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Darum schließt der Souvenirladen auf der Würzburger Festung | BR24

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Touristen aus aller Welt haben hier ein Stückchen Würzburg als Reiseandenken gekauft. Seit fast 90 Jahren gibt es den Laden auf der Festung Marienberg. Jetzt schließt das Familienunternehmen für immer.

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Darum schließt der Souvenirladen auf der Würzburger Festung

Touristen aus aller Welt haben hier ein Stückchen Würzburg als Reiseandenken gekauft. Seit fast 90 Jahren gibt es den Laden auf der Festung Marienberg. Jetzt schließt das Familienunternehmen für immer. Und das nicht nur wegen der Corona-Pandemie.

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Von
  • Jochen Wobser

Ein bisschen wie aus der Zeit gefallen wirkt es schon, das Souvenirlädchen auf dem Gelände der Würzburger Festung. Keine perfekt ausgeleuchteten Vitrinen, keine hochpreisigen Kunstdrucke, keine Selbstbedienungsregale, wo sich Touristen auf die Schnelle ein Mitbringsel herausgreifen. Stattdessen reihen sich im Regal hinter der Verkaufstheke kleine Weinrömer mit dem Festungsmotiv neben kolorierten Tellern, Aschenbechern und Fingerhüten. Und es gibt eine Inhaberin, die empfiehlt und bedient. Seit fast 40 Jahren.

Touristen aus dem Ausland fehlen als Kunden

"Wir sind ein Geschäft, in dem noch beraten wird", sagt Birgit Wölfinger mit Stolz. "Das war schon immer so bei uns." Die 60-Jährige ist die Geschäftsführerin, in den 1980ern hat sie den Andenkenladen von ihren Eltern übernommen. Aber Zeiten wie diese hat sie noch nie erlebt.

Mit der Corona-Pandemie bleiben die Touristen weg, das benachbarte Museum für Franken hat geschlossen, Burgführungen gibt es nicht. "Wir sind vom überregionalen und internationalen Tourismus abhängig", erzählt die Geschäftsführerin. "Und gerade der Umgang mit den Touristen aus Brasilien, Japan oder den USA hat immer Spaß gemacht." Notfalls habe das eben mit Händen und Füßen funktioniert, so Birgit Wölfinger. Aber jetzt halte sie nur noch die Stellung, damit die Tagesausflügler aus der Region einen Kaffee bekommen.

7-Tage-Woche, sinkende Umsätze und hohe Miete

Geöffnet hat der Laden seit dem Teil-Lockdown nur noch am Wochenende. Und auch damit ist es bald vorbei. Ende des Jahres schließt der Souvenirverkauf für immer - nach fast 90 Jahren in Familienhand. Der Entschluss sei schon vor Corona da gewesen, erzählt Birgit Wölfinger. Vor zwei Jahren hat sie nochmal geheiratet, ihr Mann Rüdiger Kothe ist bereits in Rente und hilft im Laden mit. Jetzt wollen sie raus aus der Tretmühle mit 7-Tage-Woche, hoher Miete und sinkenden Umsätzen. Die Erfahrungen seit der Corona-Pandemie hätten sie da nur noch bestärkt, sagen die beiden.

Unerfreuliche Begegnungen mit Maskenverweigerern

Denn in Pandemie-Zeiten sind zwar die Kunden weniger geworden, aber die unerfreulichen Begegnungen haben sich gehäuft. Die Stimmung sei teils sehr gereizt, erzählt Birgit Wölfinger. "Was wir hier im Laden seit Corona erleben mussten, das geht an die Substanz". Beleidigungen durch Maskenverweigerer zum Beispiel, auch Schläge seien ihr schon angedroht worden. Deshalb sei es gut, dass jetzt ein Ende in Sicht sei - zumal es ohnehin unsicher gewesen wäre, ob sie nach der Millionen-Sanierung des Würzburger Festungsgeländes überhaupt einen neuen Mietvertrag bekommen hätte.

Erinnerungen an den Boom des Bustourismus

Sind die Tage der traditionellen Souvenirläden also ohnehin gezählt? Man müsse schauen, wie sich das entwickle, sagt Birgits Vater Kurt Wölfinger, der an diesem Tag mal wieder im Laden vorbeischaut. Der 80-Jährige hat den 1933 gegründeten Familienbetrieb in den 60er-Jahren übernommen und das Sortiment von Lebensmitteln auf Reiseandenken umgestellt. Die Zeiten, als eine Busladung Touristen nach der anderen auf die Festung gekommen ist, seien jedenfalls vorbei, so Kurt Wölfinger. Und auch ein Stück Familiengeschichte gehe jetzt definitiv zu Ende.

Letzter Öffnungstag an Silvester

Noch die Adventswochenenden, dann gibt Birgit Wölfinger am Silvestertag den Ladenschlüssel ab. Wie es ihr dann gehen wird? "Mein Mann meint ja, ich würde bestimmt eine Träne vergießen. Aber das glaube ich nicht", sagt Birgit Wölfinger und lacht. Sie freue sich jetzt auf ein neues Kapitel - besonders darauf, irgendwann nach der Pandemie mit ihrem Mann zu verreisen und mal wieder selbst Touristin zu sein. Die Erfahrungen, um sich überall in der Welt zu verständigen, hat sie jedenfalls. Notfalls mit Händen und Füßen.

© BR/Jochen Wobser

Die Inhaberfamilie Wölfinger vor ihrem Souvenirladen auf der Würzburger Festung

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