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"Herber Schlag" für Rosenheim: Danone will Werk schließen | BR24

© BR/Dagmar Bohrer-Glas

Der französische Lebensmittelkonzern Danone schließt sein Joghurt-Werk in Rosenheim. Die Produktion solle im Juli nächsten Jahres eingestellt werden, teilte Danone am Mittwoch in München mit. Betroffen wären rund 160 Mitarbeiter.

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"Herber Schlag" für Rosenheim: Danone will Werk schließen

160 Arbeitsplätze sollen wegfallen: Danone will sein Werk in Rosenheim im Juli 2021 schließen. Oberbürgermeisterin Bauer spricht von einem "herben Schlag". Hunderte heimische Milchviehbetriebe verlören einen verlässlichen Abnehmer.

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Die Meldung kam am Mittwoch zur Mittagszeit: Der Großkonzern Danone will sein Werk in Rosenheim schließen. Die Schließung geschehe vorbehaltlich der Verhandlungen mit dem Betriebsrat, teilte der Konzern mit. Rund 160 Mitarbeiter wären betroffen. Bis Ende Juli 2021 wird das Werk weiterproduzieren.

Gründe für die angekündigte Schließung seien die gesunkene Auslastung und die Notwendigkeit, sich an sich verändernde Verbrauchertrends anzupassen.

Verbrauchertrends änderten sich rasant

Die Auslastung der Danone-Molkerei Rosenheim ist - dem Unternehmen zufolge - in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gesunken, erklärte der Konzern. In Rosenheim werden unter anderem Desserts und Joghurts hergestellt, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Heftige Kritik seitens der Gewerkschaft NGG

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, hat die geplante Schließung des Danone-Werks in Rosenheim heftig kritisiert. "Die 160 Beschäftigten wurden von der Nachricht kalt erwischt. In der Belegschaft herrscht Fassungslosigkeit“, so Sprecher Manuel Halbmeier. Ein milliardenschwerer Konzern wie Danone dürfe seine Mitarbeiter nicht einfach auf die Straße setzen. Schließlich habe Danone zuletzt eine Umsatzrendite von 15 Prozent bei Milchprodukten erwirtschaftet.

Mitgliederversammlung kommende Woche

Ziel der Gewerkschaft werde es sein, das Werk zu erhalten oder zumindest einen ausgereiften Sozialplan mit soliden Abfindungen zu erreichen. In der kommenden Woche berät die Gewerkschaft bei einer Mitgliederversammlung über weitere Schritte.

OB Bauer: "Herber Schlag für Wirtschaftsstandort"

Die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabi Bauer (CSU) spricht von einem "schweren Schlag für die ganze Region" und fordert für die Beschäftigten einen Sozialplan. Danone-Geschäftsführer Richard Trechman kündigte an, man wolle mit dem Betriebsrat einen fairen Sozialplan entwickeln und die Mitarbeiter unterstützen, eine neue Beschäftigung zu finden. Außerdem wolle man prüfen, ob Mitarbeiter in andere Danone-Werke wechseln können.

Hunderte Milchviehbetriebe bedroht

Die Oberbürgermeisterin verwies auch auf die Folgen für die heimische Landwirtschaft. Rund 300 heimische Milchviehbetriebe würden so einen verlässlichen Abnehmer verlieren. Dabei gehe es nicht um anonyme industrielle Agrarfabriken, sondern um zum Teil jahrhundertealte bäuerliche Familienbetriebe. Diese seien jetzt unmittelbar in ihrer Existenz bedroht, so Bauer. Sie fordert unter anderem vom bayerischen Wirtschaftsministerium, dringend nach kurzfristigen Lösungen für die betroffenen Landwirte und ihre Familien zu suchen.

Bauernverband Rosenheim reagiert besonnen

Weniger dramatisch sieht die Situation der Rosenheimer Bauernverband. Betroffen seien 220 Milchviehbetriebe, die alle Mitglied der Milcherzeugermeinschaft Rosenheim seien. Diese hätte nun eineinhalb Jahre Zeit eine gute und regionale Lösung zu finden, so Geschäftsführer Josef Steingraber gegenüber dem BR. Die Schließung des traditionsreichen Werks sei zwar traurig, aber kein Landwirt müsse sich Sorgen machen. Auch Danone will - laut Pressemitteilung - den Milchbauern, die das Werk beliefern, dabei helfen, neue Abnehmer zu finden.

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