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CSU-Parteitag - Ordnung vs. Abwechslung | BR24

© dpa-Bildfunk

Digitaler CSU-Parteitag

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    CSU-Parteitag - Ordnung vs. Abwechslung

    Die CSU-Spitze hat dem virtuellen Treffen heute ein ehrgeiziges Programm gegeben. Aber werden die Delegierten mitspielen? Im Mittelpunkt des Parteitags steht die Grundsatzrede von Parteichef Söder - hier zu sehen in einem BR24Live.

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    Der Parteitag der CSU findet zum Beispiel statt auf einem dunkelgelben Ledersofa in Emmerting, Landkreis Altötting. Dort wird Gisela Kriegl heute sitzen, Laptop auf dem Schoß, Zweifel im Herzen: Ein wegen Corona virtuell durchgeführter Parteitag sei "völlig spaßfrei", sagt die Kommunalpolitikerin. "Ein Parteitag lebt doch von den Delegierten und der Stimmung."

    Mehr als 800 Online-Teilnehmer

    An Delegierten ist, rein rechnerisch, auch diesmal kein Mangel. Völlig zu Recht spricht die CSU von einem "großen Parteitag": Weit mehr als 800 Mitglieder versammeln sich virtuell, debattieren, stimmen ab. Das ist Rekord, kein virtueller Parteitag war bisher so groß. "Wir wollen zeigen, dass wir digitale Avantgarde sind", sagt CSU-Generalsekretär Markus Blume.

    Zahlreiche Anträge abzuarbeiten

    Sein Ehrgeiz zeigt sich auch in der Zahl der Themen: Über ganze 150 Anträge sollen die Delegierten heute entscheiden, in insgesamt 180 Minuten, laut Plan, ein Abstimmungs-Stakkato. Technisch sei das kein Problem, sagt Doro Bär, die den Parteitag zusammen mit Blume moderieren wird: Pro Minute könne man durchaus zwei Anträge behandeln.

    Doch die Masse hat ihren Preis, und das ist die Stimmung. Der Titel des CSU-Grundsatzprogramms, "die Ordnung", könnte gut die Losung dieses Parteitags sein. Noch weniger als sonst hat die Regie diesmal Interesse an Überraschungen. Für die stellvertretende Parteichefin Bär ist die größte Herausforderung, "zur richtigen Zeit den richtigen Delegierten mit dem richtigen Namen und dem richtigen Antrag aufzurufen". Stimmungsvoll klingt das nicht.

    Kuhglocke soll zu lange Reden stoppen

    Aus dem ersten digitalen CSU-Parteitag im Mai, einem vergleichsweise kleinen Treffen, hat Generalsekretär Blume seine Lehren gezogen. Damals redete Alexander Dobrindt, zugeschaltet aus Berlin, und redete und redete. In München wusste die Regie nicht, wie sie ihn stoppen sollte. Den Landesgruppenchef einfach stumm zu schalten, kam nicht infrage. Heute wird der Ton einer Kuhglocke für Ordnung sorgen.

    Höhepunkt des Parteitags: Söders Rede

    Dass Markus Söder ihn hören wird, ist unwahrscheinlich. Dass der Parteichef sich auf die halbe Stunde Redezeit beschränken wird, die ihm das offizielle Programm einräumt, glaubt zwar niemand. Aber Söders Rede ist der Höhepunkt des Parteitags, an dessen Ende passt keine Kuhglocke. Zumal selten ein CSU-Chef so hoch stand in der Achtung seiner Partei wie Söder derzeit: "Er hat einen Stellenwert, wie ich das selbst bei Edmund Stoiber nicht erlebt habe", sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange.

    Sehnsucht nach Nicht-Corona-Themen

    Und dennoch, in der CSU gibt es inzwischen eine spürbare Sehnsucht nach thematischer Abwechslung. "Alles ist momentan Corona untergeordnet", bedauert die Kommunalpolitikerin Gisela Kriegl in Emmerting.

    Der Wunsch nach anderen Themen zeigt sich auch im Parteitagsprogramm: Von den vielen neuen Anträgen, die eingereicht wurden, befasst sich kaum einer direkt mit Corona. Stattdessen ganz oben auf der Wunschliste der Basis: ein Antrag gegen gendergerechte Sprache, der Kampf gegen Kindesmissbrauch, der Umgang mit der Polizei – alles mehr oder weniger klassische CSU-Themen. Wie sehr wird Markus Söder auf die Sehnsucht nach Neuem eingehen? Je mehr er das tut, desto stärker entfernt er sich von dem Thema, das ihn derzeit am stärksten umtreibt und ihm den bisher größten Zuspruch seiner Karriere verschafft.

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