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Datenanalyse Update: Nürnbergs Puls steigt am schnellsten | BR24

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Wie vor dem Lockdown, aber noch nicht normal: Der Puls von Bayerns Innenstädten

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    Datenanalyse Update: Nürnbergs Puls steigt am schnellsten

    Geschäfte, Friseure, Eisstände: Bayerns Einkaufsstraßen öffnen schrittweise wieder. Eine BR24-Datenanalyse zeigt, dass die Passantenzahlen entsprechend ansteigen - am schnellsten in Nürnberg. Normal schlägt der Puls der Innenstädte aber noch nicht.

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    Seit drei Wochen kann in Bayerns Städten wieder geshoppt werden, seit 4. Mai haben etwa auch Friseure und Fußpfleger geöffnet. Das macht sich auch in den Daten zur Passantenfrequenz bemerkbar, die der Datenanbieter Hystreet für sieben bayerische Städte erhebt. Die folgende interaktive Grafik zeigt, wie der Puls der Innenstädte seit Beginn der Lockerungen wieder nach oben geht:

    Wer am Samstag durch die Münchener Einkaufstraßen bummelte, spürte daher deutlich, dass mehr Menschen unterwegs waren, als in den vergangenen Wochen. Bilder von Schlangen vor Geschäften und Meldungen von Polizeieinsätzen aufgrund von Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen verstärken den Eindruck, dass die Innenstädte fast schon überfüllt wären.

    Die Fortführung der BR24-Datenanalyse zeigt allerdings: Zur Normalität zurück gekehrt sind die Städte noch nicht. Der Puls der Einkaufsstraßen, der in einem regelmäßigen Muster verläuft, mit Spitzen am Samstag und den niedrigsten Werten am Sonntag, ist in den meisten Innenstädten gerade mal auf das Niveau der Wochen vor dem Lockdown angekommen. Die Werte, die in den wesentlich kälteren Monaten Januar und Februar regelmäßig verzeichnet wurden, sind noch nicht erreicht, wie die folgende Grafik zeigt:

    Auch der Vergleich mit den Werten aus 2019, der für fünf bayerische Städte möglich ist, ergibt: Die Zahl der Menschen, die pro Stunde durch die Einkaufsstraßen gehen, liegt an den meisten Tagen deutlich unter den Werten des Vorjahres. Wenn überhaupt, dann kehrt der Puls nur für einige Stunden oder einen einzelnen Tag zur Normalität zurück – in Würzburg zum Beispiel am 6. Mai.

    Am schnellsten normalisiert sich der Puls der Nürnberger Innenstadt. In der mittelfränkischen Metropole waren in den vergangenen Wochen an mehreren Tagen sogar zeitweise mehr Menschen unterwegs als 2019:

    In Ingolstadt und Augsburg gab es das kuriose Phänomen, dass besonders an den Sonntagen ähnlich viele Menschen unterwegs waren, wie im Mai 2019. Hier scheinen die Menschen zwar noch verhalten einzukaufen, der Sonntagsspaziergang durch die Stadt wird aber wieder aufgenommen:

    Für die Landeshauptstadt zeigen die Daten, dass die Neuhauser Straße an keinem Tag die Passantenzahlen aus dem vergangenen Jahr erreichte:

    Das gefühlte Wahrnehmung und tatsächliche Zahlen voneinander abweichen, ist für Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern kein Wunder. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – wir haben uns in den vergangenen Wochen einfach an das Bild sehr leerer Innenstädte gewöhnt." Gerade die Schlangen vor den Geschäften würden dramatisch aussehen – dabei müsse man sich vorstellen, dass diese Menschen sich im Normalfall in den Geschäften aufhielten.

    Und selbst wenn etwa Nürnbergs Passantenzahl auf Normalwerte zusteuert – in der Bilanz der Händler macht sich dies nicht bemerkbar. "Die Geschäfte sind überall in Bayern noch bei einem Umsatz von 40 bis 60 Prozent dessen, was zu dieser Zeit im Jahr normal wäre", sagt Ohlmann. Besonders hart treffe es den Textileinzelhandel, da es weniger Anlässe zum Kauf neuer Kleidung, wie etwa Hochzeiten, gebe.

    Gerade in großen Städten wie München fehlten laut Ohlmann in ganz Deutschland auch Touristen und Messebesucher. Die Öffnung der Außengastronomie in dieser Woche könnte dem Puls der Innenstädte in dieser Hinsicht einen weiteren Schub verleihen. Ohlmann sieht das nicht nur positiv: "In den Geschäften wird sehr genau und gut auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet – auf der Straße allerdings wird das zunehmend zum Problem werden, wenn wieder mehr Menschen unterwegs sind."

    Über die Daten

    Der Datenanbieter Hystreet ist darauf spezialisiert, Passantenströme in Innenstädten mithilfe von fest installierten Laserscannern zu erfassen. An 118 Standorten in Einkaufsstraßen deutscher Städte werden so die vorbeigehenden Menschen gezählt. In Bayern sind es 14 Messstellen in insgesamt 8 Städten.

    Für diese Analyse wurde bei einer Auswahl von mehreren Messstationen, etwa in Nürnberg und München, die Station mit der längsten Zeitreihe gewählt, um die historischen Vergleiche anstellen zu können. Die Daten vom Grünen Markt in Bamberg konnten leider nicht verwertet werden, da der dortige Laser seit 21. April defekt ist. Für Ingolstadt gibt es Messlücken am 05. Mai und von 07. bis 09. Mai.

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