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Das Germanische Nationalmuseum in Zeiten der Corona-Krise | BR24

© pa/dpa/Nprbert Probst

Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg.

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    Das Germanische Nationalmuseum in Zeiten der Corona-Krise

    Veranstaltungen werden wegen der Corona-Krise bis in den Hochsommer hinein abgesagt und auch die Museen leiden unter der Schließung. Wie geht das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, das größte kulturgeschichtliche Museum Deutschlands, damit um?

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    Von
    • Susanne Nüsslein

    Keine Besucher - Stillstand bei Ausstellungsvorbereitungen. Das Coronavirus zwingt zum Stillstand in vielen Museen. Doch im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg  macht man derzeit aus der Not das Beste und arbeitet an Projekten, die mit normalen Besucherverkehr komplizierter von der Hand gingen und - innen wie außen - auch an vielen Baustellen rund um das Museum.

    Bauarbeiten an der neuen Spätmittelalterhalle

    Die Bauarbeiten an der neuen Spätmittelalterhalle gehen weiter: Bodenplatten werden verlegt und das Flachdach des Museumsanbaus wird abgedichtet. Anfang 2022 soll die die neukonzipierte Halle eröffnet werden: Gemälde aus dem 14. und 15. Jahrhundert – die zu den bedeutendsten Beständen des Museums zählen – werden dann mit Gegenständen des Spätmittelalters ergänzt.

    Restaurierungsarbeiten im Homeoffice

    Auch in den Restaurierungswerkstatt des Museums wird derzeit gearbeitet: Eine Holzskulptur aus dem 15. Jahrhundert, die Beweinung Christi, muss gereinigt werden. Vorsichtig werden schadhafte Stellen ausgebessert und farblich retuschiert. Doch Museumsleiter Daniel Hess hat auch viele Arbeiten ins Homeoffice verlegt:

    "Die restauratorischen Arbeiten laufen dort weiter, wo sie entweder im Homoffice erledigt werden können, was Bestandskataloge, kunsttechnische Untersuchungen oder Auswertungen angeht - ansonsten laufen sie weiter, was die Forschungsprojekte angeht." Museumsleiter Daniel Hess

    Restauriert wird auch im Museum - aber "natürlich mit dem gebührenden Abstand und den ganzen Maßnahmen und Regeln", so Museumsleiter Daniel Hess.

    Fotodokumentation - mit Sicherheitsabstand

    Von den 237 Mitarbeitern des Museums kann die Hälfte im Homeoffice arbeiten. Angelika Hofmann - die Leiterin für der Ur- und frühgeschichtlichen Sammlung hat derzeit anstrengende Arbeitstage im Museum: Tausende Exponate ihrer Sammlung werden derzeit aus den Vitrinen genommen – mit der Inventarnummer verglichen , fotografiert und digitalisiert. Für Angelika Hofmann würden diese Arbeiten jedenfalls zu normalen Museumszeiten nicht so leicht und schnell zu realisieren sein. In den Räumen wurden insgesamt drei Fotostationen platziert - an einer Fotostation arbeiten maximal zwei Leute immer mit Sicherheitsabstand, berichtet sie. Eine Person reicht die Museumsobjekte an und platziert sie auf dem Fototisch. Die zweite Person sitzt am Computer, fotografiert und gibt dann auch die Inventarnummer ins Computersystem ein.

    Tausende Exponate werden fotografiert

    Wenn ein Foto eines Exponats wie zum Beispiel eine Babyflasche aus dem 12. Jahrhundert vor Christus digitalisiert ist, kann es wenig später auf der Homepage des Museums betrachtet werden und zwar fast besser als vor der Vitrine im Museum. Digital sollen weitere Museumsbesucher gewonnen werden. Einfache Objekte werden mit einem Foto repräsentiert, kompliziertere wie zum Beispiel prunkvolle Fiebeln, Gewandnadeln, mit zwei oder mehr Fotos. Denn hier kann neben der prunkvoll verzierten Schauseite auch die Rückseite für die Wissenschaftler hochinteressant sein, etwa kann der Verschlussmechanismus sehr aufschlussreich sein für Datierungen und chronologische Einordnungen, so Hoffmann.

    Bis zum 1. Mai sollen tausende archäologische Exponate fotografiert sein. Diese Arbeit war fest eingeplant, doch niemand hätte gedacht, dass sie es so schnell von der Hand gehen würde.

    Muss das Museum Mundschutze anbieten?

    Sorge bereiten Museumsleiter Daniel Hess allerdings die geplanten Ausstellungen für dieses Jahr, denn internationale Leihgaben kann er derzeit kaum kalkulieren. Ab wann sind Grenzen offen, wann sind Transporte überhaupt möglich: Diese Fragen beschäftigen den Museumsleiter. Trotzdem macht sich Daniel Hess schon Gedanken, wie eine Öffnung für die Besucher funktionieren könnte:

    "Wir müssen Vorsorgen treffen wie in jedem Supermarkt, dass das Kassenpersonal da geschützt ist. Wir müssen uns überlegen, wie ist es mit Mundschutz? Müssen wir den anbieten können? Die Frage ist auch, wieviele Bereiche wir öffnen können und da müssen wir drei völlig voneinander unabhängig arbeitende Teams haben, um die Sicherheit zu garantieren." Museumsleiter Daniel Hess

    Das Germanische Nationalmuseum fühlt sich gewappnet, schnell zu reagieren. Viele Mitarbeiter wollen dabei helfen.

    Baufortschritt im Tiefdepot

    Stillstand gibt es in diesen Tagen auch nicht an der größten Baustelle des Museums: Am fünfgeschossigen Tiefdepot des Museums laufen die Bauarbeiten, einem Depot für 1,3 Millionen Exponate – das kommendes Jahr eröffnet werden soll.

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