Symbolbild: Ziegen
Bildrechte: BR/Johanna Schlüter

Zwei aus Tiefenstockheim entlaufene Ziegen sind erschossen worden, weil sie auf Bahngleisen unterwegs waren und dort den ICE-Verkehr gefährdeten.

    Das Ende einer Jagd: Zwei entlaufene Ziegen erschossen

    Bei Mainbernheim im Landkreis Kitzingen sind zwei Ziegen erschossen worden. Die beiden waren im vergangenen Jahr entlaufen und haben sich zuletzt immer wieder auf Bahngleisen herumgetrieben. Deswegen wurden die Tiere nun zum Abschuss freigegeben.

    Nein, diese Geschichte hat kein Happy End. Sie handelt von zwei Tiefenstockheimer Ziegen, deren Freiheitsdrang ihnen zum Verhängnis wurde. Seit Montag steht fest: Die Vierbeiner haben – zum letzten Mal – ins Gras gebissen. Von Amts wegen waidmännisch erlegt, weil sie dem Auto- und Bahnverkehr zu nahe gekommen waren. Erst im September hatte ein Schaf im Landkreis Rhön-Grabfeld ein ähnliches Schicksal: Das ausgebüxte Schaf hatte sich durch Vorgärten gefressen und wurde erschossen.

    Ziegen schon seit Sommer entlaufen

    Die beiden Ziegen waren bereits im Sommer vergangenen Jahres entlaufen. Seither erkundeten sie die große weite Welt oder das, was sie wohl dafür hielten. Also die mutmaßlich schmackhafteren Wiesen und Sträucher auf Willanzheimer oder Mainbernheimer Grund. Jedenfalls tauchten sie dort hin und wieder mal auf. Jedoch nicht an ihrem nur wenige Kilometer entfernten Wohnsitz.

    Alle Versuche, die zickigen Vierbeiner einzufangen, waren zuvor gescheitert. Wenn man sich ihnen näherte, nahmen sie Reißaus und selbst den vom Herrchen bereitgestellten Anhänger mit besten Ziegen-Leckerlis verschmähten sie.

    Ziegen auf Bahngleisen unterwegs

    So trieben sich die beiden Streuner rund ein halbes Jahr herum, jenseits von Stall und Zaun. Doch, um ein eselhaftes Sprichwort abzuwandeln: Wenn es der Ziege zu wohl wird, geht sie aufs Gleis. Und da versteht die Bahn keinen Spaß! Denn mitten durch den Aktionsradius der Tiere führt die ICE-Strecke Würzburg–Nürnberg. Und genau dort trieben sich die Tiere zuletzt immer wieder herum. Inzwischen wurde sogar die Bundespolizei aktiv, so dass sich die Stadt Mainbernheim in der Verantwortung sah.

    Keine leichte Entscheidung

    Deren Verwaltungsleiter Hans Brummer, nach eigenem Bekunden zuständig für alles, was Ärger verursacht, hatte letztlich die Wahl zwischen Pest und Cholera. So hat er lange gezögert, die Abschussgenehmigung beim Landratsamt einzuholen. Brummer fasst es so zusammen: "Solange noch nichts passiert ist, heißt es: 'Wie konntet ihr bloß!' Passiert aber etwas, sagen die Leute: "Warum habt ihr nicht rechtzeitig was gemacht?'"

    Eigentümer musste Abschuss zustimmen

    Und ganz so einfach ist es nebenbei gesagt auch nicht, auf Ziegen zu schießen. Rein rechtlich gehört das nicht zur Ausübung der Jagd. Schließlich sind Ziegen keine Wildtiere. Es musste also nicht nur der Eigentümer dem Abschuss zustimmen. Auch der Jäger musste einen Versicherungsnachweis vorlegen, dass seine Haftpflichtversicherung auch diesen Fall einschließt.

    Und nicht nur das Gesetz erschwerte die Jagd. Der erfahrene Schütze musste sich auch mehrmals in Position bringen, weil Schaulustige die Ziegen aufschreckten und so den Abschuss zunächst verhinderten. In Ermangelung des Jagdhornsignals "Ziege tot", meldete der Jäger im Mainbernheimer Rathaus die Erfüllung seines Auftrags persönlich und mündlich. Die beiden erlegten Ziegen sind nun doch noch nach Tiefenstockheim zurückgekehrt. Der Jäger hat sie ihrem Besitzer übergeben.

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