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Das Sprachenzentrum der FAU Erlangen-Nürnberg wird 50 | BR24

© dpa/ picture alliance

Das Sprachenzentrum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg feiert 50-jähriges Bestehen.

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    Das Sprachenzentrum der FAU Erlangen-Nürnberg wird 50

    Das Erlanger Sprachenzentrum feiert 50. Geburtstag. Vor dem Internet mussten sich die Lehrenden noch mit VHS-Kassetten aus dem Urlaub und anderen Unterrichtsmaterialien über Wasser halten. Ein Blick auf die Geschichte des Sprachenzentrums.

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    Rund 100 Personen arbeiten beim Sprachenzentrum der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und Nürnberg. Dozenten aus insgesamt 43 Ländern unterrichten hier Klassiker wie Englisch und Spanisch, aber auch etwas außergewöhnlichere Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder sogar Swaheli. Heute feiert das Sprachenzentrum sein 50-jähriges Bestehen. Geschäftsführer Gunter Lorenz und sein Vorgänger Gerhard Koller erinnern sich an die lange Geschichte der Sprachenlehre in Erlangen.

    Als das Sprachenzentrum noch mit VHS lehrte

    Wer heutzutage fremdsprachiges Unterrichtsmaterial braucht, der begibt sich aller Wahrscheinlichkeit nach einfach auf Google und sucht nach den entsprechenden Inhalten. Dieser Luxus war den Lehrenden des Erlanger Sprachenzentrums lange Zeit verwehrt. Deswegen prangt noch heute auf dem Dach der Philosophischen Fakultät eine riesige Antenne aus vergangenen Tagen. Der ehemalige Geschäftsführer Gerhard Koller erinnert sich: "Wir hatten durch diese umfangreiche Antennenanlage die Möglichkeit, Fernseh- und Radiosendungen aus vielen Ländern hier zu empfangen." Doch werden damals auch die muttersprachlichen Dozenten aus zum Beispiel Frankreich, England oder Spanien in die Pflicht genommen. Von ihren Heimatbesuchen sollen sie Anschauungsmaterial mitbringen. So werden kurzerhand VHS-Kassetten mit TV-Sendungen, Nachrichten oder Werbung bespielt und nach Erlangen importiert. Koller weiter: "Das war alles im Vergleich zu heute wahnsinnig aufwendig."

    Sprach-Dozenten der FAU waren häufig Autodidakten

    Rückblende: Die Geschichte des Erlanger Sprachenzentrums beginnt im Jahr 1969. Bei einer Tagung in der fränkischen Universitätsstadt treffen sich Fremdsprachenlehrer und diskutieren, wie man die Sprachausbildung professionalisieren könnte. Denn die damaligen Dozenten sind von heutigen Standards noch meilenweit entfernt, wie Gerhard Koller sagt: "Das waren damals meistens Autodidakten. Die einen mehr, die anderen weniger begabt, zu unterrichten." Mittlerweile sei die Sprachenlehre doch wesentlich komplexer geworden.

    Fremdsprachen werden fester Bestandteil des Studiums

    Denn langsam aber sicher kommt die Technologie in den Sprachunterricht. Die Folge sind Sprachlabors an vielen Universitäten. Da zahlreiche Institute mit der Bedienung der Labors überfordert sind, zentralisieren die Erlanger die Fremdsprachen-Ausbildung der Universität. Im Laufe der Jahre werden Fremdsprachen zum festen Bestandteil eines jeden Studiums, unabhängig von der Fachrichtung. Ob BWLer, Lehramtsstudent oder Mediziner: Für so gut wie alle hat das Sprachenzentrum mittlerweile ein zugeschnittenes Angebot.

    Sprachenlehre an der Uni: Mehr als ein Crashkurs

    Geschäftsführer Gunter Lorenz betont, dass die Lehre des Sprachenzentrums weitaus mehr in die Tiefe gehe, als ein Crashkurs, den man benötigt, um sich im Urlaub verständigen zu können. So gibt es zum Beispiel fachspezifische Englisch-Angebote für Biologen oder Juristen, unterrichtet von Muttersprachlern.

    Sprachkenntnisse als Vorteil auf dem Arbeitsmarkt

    Lorenz erklärt weiter, dass viele Studierende heutzutage versuchen, sich durch eine weitere Sprache zusätzlich zu spezialisieren und sich so von der Konkurrenz abzuheben. Besonders in Hinblick auf die Jobsuche nach dem Studium. Welche Sprachen besonders beliebt sind, ist laut Geschäftsführer Gunter Lorenz häufig davon abhängig, was gerade in Mode ist. Aktuell seien Chinesisch, Japanisch und Koreanisch bei den Studierenden sehr begehrt: "Wenn wir diese Kurse online schalten, sind sie innerhalb von Minuten ausgebucht."

    Swaheli: Türöffner in der Entwicklungshilfe

    Doch das Sprachenzentrum unterrichtet auch Sprachen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich scheinen. Zum Beispiel Swaheli. Da Erlangen ein großer Medizin- und Theologie-Standort ist, so Lorenz, sei Swaheli gerade für diejenigen interessant, die sich in der Entwicklungshilfe in Afrika engagieren wollen. "Dass sie dann eine örtliche Sprache schon bei uns im Studium lernen können, halten wir für eine förderungswürdige Angelegenheit."

    Individuelle Bedürfnisse: der Weg in die Lernautonomie

    Mittlerweile verzeichnet das Erlanger Sprachenzentrum mehr als 16.000 Anmeldungen im Jahr. Bei 40.000 Studenten heißt das, dass fast jeder Zweite einen Kurs im Sprachenzentrum besucht. Die Bedürfnisse der Studierenden werden laut Lorenz dabei immer individueller. Diesen Trend habe das Sprachenzentrum in Erlangen erkannt und eine Sprachlernberatung eingerichtet, um die Studierenden im Prozess zur Lernautonomie zu unterstützen. Gunter Lorenz: "Der Sprachunterricht geht immer mehr dahin, das, was objektiv zu unterrichten wäre in Verbindung zu setzen mit dem wirklichen Spracherlebnis, das die Leute haben und brauchen."