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Das Funkloch im Ebersberger Forst | BR24

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Allen politischen Beteuerungen zum Trotz: der Mobilfunkausbau in Bayern kommt nur schleppend voran. Zum Beispiel herrscht im Ebersberger Forst Funkstille. Und das könnte noch eine Weile so bleiben, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.

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Das Funkloch im Ebersberger Forst

Viele, die mit Auto oder mit der Bahn in Bayern unterwegs sind, kennen das: Plötzlich ist das Handynetz weg – Funkloch. Ein B5-Hörer hat sich an uns gewandt, weil ihm das regelmäßig im Ebersberger Forst bei München passiert.

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Die Staatsstraße durch den Ebersberger Forst zwischen Forstinning und Ebersberg im Osten von München. Eine vielbefahrene Straße, die auch Rainer Rühle aus Aschheim regelmäßig nutzt:

"Ich wohne in Aschheim und meine Lebensgefährtin wohnt in Chieming am Chiemsee. Dreimal die Woche fahr ich die Strecke hintenrum, weil die A8 im Dauerstau ist und hintenrum kann man sehr schön fahren." Rainer Rühle

Hinein ins Loch

Wir fahren jetzt Forstinning ab Richtung Ebersberg - und jedesmal ärgert sich Rainer Rühle über den schlechten Handyempfang:

"Also auf der Autobahn hatte ich noch vier Striche, jetzt schwankts zwischen 1 und 2." Rainer Rühle

Wenige Minuten später ist der Empfang ganz weg:

"Jetzt ist meine Mobilfunkverbindung zusammengebrochen, das heißt ich hab jetzt 5 bis 8 Minuten kein Netz und kann nicht mehr telefonieren." Rainer Rühle

Telefonkonferenz mit Tücken

Rainer Rühle arbeitet als IT-Berater, ist viel unterwegs und muss im Auto viel telefonieren, mit Kollegen und Kunden. Was ihn besonders ärgert:

"Dass ich öfter in Telefonkonferenzen bin, wo mehrere Kollegen oder auch Kunden uns miteinander besprechen und wenn ich durch den Ebersberger Forst fahre, muss ich mich aus der Telefonkonferenz ausklinken und sagen, ich bin in 8 bis 10 Minuten wieder da und wähle mich dann wieder in die Konferenz ein." Rainer Rühle

Das Ministerium rät: Fahren Sie woanders

Rühle hat sich schon im vergangenen Jahr an das Wirtschaftsministerium gewandt. Er erhielt eine lange Erklärung, warum es auf Jahre voraussichtlich nicht besser werden wird mit dem Handynetz im Ebersberger Forst. Und abschließend diesen Rat:

"Als Lösung für die nächsten Jahre wird also leider nur die Wahl einer anderen Route helfen, die nicht durch den Ebersberger Forst führt." Schreiben aus dem Wirtschaftsministerium vom 18.Juli 2018

Für mehr 'mia san mia' beim Mobilfunk

Rühle will aber die Strecke nicht nach dem besten Handyempfang auswählen, sondern will dort fahren, wo er zügig voran kommt. Bayern habe so viel Geld und die Staatsregierung spreche so viel von Digitalisierung, sagt der gebürtige Schwabe, da passen die weißen Flecken in Sachen Mobilfunk einfach nicht dazu:

"Das ist im Freistaat so, da heißts immer, wir sind besonders und wenn man durch den Ebersberger Forst fährt, hat das mit 'mia san mia' nichts mehr zu tun. Und deshalb würde mich das freuen, wenn sich das schnell ändert." Rainer Rühle

Die Telekom ist stolz auf das Erreichte

Er fordert von der Politik, mit der Deutschen Telekom in Verhandlungen zu gehen, damit die dort einen Masten aufstellt. Ein Telekomsprecher teilt dazu auf BR-Anfrage mit:

"Wir erreichen mit unserem Mobilfunknetz eine Bevölkerungsabdeckung von 98 Prozent und eine Flächenabdeckung von 80 Prozent. Diese Leistung ist von uns komplett alleine erbracht worden und der Ausbau geht weiter." Sprecher Deutsche Telekom

Pschierer drängt auf Flächenabdeckung

In Gegenden, wo es zwar Straßen, aber keine Häuser gibt, ist es für die Mobilfunkanbieter nicht wirtschaftlich Handymasten aufzustellen. Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer zeigt Verständnis für den Ärger der Pendler. Und er erklärt das Problem:

"Das liegt zum Teil auch an den Versorgungsauflagen, die die Bundesnetzagentur erlässt, wenn sie die Frequenzen versteigert. Da hat man sich in der Vergangenheit leider nur allzu sehr auf die Haushalte konzentriert und die Flächenabdeckung vergessen. Das heißt die bayerische Staatsregierung wird bei der Versteigerung von Frequenzen künftig darauf achten, dass die Mobilfunkbetreiber hohe Versorgungsauflagen erfüllen müssen, das heißt nicht nur Abdeckung der Haushalte, auch die Abdeckung, was die Bundesfernstraßen, die Bundesstraßen, die Staatsstraßen und auch die Kreisstraßen und Gemeindeverbindungsstraßen angeht." Franz Josef Pschierer (CSU), bayerischer Wirtschaftsminister

Ein Programm gegen weiße Flecken

Die Staatsregierung hat ein Mobilfunkförderprogramm aufgelegt, um weiße Flecken zu schließen. Sobald Brüssel dieses Förderprogramm genehmigt hat, will der Wirtschaftsminister los legen und sich auch um den Ebersberger Forst kümmern:

"Wenn die Genehmigung aus Brüssel kommt, werden wir uns mit den kommunalpolitisch Verantwortlichen vor Ort sofort zusammen setzen und nach einer Lösung suchen." Franz Josef Pschierer (CSU), bayerischer Wirtschaftsminister

Es gibt also Hoffnung für Rainer Rühle, dass er sich vielleicht schon bald nicht mehrmals wöchentlich über ein riesiges Funkloch ärgern muss

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Autor
  • Eva Lell
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