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Das Flüchtlingsgepäck der Heimatvertriebenen | BR24

© Rupert Waldmüller / BR

Diesen Kalender hat eine Frau ihrem Mann kurz nach der Hochzeit gebastelt, ihr Mann hatte ihn an der Front dabei und später auch auf der Flucht. Als die Tochter den Kalender 2010 fand, während sie das Haus ihrer Eltern ausräumte, war das für sie ein sehr bewegender Moment: Auf den Fotos sah sie ihren Vater, der im Krieg seine untere Gesichtshälfte verloren hatte und seitdem entstellt war, zum ersten Mal ohne die Kriegsverletzung.

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Das Flüchtlingsgepäck der Heimatvertriebenen

Unter dem Titel „MITGENOMMEN – Heimat in Dingen“ zeigt das Isergebirgsmuseum Neugablonz Gegenstände, die Heimatvertriebene vor 70 Jahren im Flüchtlingsgepäck mit nach Deutschland gebracht haben. Am Abend wird die Ausstellung eröffnet.

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Zu den Ausstellungsstücken zählen der alter zerfledderte Teddy eines kleinen Brünner Mädchens genauso wie ein Blechteller aus einem Lager in Ungarn, eine Kleiderbürste mit Geheimfach oder eine Truhe mit eingeklebter Briefmarkensammlung. Die unterschiedlichsten Dinge hätten die Heimatvertriebenen auf die Flucht mitgenommen, sagt die Leiterin des Isergebirgsmuseums in Neugablonz.

"Oft waren es nicht mal besonders wertvolle Gegenstände. Der materielle Wert ist unerheblich. Es geht um das Emotionale, das an den Objekten hängt." Eva Haupt

In der Sonderausstellung erzählt das Museum nun die teils sehr emotionalen Geschichten hinter rund 40 Gegenständen aus dem Flüchtlingsgepäck. Ursprünglich für das Haus des Ostens in München zum 70. Jahrestag des Kriegsendes konzipiert, hat Eva Haupt die Ausstellung „MITGENOMMEN – Heimat in Dingen“ nun um Stücke von Heimatvertriebenen aus Neugablonz und Umgebung erweitert. Bis Mitte Februar ist die Sonderausstellung im Isergebirgsmuseum Neugablonz zu sehen

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Diesen kleinen Puppenwagen versteckte seine Besitzerin, ein kleines Mädchen aus Friedland, im Kohlekeller des Hauses, als sie dieses verlassen mussten. Später holte sich das Mädchen den Wagen wieder und nahm ihn mit im Vertreibungsgepäck nach Kaufbeuren.

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Mangels Wiege lag die Neugablonzerin Gertrud Hofmann als Kind die ersten Monate in diesem Korb im Schlafzimmer ihrer Eltern. Auf der Flucht transportierte die Familie darin einiges an Gepäck. Heute steht der Korb im Schlafzimmer von Gertrud Hofmann. Manchmal macht es sich ihr Kater dort gemütlich.

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Diesen Haussegen hat eine Neugablonzerin auf der Flucht mitgenommen. Ihre Möbel musste sie im Haus lassen. Deshalb hatte sie die Möbel alle gras-grün angestrichen. Bis auf den Haussegen. Den nahm sie mit.

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Diesen Haussegen hat eine Neugablonzerin auf der Flucht mitgenommen. Ihre Möbel musste sie im Haus lassen. Deshalb hatte sie die Möbel alle gras-grün angestrichen. Bis auf den Haussegen. Den nahm sie mit.

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Dieser Blechteller wurde nicht nur mitgenommen, er sieht auch mitgenommen aus.

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Diesen Sparpilz packte Gertrud Hofmann, damals sechs Jahre alt, in den Koffer ein, als ihre Familie 1946 aus ihrem Haus vertrieben wurde. Für die Neugablonzerin hängen viele wertvolle Erinnerungen an dem Stück.

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Auch diesem inzwischen 80 Jahre alten Teddy sieht man an, dass er schon vieles mitgemacht hat.

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Auch ein Stuhl kann ein Stück Heimat sein.

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Dieser Teller aus der Zeit von 1840 ist das einzige Stück eines ganzen Services, eines Erbstücks, der die Flucht und Vertreibung überlebt hat.

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Diese Wanduhr als Karlsbad konnte der Besitzer mitnehmen auf die Flucht, weil er als anerkannter Antifaschist mehr Dinge mitnehmen durfte als andere.

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Im Deckel der Truhe hat es selbst die Briefmarkensammlung bis nach Neugablonz geschafft.