf den ersten Blick ist das auch kaum problematisch. Coursera betont, die Daten nur mit Zustimmung der Nutzer weiterzugeben. Und dass gute Leistungen zu guten Jobs führen ist auch nicht verwerflich. Aus Datenschützersicht ist dennoch Vorsicht geboten, meint die Jury des Big-Brother-Awards.

    "Das heißt ganz klar, dass der eigentliche Datenschatz von Coursera nicht die Vorlesungmaterialien sind, sondern es geht darum hinterher eine Kontaktbörse zu sein - und damit auf der Rückseite des Geschäftsmodell nochmal zusätzlich Geld zu verdienen." Frank Rosengart

    US-Datenschutzstandards sind deutlich unternehmensfreundlicher

    Zudem lagern Courseras Daten in den USA, einem Land mit deutlich laxeren Datenschutzbestimmungen. Coursera beteuert zwar, sich an europäische Standards zu halten, das tut das Unternehmen allerdings freiwillig. In einer Zeit, in der US-Behörden nach Passwörtern für Social-Media-Accounts fragen, um über die Einreise zu entscheiden, ist Misstrauen gegenüber US-Datenschutzstandards durchaus nachvollziehbar.

    Die Münchner Unis können diese Sichtweise nur bedingt nachvollziehen. Der bei der TU für die Moocs zuständige Vizepräsident Hans Pongratz weist darauf hin, dass die Coursera-Kurse für die Studierenden komplett freiwillig sind.

    Es geht auch anderes - die Schweiz hat das bereits erkannt

    Doch müssen öffentlich finanzierte deutsche Bildungseinrichtungen für ihr Marketing ohne Not auf US-Unternehmen zurückgreifen?

    In der Schweiz haben große Unis nach kritischen Berichten über Coursera eine Initiative für eine eigene Schweizer Plattform gestartet. Im Juni soll eine Konferenz der Schweizer Hochschulen über die Finanzierung entscheiden. Vielleicht ist das ja auch eine Marketing-Idee für deutsche Universitäten.

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