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Jetzt gibt es viel Impfstoff, aber kaum noch Impfwillige in Bayern. Und auch von vielen bayerischen Impfzentren wird eine sinkende Impfnachfrage wahrgenommen. Deswegen gehen einige Impfzentren jetzt neue Wege, um die Menschen zu erreichen.

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Das Impfen geht in eine neue Phase: Wenig Nachfrage in Bayern

Leere Gänge und volle Impfstofflager – die Nachfrage nach Terminen scheint in den Impfzentren zurückzugehen. Dabei sind erst 51,3 Prozent der Bayern einmal und 35,7 Prozent voll geimpft. Gerät die Impfkampagne ins Stocken?

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Von
  • Arno Trümper

Impfzentrum Memmingen. Hier wollten die Verantwortlichen den Impfturbo einlegen. 1.800 Dosen Astrazeneca standen bereit. Jeder, der wollte, konnte vorbeikommen und sich seinen Piks abholen. Nur, es kam fast keiner: Gerade einmal 180 Impfungen wurden verabreicht und schließlich die Impfaktion vorzeitig abgebrochen.

Weniger Erstimpfungen in den letzten Wochen

Tatsächlich scheint es schon seit einigen Wochen mit dem Impfen nicht so recht weiterzugehen. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni stieg die Zahl der Erstimpfungen gerade einmal um elf Prozent, in den 30 Tagen davor waren es noch fast 20 Prozent.

Gerät die bayerische Impfkampagne also ins Stocken? Ein Ministeriumssprecher widerspricht: "Bei den Impfquoten haben wir in Bayern eine Art Pendelbewegung. Im Zeitraum der 21. bis 23. Kalenderwoche gab es in Bayern vermehrt Zweitimpfungen. So gibt es derzeit wieder vermehrt Erstimpfungen und in sechs Wochen wird es daraus resultierend voraussichtlich wieder mehr Zweitimpfungen geben. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass während der Pfingstferien rund 240.000 Impfungen weniger stattgefunden haben als vor oder nach den Ferien."

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Entwicklung Impfungen Stadt München

Seit zwei Wochen nimmt die Zahl der Erstimpfungen bayernweit aber wieder zu. Jetzt gehe es darum, den letzten Personen mit Impfpriorisierung ein Impfangebot zu machen. Bis Ende der Woche soll es soweit sein.

Viele erscheinen nicht zu ihrem Impftermin

Entsprechend hatte die Staatsregierung angekündigt, die Impfpriorisierung aufzuheben. Tatsächlich dürfte dieser Schritt überflüssig sein, wenn bald alle Menschen mit Priorisierung ein Impfangebot haben. Allerdings erweist sich die Koordinierung zwischen Impfzentren und niedergelassenen Ärzten offenbar als schwierig. Etwa erscheinen im Impfzentrum München-Riem täglich im Schnitt 150 Personen nicht zu ihrem vereinbarten Termin. Grund scheinen die vielen Doppelmeldungen zu sein.

Darum der Aufruf des Gesundheitsministeriums: "Wir bitten die Bürger zudem darum, ihre Registrierung auf der Impfplattform BayIMCO zu überprüfen und gegebenenfalls zu löschen, wenn Sie zwischenzeitlich von einem niedergelassenen Arzt oder einem Betriebsarzt eine Impfung bekommen haben. Überprüfungen zeigen, dass immer wieder Impftermine verschickt werden, obwohl der Adressat bereits eine Impfung außerhalb der Impfzentren, zum Beispiel beim Hausarzt, erhalten hat. Mit der rechtzeitigen Löschung einer BayIMCO-Registrierung gehen diese Termine schneller an noch wartende Personen."

Ziel: Gerüstet sein für die Delta-Variante

Was ist los mit den Bayern? Wie kommt es, dass der Freistaat bei den Erstimpfungen auf Platz 14 aller 16 Bundesländer liegt? Eine Erklärung dafür ist die Fokussierung auf die Zweitimpfungen. Hier liegt Bayern immerhin auf Platz fünf. Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hält das für die richtige Strategie:

"Angesichts der auch in Deutschland zu beobachtenden Verbreitung der sogenannten Delta-Variante des Coronavirus appelliere ich dringend an die erwachsene Bevölkerung, alle Impfangebote wahrzunehmen. Vor allem sollten alle auch die erforderlichen Zweitimpfungen fristgerecht vornehmen lassen. Aktuelle Studien zeigen, dass der Impfschutz gegen die Delta-Variante bei nur einmaliger Impfung um 17 Prozent geringer ausfallen könnte als gegen die bisherige Alpha-Mutante." Dr. Klaus Reinhardt, Präsident Bundesärztekammer

Das bedeutet also: Nur wer beide Impfungen hat, ist ausreichend vor der Delta-Variante geschützt. Die steigenden Infektionszahlen in Großbritannien, wo zwar viele erst- aber noch relativ wenige zweitgeimpft sind, belegen das. Darum sollen möglichst viele Zweitimpfungen die vierte Welle im Freistaat aufhalten.

