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Das Ehrenamt leidet unter Bürokratie und Corona | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/Federico Gambarini

Ehrenamt leidet unter Corona

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Das Ehrenamt leidet unter Bürokratie und Corona

Zum 34. Mal wird in diesem Jahr der Internationale Tag des Ehrenamtes gefeiert. 1986 haben ihn die Vereinten Nationen zum ersten Mal am 5. Dezember begangen. Die Bürokratie und neuerdings Corona erschweren das bürgerschaftliche Engagement jedoch.

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Von
  • Nabila Abdel Aziz
  • BR24 Redaktion

Alois Wiesböck ist schon seit 8 Uhr auf den Beinen. Der 70-jährige und 20 weitere Freiwillige sortieren und verteilen gespendete Lebensmittel in einem Innenhof in Ismaning bei München. Beim "Ismaninger Tisch" der Katholischen Arbeitnehmerbewegung können sich Bedürftige einmal in der Woche Obst und Gemüse, Joghurt oder Schokolade abholen.

Wiesböck engagiert sich seit 17 Jahren ehrenamtlich. Mindestens einmal pro Monat fährt er vierzig Kilometer mit dem Auto um hier mitzuhelfen. Er sagt, dass er nicht nur seinen Kunden etwas gibt, sondern auch sich selbst. Denn nach einem Tag an dem er für andere Menschen da war, freut er sich, dass er etwas Gutes getan hat.

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"Der Tag des Ehrenamtes dient der Anerkennung des Engagements von 47 Prozent der Bayern. Diese Aufmerksamkeit ist notwendig, um den Mehrwert bürgerschaftlichen Engagements sichtbar zu machen und Geleistetes nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Ehrenamt muss Lücken von Staat und Wirtschaft füllen

Wiesböck gehört zu den 44 Prozent aller Deutschen, die laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums ein Ehrenamt ausüben, ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder in der Geflüchtetenhilfe. "Das Ehrenamt ist kein Auslaufmodell", sagt Thomas Gensicke. Er ist Sozialforscher und hat mehrere Studien zum Stand des Ehrenamts in Deutschland durchgeführt.

Dabei stellte er fest, dass das Ehrenamt sogar immer wichtiger wird, weil Staat und Wirtschaft große Lücken hinterlassen. Häufig bekommt er von Ehrenamtlichen zu hören, es könne gar nicht so viel Ehrenamt geben, wie da Lücken sind.

Vereine: Bürokratie ist unser Hauptproblem

Und trotzdem werde ehrenamtlichen Vereinen ihr Einsatz immer schwerer gemacht, sagt Gensicke. Er beobachtet, dass die Bürokratie in diesem Bereich in den vergangenen fünf Jahren enorm zugenommen habe, sodass die befragten Vereine diese sogar als ihr Hauptproblem angeben. Es gebe immer mehr Gesetze, der Datenschutz mache Arbeit und jetzt auch noch die Hygiene. Das alles kostet wertvolle Zeit.

Der Organisationsaufwand für ehrenamtliche Arbeit ist hoch: zum Beispiel für die Steuerklärung beim Finanzamt, für den Datenschutz beim E-Mail-Verteiler oder bei den Fotos auf der Webseite oder für das Vereinsrecht.

Corona erschwert das Ehrenamt

Zusätzlich macht die Corona-Krise den Ehrenamtlichen in diesem Jahr die Arbeit schwer. Begegnungen sind nur noch beschränkt möglich, die Gemeinschaft ist aber einer der Hauptgründe, warum viele sich engagieren. Außerdem haben Rentnerinnen und Rentner eigentlich besonders viel Zeit fürs Ehrenamt, aber jetzt gehören sie wegen ihres Alters zur Corona-Risikogruppe.

Das gilt auch für den Großteil der Freiwilligen beim "Ismaninger Tisch". Doch die meisten von ihnen kommen trotzdem noch regelmäßig zum Helfen. Nur einzelne würden aus Angst vor einer Ansteckung pausieren, sagt der Ehrenamtliche Alois Wiesböck. Er und seine Mitstreiter machen aber vorerst weiter.

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Die Ehrenamtlichen sind speziell in der Infektionsschutzverordnung berücksichtigt worden, so Eva Gottstein, Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. Kein Freiwilliger solle in Gefahr kommen. Masken stünden zur Verfügung, so Gottstein.