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Streit um "Mein Kampf"

Vor einem Jahr lief das Urheberrecht des Freistaats Bayern auf das Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler aus. Seitdem herrscht Uneinigkeit in der Öffentlichkeit: Inwieweit soll an Bayerns Schulen im Unterricht darüber gesprochen werden? Von J. Reichart

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Vor einem Jahr lief das Urheberrecht des Freistaats Bayern auf das Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler aus. Seitdem herrscht Uneinigkeit in der Öffentlichkeit: Inwieweit soll an Bayerns Schulen im Unterricht über die Hetzschrift gesprochen werden?

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ist dafür, das Buch unter Verschluss zu halten und mit den Schülern lieber den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu behandeln. Anders sieht es Kultusminister Ludwig Spaenle, CSU

Nachdem das Buch sogar in der unkommentierten Version zum Teil schon auf dem freien Markt herumgeistert, sieht er die Notwendigkeit, an den Schulen intensiver über die Hetzschrift aufzuklären. Vor den Abgeordneten machte der Kultusminister nun deutlich, dass auch die kommentierte Version der Propagandaschrift kein Schulbuch sein und auch nicht an den Schulen verteilt werde.

Aufklärung in kritischer Weise

Die Schüler sollen aber anhand von Auszügen aus „Mein Kampf“ über die NS-Geschichte in kritischer Weise aufgeklärt werden. Nachdem das Urheberrecht des Freistaats im vergangenen Jahr ausgelaufen ist, müsse mit den Schülern über den Umgang mit der Hetzschrift gesprochen werden, findet Spaenle.

Dazu stellte er im Bildungsausschuss eine Handreichung für den Unterricht vor, ausgearbeitet von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Bei den Abgeordneten herrschte Einigkeit, dass ein umfassendes Wissen über die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte sinnvoll sei; dazu gehöre auch die Hitler-Schrift. Einzelne Parlamentarier bemängelten, dass bei der Dichte des Lehrplans kaum noch Zeit für diese intensive Auseinandersetzung bleibe. Im Herbst sollen Lehrer im Landtag davon berichten, wie die Handreichung im Unterricht ankommt.

Plan einer Neuedition seit Mitte der 1990er-Jahre

Erste Pläne, "Mein Kampf" in einer kommentierter Neuedition aufzulegen, gibt es schon seit Mitte der 1990er-Jahre. Doch das bayerische Finanzministerium verweigerte als Rechteinhaber stets die Zustimmung. Erst 2012 kam Bewegung in die Angelegenheit, nachdem der britische Verleger McGee seine umstrittenen "Zeitungszeugen" an den Kiosk gebracht hatte - Nachdrucke von Nazi-Zeitungen wie dem antisemitischen Hetzblatt "Der Stürmer".