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CSU-Landrat kritisiert Chaos bei Organisation der Impfzentren | BR24

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Die Vorbereitungen für die Corona-Impfung im Landkreis Donau-Ries laufen auf Hochtouren. Erschwert werde das aber wegen ständig wechselnder Anordnungen der Regierung oder des Ministeriums, sagt Landrat Stefan Rößle. Auch die Bürger sind verunsichert.

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CSU-Landrat kritisiert Chaos bei Organisation der Impfzentren

Die Vorbereitungen für die Corona-Impfung im Landkreis Donau-Ries laufen auf Hochtouren. Erschwert werde das aber wegen ständig wechselnder Anordnungen der Regierung oder des Ministeriums, sagt Landrat Stefan Rößle. Auch die Bürger sind verunsichert.

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Von
  • Judith Zacher

Fast minütlich bekomme er Mails mit neuen Anordnungen zur Organisation der Impfungen, sagt der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle (CSU). Noch stehe zum Beispiel nicht fest, ab wann im Landkreis Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Derzeit gehe er davon aus, dass das ab dem 27. Dezember der Fall sein werde.

In Altenheimen soll zuerst geimpft werden

Ein Kühlschrank für die Lagerung des Impfstoffes soll am 22. Dezember geliefert werden. Zunächst sollen dann die Bewohner und Bewohnerinnen in den Seniorenheimen im Landkreis geimpft werden. Das sollen die Hausärzte übernehmen. Im Landkreis Donau-Ries gibt es 1.000 stationäre Pflegeplätze. Ob die Bewohner sich alle impfen lassen wollen, wisse man natürlich nicht.

Start der Impfzentren wohl erst im neuen Jahr

Prinzipiell seien die Impfzentren im Landkreis Donau-Ries startklar, doch noch stehe nicht fest, wann es endlich losgehen kann, sagt Landrat Rößle. Er geht davon aus, dass die Impfzentren erst im neuen Jahr den Betrieb aufnehmen werden. Der Landkreis wird die Impfzentren in Nördlingen und Donauwörth betreiben und die Abläufe organisieren. Insgesamt, schätzt Landrat Stefan Rößle, werde der Landkreis anfangs bestenfalls etwa 500 Impfdosen zugeteilt bekommen.

45.000 Impfdosen sollen anfangs für ganz Bayern zur Verfügung stehen. Das Impfstoffmanagement werde "wahnsinnig kompliziert" werden, sagt eine Mitarbeiterin des Landkreises. Erst werde nur die Hälfte des Impfstoffes geliefert, um zu gewährleisten, dass die, die ihre Erstimpfung bekommen, auch die nötige zweite Impfung erhalten.

Landrat bittet um Verständnis

All diese Planungen könnten sich aber bald wieder ändern, schließlich seien ja auch andere Impfstoffe kurz vor der Zulassung, sagt Rößle. Er bitte hier um Verständnis und Geduld auch in der Bevölkerung. Sicher sei, wenn Impfstoff da sei, werde man den so schnell wie möglich verabreichen. Am 8. Januar will das Landratsamt in einer Videokonferenz die Bevölkerung über das Thema informieren. Dabei soll es darum gehen, wie man sich anmeldet, wer wann geimpft werden soll, auch eine Aufklärung über den Impfstoff durch einen Mediziner soll erfolgen.

Organisation der Abläufe kompliziert wegen ständig wechselnder Anordnungen

Die immer wieder neuen Anordnungen von Seiten der Staatsregierung an die Landkreise zur Einrichtung der Impfzentren bringe die Landratsämter an ihre Grenzen, beklagt Rößle. Er nennt dazu einige Beispiele:

Zunächst habe man die Anordnung erhalten, Personal bereitzustellen, das 100 Impfungen pro Tag verabreichen könne. Wenige Tage später wurde die Zahl auf 300 erhöht. "Da hatten wir die Ausschreibungen schon getätigt, es gab schon Angebote, im Endeffekt hat man das fast in den Papierkorb stampfen können, das ist sehr sehr belastend, sehr anstrengend“, sagt der Donau-Rieser Landrat.

Software noch nicht verfügbar

Eine vom Ministerium in Aussicht gestellte Software zur Organisation der Impfungen werde außerdem nicht bis zur Inbetriebnahme der Impfzentren fertig werden. Die Landratsämter hätten jetzt die Anweisung bekommen, sich in den ersten Wochen selbst zu behelfen. "Das sind brutale Herausforderungen. Man soll schon am nächsten Tag betriebsbereit sein und bekommt dann den Hinweis, Software wird nicht geliefert, da sollen wir uns selber etwas einfallen lassen – das stresst natürlich", sagt Rößle.

Auch der mehrfach geänderte Starttermin für die Impfzentren stelle die Organisatoren vor große Herausforderungen. Schließlich brauche man Personal, um die Zentren zu betreiben. Im Donau-Ries werden das anfangs die Ärzte der Krankenhäuser im Landkreis übernehmen. Die habe man jetzt ab dem 4. Januar eingeteilt, das müsse jetzt alles wieder geändert werden, wenn der Impfstart wie zwischenzeitlich angekündigt bereits am 27. Dezember sein soll.

Auch Bürger durch ständig neue Anordnungen verunsichert

Immer, wenn der Ministerpräsident Markus Söder oder Bundeskanzlerin Angela Merkel neue Corona-Regeln verabschiedeten, bekomme das Landratsamt eine Flut von Mails, Anrufen, Briefen, WhatsApp oder Facebookanfragen. Die Bürger monierten dann oft, dass die in einer Pressekonferenz angekündigten Regelungen nicht sofort vom Landratsamt umgesetzt würden. Das Amt brauche dafür aber erst die schriftlichen Anweisungen, um alles richtig und korrekt umsetzen zu können, erklärt Rößle. Er verstehe, dass die Bürger hier ungeduldig seien. Dafür habe er Verständnis. Nicht aber, wenn die Kritik an seinen Mitarbeitern in diesen Zuschriften verletzend oder beleidigend seien.

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