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CSU-Spitze kann muslimischen Kandidaten nicht umstimmen | BR24

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CSU-Generalsekretär Blume zu Sener Sahin, der nicht als Bürgermeisterkandidat für Wallerstein antreten will.

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CSU-Spitze kann muslimischen Kandidaten nicht umstimmen

Nach dem Rückzug des Wallersteiner Bürgermeister-Kandidaten Sener Sahin hat die CSU-Spitze vergeblich versucht, ihn umzustimmen. Wie es nun weitergeht, ist offen - Generalsekretär Blume äußert wie Parteichef Söder sein Bedauern.

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Die CSU-Spitze hat intensiv versucht, den Rückzug des muslimischen Bürgermeister-Kandidaten Sener Sahin im schwäbischen Wallerstein rückgängig zu machen. CSU-Generalsekretär Markus Blume bestätigte dem BR, dass er gestern und heute längere Telefonate mit dem 44-jährigen Unternehmer geführt hat. Man habe alles probiert. "Im Ergebnis kann ich sagen, dass er bei seinem Entschluss bleibt", erklärte Blume. "Er möchte nicht antreten."

Bereits zuvor hatte Sahin in der "Augsburger Allgemeinen" bekräftigt, dass es beim Rückzug seiner Kandidatur bleibt - obwohl Generalsekretär Blume ihm angeboten habe, "persönlich zur Nominierungs-Versammlung zu kommen, um die Vorurteile an der Wallersteiner CSU-Basis abzubauen". Blume wiederum erklärte am Dienstag, Sahin habe einfach nicht den Eindruck gehabt, "dass sie hundert Prozent wirklich hinter ihm stehen". Deswegen sei er am Ende nicht bereit für eine Kandidatur gewesen.

Blume sieht "keinen Groll" bei Sahin

Laut Blume gibt es bei Sahin aber "keinen Groll". Er bleibe der CSU gewogen. Eine grundsätzliche Diskrepanz zwischen CSU-Spitze und Parteibasis in Sachen Offenheit sieht der Generalsekretär eher nicht. "Wir haben bei der Kommunalwahl 40.000 Bewerberinnen und Bewerber unterschiedlichster Glaubensrichtungen", sagte Blume. Es gebe in der CSU "nirgendwo ein Stoppschild für Menschen mit Migrationshintergrund". Wer sich zu den CSU-Werten bekenne, habe auch einen Platz in der Partei.

Am Donnerstagabend will der CSU-Ortsverband in Wallerstein die Liste für die Gemeinderatswahl aufstellen. Nach Protesten bei Teilen der Basis - offenbar vor allem von älteren Parteimitgliedern - hatte Sahin seine Kandidatur als Rathaus-Chef zurückgezogen. Diese war ihm zuvor vom örtlichen Parteivorstand angeboten worden.

Sahin wollte sich "nicht zerfleischen lassen"

Auf BR-Anfrage wollte sich Sahin nicht erneut zu den Vorfällen äußern. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Ich wollte der Partei null Schaden bringen, das war mein Ziel." Und weiter: "Ich habe gesagt: Ich ziehe die Kandidatur zurück, dann habt ihr bei der Mitgliederversammlung keinen Streit und keiner tut mir weh. Ich muss mich nicht für das, was ich bin, zerfleischen lassen."

Zuletzt hatte bereits CSU-Chef Markus Söder sein Bedauern über Sahins Rückzug zum Ausdruck gebracht. Auch der Ehrenvorsitzende Theo Waigel kritisierte die Widerstände gegen den Ex-Kandidaten. Der langjährige CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler äußerte in der "Neuen Zürcher Zeitung" zwar ein gewisses Verständnis für den Unmut mancher Parteimitglieder vor Ort. Allerdings hätten bei Sahin laut Gauweiler die Voraussetzungen für eine Kandidatur offenbar gepasst.

Nicht nur aus der CSU gibt es Wortmeldungen zur Personalie Sahin. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle äußerte am Dienstag ebenfalls sein Bedauern über den Rückzug des Unternehmers. "Wenn solchen Menschen eine Kandidatur versagt wird, können wir uns die gesamte Debatte über Integration sparen", teilte Kuhle via Twitter mit.