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Immer wieder fallen gutgläubige Geldanleger auf Betrugsmaschen im Internet herein. Auf sogenannten Cybertrading-Seiten werden sie teils um tausende Euro betrogen. Auch in Würzburg standen kürzlich solche Betrüger vor Gericht.

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Cybertrading: Betrugsseiten beschäftigen Bayerns Ermittler

Mehrfach mussten sich schon Betreiber sogenannter Cybertrading-Plattformen vor Gericht verantworten. Sie sollen Anleger um tausende Euro betrogen haben. Trotz des Ermittlungsdrucks kursieren weiterhin Plattformen, die mit ähnlichen Tricks arbeiten.

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Von
  • Pirmin Breninek

Es ist Februar 2021 als Rainer Sieber erstmals eine vierstellige Summe überweist. Der 58 Jahre alte Würzburger hat von Bitcoin gehört, Kryptowährungen wie diese seien ein lukratives Geschäft. Auch Sieber will investieren. Im Internet stößt er auf die Webseite der sogenannten "International Markets Association" (internationals-ma). Die Seite macht auf Sieber einen professionellen Eindruck. Wenige Wochen später hat er nach eigenen Angaben etwa 9.000 Euro verloren.

Mehrfach Betrug auf Cybertrading-Plattformen

"Handeln Sie mit einem der vertrauenswürdigsten Broker in der Finanzwelt. Sie haben die Möglichkeit mit Kryptowährungen, Rohstoffen, Aktien, Indizes und Währungspaaren zu handeln", so steht es auf der Startseite der "International Markets Association". Die Erzählungen des Würzburger Privatanlegers Rainer Sieber zeichnen ein anderes Bild. Sein Fall weist erschreckende Ähnlichkeiten zu drei Anklagen auf, die in diesem Jahr am Landgericht Würzburg verlesen wurden. In allen drei Fällen ging es um Betrug auf sogenannten Cybertrading-Plattformen.

Online-Werbung für betrügerische Plattformen

Das Thema Cybertrading beschäftigt Online-Ermittler, wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg, schon seit längerem. Es geht um Betrug im großen Stil. Mehrere Tätergruppen sollen in Europa aktiv sein. Immer wieder laufen derartige Fälle nach ähnlichem System ab.

Oft werden die Anleger zum Beispiel über gefälschte Werbeanzeigen auf die vermeintlichen Handelsplattformen gelockt, heißt es von der ZCB. Zum Beispiel werde vorgegaukelt, das Angebot sei aus der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" bekannt. Auf den ersten Blick seien diese Anzeigen kaum als Fälschung zu erkennen.

Auf der eigentlichen Plattform werden dann Investitionen in Kryptowährungen oder am Devisenmarkt beworben, schildert die ZCB. Dafür müsse man sich lediglich registrieren. Startkapital: meist um die 250 Euro.

Anruf von vermeintlichem Anlage-Broker

Auch Rainer Sieber berichtet, dass er zunächst 250 Euro einzahlen sollte. Kurz nach seiner Registrierung hätte sich ein Mann bei ihm gemeldet, der sich als Broker ausgegeben hätte. Das Perfide daran: Da die vermeintlichen Broker Deutsch sprechen, schöpfen viele Anleger nach Angaben der Ermittler keinen Verdacht. Der Mann am anderen Ende der Leitung hätte sich als "Paul L." vorgestellt, sagt Rainer Sieber: "Er hat gut schwätzen können, daraufhin habe ich weiter investiert."

Anleger bekommt steigende Kurse angezeigt

Rainer Sieber spricht davon, dass ihm in seinem Depot Grafiken mit steigenden Kursen angezeigt wurden. Er dachte, er würde in Öl, Gold oder Silber investieren. "Mein Gewinn ist in die Höhe geschossen", sagt Sieber. Verdacht habe er zunächst nicht geschöpft, auch da ihm unaufgefordert sein Startkapital in Höhe von 250 Euro zurücküberwiesen wurde.

Bis Mitte März zahlte Rainer Sieber mehrfach vierstellige Beträge ein. Erst als der Broker ihn aufgefordert hätte, immer höhere Beträge zu investieren, wurde Rainer Sieber misstrauisch. Er hätte dann mehrfach eine Rückzahlung gefordert. Diese sei bis heute ausgeblieben, sagt der Würzburger.

