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Daniel Düsentrieb ist ein Bayer: Freistaat, Land der Erfinder | BR24

© pa/dpa/Nicolas Armer

Daniel Düsentrieb ist ein Bayer: Freistaat, Land der Erfinder

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    Daniel Düsentrieb ist ein Bayer: Freistaat, Land der Erfinder

    Seit Jahren geht die Zahl der Patente freier Erfinder zurück. Es wird immer schwieriger, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. In Bayern gelingt das noch am besten. Aus keinem anderen Bundesland kamen 2019 so viele erfolgreiche Patentanmeldungen.

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    Sie heißen Snello, Hardy oder Bobby - die Erfindungen von Mike Hannemann. Profan gesprochen sind es Apparaturen zur Aufbereitung von Heizungswasser, doch ihr 57-Jähriger geistiger Vater gibt den Dingen gerne Namen.

    "Meine Produkte haben alle eine Seele, das heißt, sie machen den ganzen Entwicklungsprozesses eines Erfinders durch; mit Verwerfungen, mit Ärger, wenn das nicht so funktioniert, wie man sich das gedacht hat. Und jeder Mensch hat einen Namen, also sollen auch meine Erfindungen einen Namen haben." Mike Hannemann, Erfinder

    Erfinder treibt der Wunsch nach Verbesserung

    Mike Hannemann ist einer der erfolgreichsten Erfinder in Bayern. Er hält rund 15 Patente, wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, und er ist einer der Regionalsprecher des bayerischen Erfinder-Verbandes. Vor 20 Jahren hat er sich mit seiner Firma für Wassertechnik selbständig gemacht.

    Erfinden, sagt er, habe allerdings nicht allzu viel zu tun mit "Daniel Düsentrieb", einem genialen Kopf, der im Keller vor sich hin brütet. "Ich glaube, die meisten Erfinder treibt nur ein Gedanke an: Das kann man doch besser machen", sagt der 57-Jährige.

    Probleme als Einzelkämpfer

    Das klingt relativ einfach, und doch geht die Zahl der Patentanmeldungen von freien Erfindern seit Jahren zurück. Dazu zählen alle Tüftler, die nicht in Entwicklungsabteilungen großer Firmen arbeiten, sondern auf eigene Faust ihr Glück versuchen. Über die Gründe kann auch Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt in München nur spekulieren. "Wir hören immer wieder von freien Erfindern, wie schwierig es geworden ist, sich gegen die großen Unternehmen zu behaupten."

    Zudem sei es für Einzelpersonen eine sehr komplexe Aufgabe, die eigene Erfindung selbst zu vermarkten. Vertriebswege und Marketing sind Felder für Spezialisten geworden. Alle heute relevanten Kanäle für eine erfolgreiche Verbreitung zu bespielen, könne ein Einzelner kaum mehr leisten, so Huber.

    Die hohen Kosten schrecken viele Erfinder ab

    Auch die Kosten sind ein Faktor. Zwar klingen die Gebühren am Patentamt erst einmal relativ niedrig - bei elektronischer Übermittlung 40 Euro - doch die Kosten für den Patentanwalt liegen deutlich darüber. Zudem verlangt das Patentamt eine Prüfungsgebühr (350 Euro) und das erteilte Patent wird Jahr für Jahr teurer. So kostet eine vollständige Anmeldung eines Patentes inklusive Verlängerung bis ins zwanzigste Patentjahr mindestens 13.500 Euro - und auch da sind die Anwaltskosten noch nicht eingerechnet.

    Vielleicht liegt es deshalb auch an der Finanzkraft, dass im Bundesvergleich die bayerischen Tüftler vorne liegen. In keinem anderen Bundesland wurden 2019 mehr Patente von freien Erfindern angemeldet als in Bayern, 655 waren es. Dahinter liegen Nordrhein-Westfalen (560) und Baden-Württemberg (482).

    Die perfekte Idee für die Corona-Zeit

    Luis Loibl ist ein junger Erfinder aus Bayern. Doch er hat vor einer Patentanmeldung zurückgeschreckt - die Kosten waren zu hoch. Doch immerhin hat er seine Idee mit einem Gebrauchsmuster schützen lassen, einer Art "Patent light".

    Seine Idee entstand vor zwei Jahren als Projekt im BWL-Studium, und sie ist jetzt so aktuell wie nie - ein kleines Desinfektionsfläschen, das man per Clip hinten am Smartphone festmacht.

    "Clay Disinfect" heißt das Start-up-Unternehmen, das Loibl mit zwei Freunden gegründet hat. Keimfreie Hände in jeder Lebenslage, das könnte funktionieren, hofft der 25-jährige Kraillinger: "Wir haben uns wirklich gefragt: Macht das überhaupt Sinn?? Brauchen die Leute das?? Das ist ja die grundlegende Frage, die man sich stellen muss: Du kannst das geilste Produkt haben, aber wenn’s keiner braucht, bringt das am Ende niemand was."

    Die Zeit drängt – das Produkt soll auf den Markt

    Durch die Corona-Pandemie drängt jetzt plötzlich die Zeit. "Clay Disinfect" soll so schnell wie möglich auf den Markt. Das Produkt wirkt ausgereift, nach Monaten des Tüftelns und Verwerfens. Derzeit werden die Spritzguss-Formen für die Massenproduktion hergestellt, dann könnte es schnell gehen.

    Noch vor einem halben Jahr hätte sich Luis nicht als Bastler oder Erfinder bezeichnet, doch die Perspektive hat sich verändert. Von seinen Einfällen zu leben, das könnte er sich jetzt gut vorstellen. Zumal er in seiner Idee noch Potential sieht. Genauso gut könne man in das kleine Fläschchen auch Parfüm einfüllen, für die Zeit nach Corona.

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