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Trachtlersorgen und kaum Maibäume

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Das verhinderte Fest - nur wenige Maibäume werden aufgestellt

Maifeste fallen völlig flach, Maibäume werden nur ganz wenige in Bayern aufgestellt. Die große Tradition zum 1. Mai ist ein weiteres Jahr von Corona überschattet. Die Trachtenvereine leiden darunter, überlegen sich aber etwas für ihre Mitglieder.

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Von
  • Erich Wartusch

Weil die Abstandsregeln beim klassischen Maibaum-Aufstellen mit vielen starken Händen nicht eingehalten werden können, dürfen Bäume in diesem Jahr nur per Kran aufgestellt werden: Wenige Beteiligte und keine Zuschauer - das sind die Maßgaben. Deshalb haben viele Orte verzichtet. Ausnahmen sind zum Beispiel Karlstadt und Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart oder Weiden in der Oberpfalz.

Start in den Mai ein Fixtermin für Trachtenvereine

Häufig organisieren Heimat- und Trachtenvereine das Aufstellen. Der Heimat- und Trachtenverein D'Ammertaler Dießen / St. Georgen hatte seinen Maibaum sogar schon gefällt. Er liegt jetzt im Wald und soll dann erst im Sommer oder Herbst aufgestellt werden. Verständnis, aber auch Enttäuschung bei den Vereinsmitgliedern, die letztes Jahr schon auf ihr 100-jähriges Jubiläumsfest verzichten mussten: "Man tut und macht und probiert, dass es nach dem Hygienekonzept irgendwie geht. Es wäre ja auch im Freien gewesen. Da waren viele enttäuscht, weil sie es nicht nachvollziehen konnten", sagt Nadja Lindner von den D'Ammertalern.

Immer wieder machten auch der TÜV oder Gutachter den Vereinen einen Strich durch die Rechnung: Wo die Standfestigkeit von Maibäumen nicht mehr gesichert ist, mussten sie abgebaut oder zumindest gestutzt werden. An einigen Orten bleibt der traditionelle Platz für den Maibaum deshalb bis auf weiteres leer.

Mini-Maibäume sollen große Bäume ersetzen

Alternative Ideen aber gibt es viele: Zwei Schwestern aus Train im Landkreis Kelheim verkaufen Maibäume für Gärten oder das Wohnzimmer. Aus Gilching kommt die Idee eines Maibaum-to-go als Tischdeko oder fürs Blumenbeet erfunden. Es ist ein Bastelset, aus dem sich ein 30 Zentimeter großes Mini-Stangerl zusammensetzen lässt. Außerdem kommt zum Feiern daheim ein "Maifest-Set" dazu, bestehend aus einer riesigen Breze, Obazdn und Getränken, sowie Rezepten für Kartoffelsalat und einen Cocktail.

Virtuelle und historische Maibäume

Wegen des großen Erfolgs im Vorjahr bringen die Schwemmelsbacher Maibaum-Burschen aus dem Landkreis Schweinfurt in einem Video-Clip die Birke erneut meterweise und Stück für Stück ins Dorf – unter strengster Einhaltung der Hygieneregeln. Die Stadt Geretsried setzt die Filmreihe zur Tradition des Maibaumaufstellens, die historische und größtenteils unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Stadtarchiv zeigt, fort. Die Maibaumfreunde Neuburg-Schrobenhausen stellen ebenfalls keinen eigenen Maibaum heuer auf, sondern küren den schönsten Baum in den umliegenden Gemeinden.

Keine Zukunftssorgen bei Trachtenvereinen

Viele Vereine schaffen es trotz der Pandemie, ihre Mitglieder bei der Stange zu halten. Der Bayerische Trachtenverband bestätigt, dass die Mitgliederzahlen in den meisten Vereinen stabil sind. "Das ist eine Traditionssache, die Leute sind 30, 40 Jahre im Verein. In den kleineren Orten ist man da einfach dabei. Die Mitgliedsbeiträge sind moderat. Allein deshalb tritt eher keiner aus", sagt Erich Tahedl, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes.

Auch am Ammersee sind bisher alle an Bord geblieben. Diese jahrzehntelange Tradition gibt man nicht so einfach auf, auch wenn die Lage schwierig ist, begründet der Vereinsvorsitzende Andreas Huber die Treue seiner mehr als 250 Mitglieder. Mit verstärkten Online-Aktivitäten, gerade auch für die Jüngeren, versucht man die Monate, in denen persönliche Treffen nicht möglich sind, zu überbrücken: ein bayerischer Abend mit einer Bierprobe, ein Rettich-Schneidekurs per Zoom oder ein Faschingsvereinsabend mit virtuellen Spielen. Aber alle sehnen sich auch in Dießen nach der Zeit, wenn Tanzabende, Feste und Fahnenweihen wieder möglich sein werden.

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