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Cyber-Mobbing: Diese Fälle erschütterten Bayern | BR24

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Cyber-Mobbing bleibt weiterhin ein drängendes Problem

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    Cyber-Mobbing: Diese Fälle erschütterten Bayern

    Eine falsche Todesanzeige über einen 13-jährigen Schüler sorgt für Entsetzen. Laut Polizei gibt es einen Zusammenhang mit Cyber-Mobbing an einer Nördlinger Realschule. Allein 2019 haben mehrere Fälle von Cyber-Mobbing in Bayern für Aufsehen gesorgt.

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    Entsetzen in ganz Bayern: In der Augsburger Allgemeinen Zeitung erschien eine falsche Todesanzeige über einen 13-jährigen Schüler. Die Anzeige steht in Zusammenhang mit einem Fall von Cyber-Mobbing an einer Realschule in Nördlingen. Dies bestätigte die Kriminalpolizei Dillingen, die in dem Fall ermittelt. Ein Unbekannter hatte an fünf Schülerinnen und Schüler, darunter an den betroffenen 13-Jährigen, Porno-Links geschickt, in ihren Namen Reisen gebucht und Handyverträge abgeschlossen.

    Cyber-Mobbing ist kein neues Phänomen. Schon im Jahr 2017 hat eine bundesweite Studie gezeigt, dass mindestens jeder zehnte deutsche Schüler zwischen zehn und 21 Jahren bereits im Internet gemobbt worden ist.

    Jeder vierte Jugendliche Opfer von Cyber-Mobbing

    Europaweit sieht es sogar noch schlimmer aus: Eine länderübergreifende Studie hat gezeigt, dass durchschnittlich jeder vierte europäische Jugendliche diesbezüglich bereits "unangenehme Erfahrungen" im Internet gemacht hat. Allein in Bayern im Jahr 2019 haben mehrere eklatante Fälle von Cyber-Mobbing im Bayern für Aufsehen gesorgt:

    Die Momo-Challenge

    Anfang des Jahres machte die sogenannte "Momo-Challenge" Schlagzeilen: Momo ist eine animierte Horrorfigur, die gezielt als Schock-Effekt in Youtube-Videos hineingeschnitten oder als Whatsapp-Kettenbrief verschickt wurde. Der Suizidversuch eines 13-jährigen Mädchens aus München wurde zunächst mit der Momo-Challenge in Verbindung gebracht, die Polizei dementierte dies jedoch später.

    Verbreitung von Nacktfotos

    Im März hatte eine Fünftklässlerin einer oberfränkischen Realschule Nacktbilder über das Online-Portal Snapchat verschickt. Gedacht gewesen waren sie nur für die Augen eines bestimmten Jungen, doch dann machten die Fotos die Runde. Das Mädchen begann, sich vor Verzweiflung selbst zu verletzen. Der Schulleiter meldete den Fall der Polizei, die daraufhin mehrere Telefone beschlagnahmte.

    Whatsapp-Chat eskaliert

    Auch Lehrer sind von Cyber-Mobbing betroffen: Anfang Dezember ist in Hauzenberg im Kreis Passau ein Streit zwischen einer Lehrerin und ihren Schülern so eskaliert, dass die Polizei ermittelte. Die Pädagogin hatte eine Anzeige gegen ihre Schüler erstattet, weil sie in einer Whatsapp-Gruppe auf erniedrigende Weise beschimpft wurde.

    Ligue du LOL

    Auch in anderen europäischen Ländern sorgen Fälle von Cyber-Mobbing immer wieder für Entsetzen. Im Februar wurde die Existenz einer Facebook-Gruppe aus Frankreich mit dem Namen "Ligue du LOL" bekannt. Ein kleiner Kreis aus jungen, aufstrebenden Männern aus der Kommunikationsbranche schrieb dort Hasskommentare und Drohungen und verbreitete obszöne Foto- und Videomontagen von Kolleginnen und Kollegen.

    Als Zeichen gegen Cyber-Mobbing wurde die Sängerin Lena Mayer-Landrut im Juli von der Hochschule Ansbach mit dem Bildungspreis ausgezeichnet. Lena engagiere sich gegen Cyber-Mobbing und Hass-Kommentare auf Social Media, heißt es in der Begründung. Die öffentliche Debatte um das Thema und die aktuellen Fälle zeigen, dass Cyber-Mobbing in Bayern und Deutschland immer noch ein Problem und Aufklärung zum Umgang mit dem Internet weiterhin notwendig ist.