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Das Buch von Dina Dor Kasten: Versteckt unter der Erde | BR24

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Das Buch von Dina Dor Kasten: Versteckt unter der Erde

Seit 30 Jahren gibt es die Jüdischen Kulturtage in München, begründet von Simon und Ilse Snopkowski. Dieses Jahr präsentiert Snopkowski ein Buch, das sie herausgibt und das zu schreiben sie die Autorin Dina Dor-Kasten ermutigt hat. Von Julia Cortis

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Ein spätherbstliches Familienportrait, aufgenommen 1947 vor einer Holzbaracke. Vater und Mutter sitzen mit drei kleinen Kindern auf einer schmalen Bank, nur das vierte Kind, ein Mädchen in einem weißen Kleid mit Schleife im Haar, steht - und lacht fröhlich in die Kamera: es ist die 7jährige Dina Kasten. Knapp 70 Jahre später prangt das Foto auf einem Buch über die Familiengeschichte der Kastens, aufgeschrieben nach Erzählungen der Mutter - und nach jahrelanger Recherche - vom Mädchen im weißen Kleid, Dina Dor-Kasten, veröffentlicht zunächst im Eigenverlag in hebräischer Sprache:

"Ich habe das Buch nur für die Familie geschrieben. Unsere Kinder und Enkel müssen wissen, was damals geschehen ist und wer ihre Familie ist. Keiner wusste, wer wir waren. Wir wussten nur das, was uns unsere Eltern erzählt haben. Aber wir wussten gar nichts über das Land, aus dem wir kommen, wo wir herkamen, was im Ghetto passiert ist. Also war die Herausgabe des Buches erst einmal nur für die Familie und für die Kinder." Dina Dor-Kasten

Eine Höhle im Wald als Heimat

Von 1919 bis 1939 stand die Heimat der Kastens unter polnischer Besatzung und hier lebten Ukrainer, Polen und Juden. Aber die Ukrainer sahen in den Juden Fremde und Kollaborateure mit den Polen, und solange die Ukraine politisch instabil war, kam es immer wieder zu Gewalt und Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Dann besetzte Deutschland 1941 die Ukraine, und in polnischen und ukrainischen Ghettos begann die systematische Liquidierung aller Juden.

Als die Deutschen am 20. März 1942 über 3000 Menschen umbringen, entscheiden sich die Kastens zu fliehen – nur versteckt im Wald sieht der Vater eine Chance, zu überleben. In einem Erdloch, dass sie gemeinsam mit zwei Familien mit ihren bloßen Händen ausheben und dann bewohnen.

Mit Dina Dor gibt es nun eine Zeitzeugin, die selbst berichtet vom Weiterleben und vom Widerstand – auch dem der Unterstützer, die ihr eigenes Leben riskierten, um verfolgte Juden zu schützen. Wie die polnische Bäuerin, die dem Vater Brot und Milch für seine Kinder gab: Die Polin Schostakova ist eine Heldin, eine Seele inmitten menschlicher Grausamkeit.

Termine und Orte der Buchvorstellungen:

Montag, 14.11.16 um 19 Uhr Lesung in Landsberg, im Agrarbildungszentrum, Buchvorstellung und Gespräch

Dienstag, den 15.11.16 um 19 Uhr im Gesprächsraum der Versöhnungskirche in der KZ Gedenkstätte Dachau, Buchvorstellung und Gespräch

Mittwoch, den 16.11.16 um 19 Uhr in der Black Box im Gasteig – Buchvorstellung im Rahmen des Literaturfests/Bücherschau mit Gespräch