"Bis zum Beginn der Sommerferien", so das Ziel der Staatsregierung, "können rund 70 Prozent der bayerischen Bevölkerung erst- und rund 50 Prozent zweitgeimpft sein, entsprechende Impfstofflieferungen und Impfwilligkeit vorausgesetzt".

Die Bevölkerung muss mitmachen

Max Kaplan, der ärztliche Koordinator für die Region Unterallgäu, sieht im Moment ein Nachlassen des Impf-Eifers und bei der Einhaltung der AHA-Regeln in der Bevölkerung. "Der Rückgang der Inzidenz, die warme Witterung und die lang ersehnte Urlaubszeit vermitteln ein Gefühl der Entspannung und einer Normalität, die leider nicht gegeben ist", betont Kaplan. "Einer schnellen Zunahme der Delta-Variante können wir nur durch den Erhalt einer niedrigen Inzidenz und einer möglichst hohen Impfquote entgegentreten."

Darum ist am Wochenende im Impfzentrum in Bad Wörishofen wieder eine Sonderaktion geplant: Ohne Terminvereinbarung kann sich jeder Volljährige eine Spritze geben lassen, der im Bayerischen Impfportal registriert und dem Impfzentrum Bad Wörishofen zugeordnet ist. Die Aktion läuft von Freitag 13 bis 22 Uhr und am Samstag von 8 bis 22 Uhr, solange der Vorrat reicht. Es stehen insgesamt 1.000 Dosen Astrazeneca zur Verfügung.

Viele Impfkampagnen in den Regionen

Weitere Beispiele für Impfaktionen, die in ganz Bayern für das Wochenende geplant sind:

  • Impfzentrum Kaufbeuren: Am 2. und 3. Juli von 17 bis 22 Uhr kann sich jede volljährige Person, die dem Impfzentrum Kaufbeuren zugeordnet ist, ohne Termin impfen lassen. Verimpft werden 800 Dosen Astrazeneca. Voraussetzung für eine Impfung ist die Registrierung im Bayerischen Impfportal.
  • Impfzentrum Bad Kissingen: Am 2. Juli von 8 bis 20 Uhr können 1.000 Dosen Astrazeneca verimpft werden. Wer sich impfen lassen will, muss beim zentralen Impfportal angemeldet sein und sich im Internet auf der Website des Landkreises registrieren.
  • Neuburg-Schrobenhausen: Impfaktion mit Astrazeneca am 2. und 3. Juli. Wer volljährig und aus dem Landkreis ist und sich impfen lassen will, kann online einen Termin buchen und sich über www.impfzentren.bayern registrieren.
  • Eichstätt: Sonderimpfaktion mit Astrazeneca für alle volljährigen Landkreisbürger am 1. und 2. Juli, vorherige Registrierung notwendig.

Das Ende der Impfzentren?

Aber sind die Impfzentren bei so einer schleppenden Nachfrage nach Impfungen überhaupt noch sinnvoll? Etwa schließt der Landkreis Regen am 30. Juni sein Impfzentrum.

Für das Gesundheitsministerium ist ein Ende der Impfzentren momentan aber keine Option, so ein Sprecher: "Die Bayerische Impfstrategie fußt auf drei Säulen: Impfzentren, niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte. Aktuell hält Bayern daran fest. Der Bund hat eine Finanzierung der Impfzentren bis 30. September zugesagt."

Entsprechend wir sich auch der Landkreis Regen nicht ausschließlich auf die niedergelassenen und Betriebsärzte stützen. Mit mobilen Impfteams sollen in den Kommunen "Impftage" abgehalten werden. Wenn die Leute also nicht ins Impfzentrum kommen, dann kommt das Impfzentrum eben zu ihnen.

"Ich tu's für …" Kampagne gegen Impfmüdigkeit

"Ich tu's für die Schlager-Hommies", lässt sich die Rapperin Ashley für eine Kampagne des bayerischen Gesundheitsministeriums zitieren, mit der besonders Unentschlossene für eine Corona-Impfung gewonnen werden sollen. "Ich bitte Sie: Lassen Sie sich impfen und schützen Sie damit sich und andere", so wirbt auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Und weiter auf der Website der Kampagne: Endlich wieder Essen gehen, Freunde treffen, die Großeltern besuchen, verreisen, Live-Konzerte erleben – einfach wieder ein normales Leben führen. Deshalb heißt es jetzt: Zusammenhalten und impfen gehen!

Video: Bayerns Gesundheitsminister Holetschek im BR24Live-Interview

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Im Interview mit BR24Live: der Bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

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