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Volle Fördertöpfe - Warum dennoch so wenige neue Radwege entstehen

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Das Geld ist da - wo aber bleiben die neuen Radwege?

Milliarden fließen in den Radverkehr – doch auf der Straße ändert sich oft lange nichts. Denn die Kommunen brauchen mehr als nur Geld: Ohne Konzepte und Personal können sie den Radwegebau nicht stemmen. Und manches lässt sich vorher gar nicht planen.

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Von
  • Tobias Brunner

Es ist nicht leicht, den Überblick bei all den Fördergeldern zu behalten: ein "Radwegebauprogramm 2020 bis 2024“, ein Sonderprogramm "Stadt und Land", Finanzhilfen für Radschnellwege. Es geht um Millionen und Milliarden, die Bund und Länder in den nächsten Jahren in den Ausbau der Radwege pumpen wollen. Bis 2023 sollen vom Bundesverkehrsministerium insgesamt 1,45 Milliarden Euro an Investitionen in den Radverkehr fließen.

Doch mit Geld allein ist es nicht getan, wie ein Blick auf die Praxis zeigt. Denn viele Gemeinden stehen erst am Anfang eines oft zähen Prozesses aus Planung, Personalsuche und Umsetzung. Bis sich für Radler auch auf der Straße spürbar etwas ändert, dürfte es vielerorts deshalb noch dauern.

Viele Städte und Gemeinden suchen Verkehrsplaner für Radwege

Da ist zum Beispiel die Stadt Kolbermoor – sie könnte in dieser Geschichte auch Lauf an der Pegnitz, Pullach oder Forchheim heißen. All diese Städte und Gemeinden stehen in einer Reihe von kommunalen Verwaltungen in Deutschland, die gerade Expertinnen und Experten für den Radverkehr einstellen: Verkehrsplanerinnen und Mobilitätsmanager.

Kolbermoor hat eigens ein Radverkehrskonzept aus Routen, Brücken oder Sofort-Maßnahmen erstellen lassen – 164 Seiten lang. Denkbar ist etwa eine neue Unterführung für mehr als zwei Millionen Euro, für die der Bund einen Großteil beisteuern könnte. Bisher betreut der städtische Klimaschutzmanager Martin Korndoerfer solche Aufgaben mit, doch in Zukunft soll es eine eigene Stelle dafür geben. "Es geht hier um Maßnahmen, bei denen man 15 Jahre in die Zukunft blickt", erklärt er.

Radwege nebenbei planen? Für die Kommunen nicht mehr zu schaffen

Der Bedarf nach Spezialisten ist groß, weiß auch Bernadette-Julia Felsch, die Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Bayern. Zwar seien sich manche Kommunen der Probleme inzwischen deutlicher bewusst, doch "an den staatlichen Straßenbauämtern hat sich jahrzehntelang alles auf den Kfz-Verkehr konzentriert".

Das erhoffte Fachpersonal lässt sich allerdings nicht so leicht finden. "Der Markt für Radverkehrspezialisten ist nahezu leergefegt", sagt Felsch. Und selbst nachdem eine Stelle besetzt wurde, muss ein Mitarbeiter seinen Job erst einmal antreten, sich einen Überblick verschaffen, Konzepte oder Lösungen erstellen und der Bau beginnen. Das kann nicht innerhalb von Tagen oder Wochen passieren – zumal es dafür oft viele Beteiligte braucht.

Radwegebau scheitert häufig, weil Eigentümer Grundstücke nicht verkaufen

Denn nicht selten fehlen Städten und Gemeinden die Grundstücke, um einen Radweg zu bauen – auch deshalb enden manche Wege unvermittelt auf einer großen Hauptstraße. "Man kann niemandem einfach ein Hauseck wegreißen", sagt Korndoerfer.

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Skulptur, die auf fehlenden Radweg hinweist

An solchen Stellen müssen sich die Kommunen mit den Grundstückseigentümern einigen und ihnen einen Teil der Flächen abkaufen, was manchmal Jahre dauern kann. Und selbst wenn bereits zehn Eigentümer zugestimmt haben, sich aber ein einzelner sperrt, scheitert ein Projekt unter Umständen komplett, berichtet Korndoerfer. "Da müsste noch mehr ein Umdenken stattfinden", wünscht er sich.

Zwischen Neuried und Gauting: Nach Jahren kommt der Radweg

Auch Jan Klinger weiß, was es heißt, sich um Flächen für den Radwegebau zu kümmern. Er ist beim Landkreis München für das Sachgebiet Verkehrliche Infrastruktur zuständig – und schaut damit auch auf ein Projekt, das am Ende eine Erfolgsgeschichte werden könnte. Denn auch so etwas gibt es.

Seit Anfang Februar laufen die ersten Bauarbeiten für einen neuen Radweg südlich von München zwischen Neuried und Gauting. Jahrelang hatten sich Radler dafür eingesetzt, Zuständigkeiten wechselten, es wurde geplant. Nun sollen rund 4,5 Kilometer Radweg entlang der Kreisstraße entstehen, für etwa 4,5 Millionen Euro.

Werden Bäume für Radwege gefällt, müssen Ausgleichsflächen her

Grundstücke müssten immer zu "marktüblichen Konditionen" auf dem freien Markt gekauft werden, berichtet Klinger. "Da braucht es oft ein glückliches Händchen, um jemand zu finden, der seinen Grund abgibt." Er meint damit auch die geplante Ausgleichsfläche: Etwa 30.000 Quadratmeter musste der Landkreis dafür in der Nähe kaufen, um sie künftig neu zu bepflanzen, weil alte Bäume entlang der Kreisstraße gefällt werden.

Wenn im Herbst der Radweg zwischen Neuried und Gauting tatsächlich wie geplant fertig sein sollte, werden manche Kritiker wohl auch wieder über die Jahre schimpfen, die seit der ersten Idee verstrichen sind. Doch das Projekt zeigt auch: Beim Radwegebau kann sich Beharrlichkeit am Ende auszahlen.

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