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"Das ist hirnfrei!" Oberarzt entsetzt über Corona-Leugner | BR24

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Bildrechte: BR-Fernsehen

Oberarzt Matthias Baumgärtel kritisiert die Anhänger der Querdenken-Bewegung scharf, die zuletzt auch in Lauf an der Pegnitz demonstriert haben. Jeden Tag kämpft er auf der Intensivstation im Klinikum Nürnberg um das Leben von Covid-19-Patienten.

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"Das ist hirnfrei!" Oberarzt entsetzt über Corona-Leugner

Ein Oberarzt am Klinikum Nürnberg kritisiert das Verhalten der selbsternannten "Querdenker" scharf. Jeden Tag kämpfen er und sein Team auf der Intensivstation um das Leben von Covid-19-Patienten. Gerne würde er die Corona-Leugner dorthin einladen.

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Von
  • Florian Weber

130 Menschen mit Covid-19 werden aktuell (Stand: 01.02.2021) im Nürnberger Klinikum behandelt. 34 davon auf den Intensivstationen, 22 müssen beatmet werden. Querdenker haben am Wochenende im nahe gelegenen Lauf an der Pegnitz erneut gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Einem Nürnberger Intensivmediziner platzt angesichts dieser Bilder der Kragen.

Personal seit Monaten am Limit

Dr. Matthias Baumgärtel ist Oberarzt am Nürnberger Klinikum Nord. Schon im Dezember hat das kommunale Krankenhaus den Pandemie-Alarm ausgelöst und bis heute nicht wieder aufgehoben. "Wir haben aktuell etwas weniger Patientenlast als noch vor ein, zwei Wochen, das liegt aber vor allem daran, dass viele Patienten verstorben sind", so Baumgärtel. Jeden Tag, jede Stunde arbeite das Personal am Limit, heißt es aus dem Klinikum. Von Reinigungskräften, über Pflegekräfte, Pflegedienstleitung, Stationsleitung bis hin zu den Ärzten.

Fassungslosigkeit angesichts Querdenker-Demos

Angesichts seiner eigenen Erfahrungen kann der Intensivmediziner Bilder von Corona-Demos nicht fassen: "Ich wage zu behaupten, sie haben noch nie einen Corona-Patienten live gesehen. Wenn die mal die Schicksale der Leute sehen würden, deren Leben sie gefährden, dann würden sie vielleicht anders denken. Wie es den Patienten geht, wie sie aussehen, wie sie leiden und wie auch die Angehörigen leiden, das ist alles nicht zu ertragen", so der Mediziner.

Videos in 14 Sprachen sollen wachrütteln

Aber nicht nur Corona-Leugner und Querdenker, überhaupt würden viele Menschen nach wie vor die Gefahr des Virus unterschätzen, meint Baumgärtel. Deshalb will er mit seinem Team wachrütteln. Kleine Videoappelle in 14 Sprachen haben Mitarbeitende des Nürnberger Klinikums gedreht. Unter dem Titel "Bitte nehmt Corona ernst" sind sie auf Youtube zu finden.

Das Klinikpersonal hofft das die Filme möglichst oft in den sozialen Medien geteilt werden. "Wir wollen unsere Verzweiflung herausschreien und das in allen uns verfügbaren Sprachen". Da am Klinikum ein internationales Team arbeite, seien schnell die Videos in 14 verschiedenen Sprachen zusammengekommen.

Die einfachste Lösung, nicht auf der Intensivstation zu landen: Nicht anstecken!

Die einfachste Lösung, nicht auf der Intensivstation zu landen, ist sich gar nicht erst anzustecken. Das sei die wichtigste Botschaft des Klinikpersonals, das dauerhaft mit erschreckenden Covid-19-Fällen zu tun habe, so Baumgärtel: "Junge Patienten im Alter von 30 Jahren ohne Vorerkrankungen an der Herz-Lungenmaschine zu haben und sie dann doch zu verlieren, das ist natürlich schon etwas, was einen immer wieder berührt. Das geht nicht spurlos an uns vorüber, geht am ganzen Team nicht spurlos vorüber."

Ein Intensivaufenthalt bedeute ein hohes Risiko zu versterben oder lange Zeit als Pflegefall zu leben, betont der Oberarzt. Das gelte es auf jeden Fall zu vermeiden.

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