BaFin warnt vor "internationals-ma"

Tatsächlich warnt seit Ende April auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor "internationals-ma". Der Geschäftssitz der Betreiber sei unbekannt. Sie hätten für ihre Geschäfte keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz, so die Bafin.

Die Zentralstelle Cybercrime in Bamberg will sich zum konkreten Fall nicht äußern. Bestätigt jedoch, dass mehrere Anzeigen zu der Plattform vorliegen.

Drei Cybertrading-Verhandlungen in Würzburg

In den vergangenen Monaten hat die ZCB in mehreren ähnlich gelagerten Fällen Anklage erhoben. Auch hier sollten Anleger zunächst geringe Beträge von etwa 250 Euro einzahlen. Anschließend wurden ihnen exorbitant steigende Kurse angezeigt, sodass die Anleger weiter investierten. Wahrscheinlich wurde das Geld jedoch nie angelegt, sondern landete über ein Geldwäschenetzwerk in den Taschen der Betrüger.

Allein in Würzburg wurden in diesem Jahr gleich drei derartige Cybertrading-Verfahren verhandelt. Grund dafür war, dass sich unter den Geschädigten eine Frau aus dem nahegelegenen Ochsenfurt befand.

Beteiligte zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt

Im ersten Fall wurden zwei Männer zu Bewährungsstrafen von je zwei Jahren verurteilt. In einem weiteren Verfahren wurde Ende Juni ein 37-Jähriger in 81 Fällen schuldig gesprochen. Er muss zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Die umfangreichste Verhandlung am Würzburger Landgericht fand Anfang Juni statt. Ein inzwischen 40-Jähriger wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Auf Plattformen unter Titeln wie "XTraderFX" oder "OptionStarsGlobal" soll er Anleger laut Anklage um 1,38 Millionen Euro betrogen haben. Bei dieser Summe handelt es sich lediglich um angezeigte Fälle. Die tatsächliche Betrugshöhe könnte noch höher liegen.

Einige Seiten inzwischen nicht mehr online

Während "XTraderFX" oder "OptionStarsGlobal" inzwischen vom Netz verschwunden sind, ist "internationals-ma.de" weiterhin abrufbar. Eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks an die sogenannte "International Markets Association" blieb unbeantwortet.

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Betrug in Millionenhöhe - im Visier der Ermittler: Mitarbeiter sogenannter Cybertrading-Plattformen. Als Teil internationaler Banden sollen sie Anleger im Internet um zigtausende Euro gebracht haben. Mit dieser Masche ...

Von der Zentralstelle Cybercrime heißt es, dass es ausgesprochen schwierig sei, die Betrugsmasche einzudämmen. Es handele sich um ein Kriminalitätsphänomen, das von sehr vielen Gruppen genutzt werde. "Diese Gruppen sitzen nicht hier in Deutschland, sondern sind international bestens vernetzt, agieren sehr professionell, verschleiern alle Spuren, agieren nebeneinander her", sagt Staatsanwalt Nino Goldbeck. Eines der Netzwerke konnten die Ermittler im Januar 2019 ausfindig machen, unter anderem in Georgien und Bosnien-Herzegowina. In den Callcentern sollen zum damaligen Zeitpunkt 472 Personen beschäftigt gewesen sein.

ZCB rät: Impressum überprüfen

Die Zentralstelle Cybercrime rät deshalb dazu, Handelsplattformen im Internet als Anleger gründlich zu überprüfen. Oft liegt zum Beispiel kein Impressum vor, wie im Fall von "internationals-ma.de". Genauso sollte man skeptisch werden, wenn anhand des Impressums unklar ist, welche Firma hinter dem Angebot steckt, heißt es von der ZCB.

"Gleichzeitig sollte man schauen: Was wird da eigentlich beworben", sagt Staatsanwalt Goldbeck. "Wenn es einfach zu schön ist, um wahr zu sein, dann könnte das ein Indiz sein, dass es sich letztlich nur um Betrug handelt."

Kanzleien warnen vor "internationals-ma"

Im Fall von "internationals-ma.de" warnen inzwischen auch mehrere Anwaltskanzleien. Oft müssen jedoch erste Anzeigen eingehen, ehe solche Hinweise veröffentlicht werden.

Für Rainer Sieber in Würzburg kamen diese Warnungen zu spät. Auch er hat Anzeige erstattet. "Hart erspartes Geld", sagt er, "das hätte ich mal lieber meinen Enkelkindern gegeben." Seine Hoffnungen sind gering, einen Teil seines Geldes wieder zu erhalten.

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