BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Unterfranken | BR24

© BR

Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, gab es in Unterfranken schon seit Wochen keine Kampfhandlungen mehr. Die US-Army hatte sich ab Anfang April von Aschaffenburg quer durch Mainfranken gekämpft.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Unterfranken

Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapituliert, fanden in Unterfranken schon seit Wochen keine Kampfhandlungen mehr statt. Die US-Army hatte sich ab April von Aschaffenburg quer durch Mainfranken gekämpft. Noch einmal gab es Opfer auf beiden Seiten.

Per Mail sharen
Von
  • Eberhard Schellenberger

Das grausame Finale des Zweiten Weltkriegs in Unterfranken beginnt beim "Kampf um die Festung Aschaffenburg", wie die Nazipropaganda das sinnlose Unterfangen nannte. Das Schloss Johannisburg und das Pompejanum gingen in Flammen auf. Bei den schweren Bombardements gab es noch einmal viele Tote, gerade auch unter der Aschaffenburger Bevölkerung. Am 3. April kapituliert die Stadt.

Straßenkämpfe in Würzburg

Die amerikanischen Truppen kämpften sich Dorf für Dorf durch den Spessart. Als Neuhütten unter Beschuss kam, stand innerhalb kurzer Zeit das ganze Dorf in Flammen. Viel Gegenwehr gab es nicht, bis die Panzer am 6. April vor Würzburg standen. Von der Festungsseite rückten die Truppen zum Main vor, Deutsche Einheiten nahmen sie unter Beschuss. Die Bevölkerung wurde aufgefordert in den Häusern zu bleiben. Es kommt zu Straßenkämpfen. Dann ist auch der Krieg in Würzburg zu Ende. Nur wenige tausend Menschen harrten in den Kellern der zerbombten Häuser aus, bis die Schusswechsel verstummten.

Kein Schuss in Großeibstadt

Auch in der Rhön und im Grabfeld gab es keinen Widerstand. In Großeibstadt hatten sich australische Zwangsarbeiter aus dem Dorf in eine Scheune geflüchtet. Sie liefen den anrückenden Amerikanern entgegen, saßen dann ganz vorne auf den Panzern, als diese wenig später in die Dorfmitte einfuhren. Es fällt kein Schuss, die SS war geflohen, die vorbereitete Kanone blieb stumm.

Mutige Frauen und Standgerichte

In Gerolzhofen und Eibelstadt gehen mutige Frauen in die Geschichte ein. In der Steigerwaldstadt hissten Frauen die weiße Fahne, in Eibelstadt verhinderte ebenfalls weiblicher Mut die Bombardierung. Die Panzer standen bereits schussbereit auf der anderen Mainseite, als Frauen das verbarrikadierte Maintor freiräumten. Aber nicht überall ging es kampflos zu. Das Hissen einer weißen Fahne kostete so manchen das Leben. Sogenannte "Fliegende Standgerichte" der Nazis zogen durch das Maintal. Dutzende Menschen wurden dort auf der Stelle hingerichtet, an Bäumen erhängt mit Schildern um den Hals zur Abschreckung.

Sprengung der Mainbrücke bei Zeil

Das viele Monate wegen seiner Industrie umkämpfte Schweinfurt besetzten die Alliierten am 10. April, zwei Tage später Haßfurt und Zeil. Hier sprengten deutsche Truppen die Mainbrücke nach Sand kurz bevor die US-Panzer den Fluss erreicht hatten. Der Zeiler Stadtpfarrer zog mit einer weißen Fahne vor die Tore der Stadt und verhinderte so einen Panzerbeschuss.

Mitte April war der Krieg in Unterfranken vorbei. Als am 8. Mai die Meldung von der Kapitulation kam, hatte am Main bereits das Schutträumen begonnen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!