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Wahlplakat mit geköpftem Söder vor dem Würzburger Dom
© BR / Anna-Lena Behnke

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Achim Winkelmann
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Wahlplakat mit geköpftem Söder vor dem Würzburger Dom

Das Wahlplakat, um das es geht, hängt unter anderem fast direkt vor dem Würzburger Dom. Es zeigt die Würzburger Landtags- und Bezirkstagskandidatin der Satirepartei "Die Partei", Andrea Kübert. Sie blickt den Betrachter mit blutverschmiertem Gesicht an. In der linken Hand hält sie den abgeschlagenen Kopf von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Der Slogan dazu: "Christliche Werte hochhalten!"

Oliver Jörg: Grenzen des Anstands überschritten

"Schäbig und völlig deplatziert" findet das der Würzburger CSU-Landtagsabgeordnete Oliver Jörg. Am Abend sagte er dem Bayerischen Rundfunk: "Das überschreitet jegliche Grenzen des Anstands." Er erwarte für das Plakat eine öffentliche Entschuldigung der Partei.

"Irgendwo hört der Spaß auf. Das ist nicht witzig, das ist das Letzte!" Oliver Jörg, CSU-Kreisverbandsvorsitzender Würzburg

Andrea Kübert: Von Satirefreiheit gedeckt

Dass diese Entschuldigung kommt, scheint derzeit unwahrscheinlich. Andrea Kübert sagte am Abend dem BR, sie könne die Aufregung der CSU nicht recht nachvollziehen. Angst vor juristischen Konsequenzen habe sie jedenfalls nicht. Sie sehe das Plakatmotiv von der Freiheit der Kunst und der Satire gedeckt. Schließlich sei das biblische Motiv der Judith mit dem enthaupteten Kopf des Holofernes in der Kunst weit verbreitet.

Dass die CSU jetzt juristisch gegen das Plakat vorgehen wolle, sei wohl "ein letzter Akt der Verzweiflung bei einer ehemaligen Volkspartei", ätzt die Politikerin. Die Aufmerksamkeit, die der Streit um das Plakat ausgelöst hat, nehme man aber natürlich gerne mit, freut sich Kübert.

"Bayerns (Noch-)Ministerpräsident rühmt sich damit, ein guter Christ zu sein und sieht in der Arbeit der CSU christliche Werte verwirklicht. Ich sehe das anders und verweise mit diesem Plakat auf die Bigotterie der CSU, im Speziellen auf die des Herrn Söder.” Andrea Kübert, Die Partei

Juristische Schritte

Wie die Würzburger "Main-Post" am Abend berichtet, hat die CSU gegen das Plakat mit einer Strafanzeige gegen Unbekannt reagiert und "Die Partei" zur Unterlassung aufgefordert. Die CSU sehe den Tatbestand der Volksverhetzung und der Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen erfüllt.

Diese juristischen Schritte kann der Würzburger CSU-Politiker Jörg nicht bestätigen. Der CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte am Telefon am Rande einer Wahlkampfveranstaltung, für ihn gebe es an diesem Abend wichtigere Dinge als das Würzburger Wahlplakat.

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Achim Winkelmann

Sendung

Regionalnachrichten aus Mainfranken vom 09.10.2018 - 06:30 Uhr