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Horst Seehofer
© pa/dpa
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Horst Seehofer

Offiziell ging es bei dem Treffen in der CSU-Zentrale in München um die Europawahl. Mehr als vier Stunden lang berieten führende Köpfe der CSU - neben Parteichef Horst Seehofer und dessen Stellvertretern auch die CSU-Bezirksvorsitzenden - hinter verschlossenen Türen über die Europaliste, aber auch über die personelle Neuaufstellung der CSU. Wie der BR aus Teilnehmerkreisen erfuhr, kündigte Seehofer schließlich an, den Weg an der Parteispitze freizumachen. Demnach soll Anfang 2019 auf einem Sonderparteitag ein neuer CSU-Vorsitzender gewählt werden.

Seehofer empfindet Rücktrittsforderungen als ungerecht

Vor den Kameras wurde der Bezirksvorsitzende der CSU Augsburg, Johannes Hintersberger, am deutlichsten. Er sagte im Anschluss an das Treffen in der Landesleitung: "Es ging um die personelle Erneuerung, um eine strategische und thematische Erneuerung." Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, Seehofer habe die Forderung, sein Amt zur Verfügung zu stellen, als sehr ungerecht empfunden.

Ob Seehofer auch sein Amt als Bundesinnenminister aufgeben wird, ist indes noch unklar. Mehrere Medien berichteten zwar, Seehofer werde wohl auch sein Amt in der Großen Koalition im Laufe des kommenden Jahres abgeben. Dem BR sagten mehrere Sitzungsteilnehmer dagegen, das Ministeramt sei bei dem Treffen kein Thema gewesen.

Söder aussichtsreichster Kandidat

Der CSU-Chef selbst kündigte für die nächsten Tage eine öffentliche Erklärung an. An welchem Tag damit zu rechnen ist, verriet ein sichtlich niedergeschlagener Seehofer am Abend nicht: "Nächste Woche sind ja mehrere Tage", sagte er. Der CSU-Chef fügte hinzu: "Jetzt fahre ich erst einmal nach Hause, das ist immer ein guter Ort für Entscheidungen."

Als aussichtsreichster Kandidat für Seehofers Nachfolge an der CSU-Spitze gilt Ministerpräsident Markus Söder. Als sein Konkurrent galt zuletzt noch CSU-Vize Manfred Weber. Der "Münchner Merkur" berichtet unter Berufung auf die CSU-Spitze, Weber wolle beim Sonderparteitag nicht gegen Söder antreten. Bei dem CSU-Treffen wurde Weber am Abend offiziell für Platz eins der CSU-Europaliste nominiert. Das galt aber nur als Formsache. Der Niederbayer ist seit Donnerstag bereits Spitzenkandidat der europäischen Konservativen für die Europawahl 2019.

Herbe Verluste

Eigentlich dauert Seehofers Amtszeit als CSU-Chef noch bis Herbst 2019. Doch nach dem schlechten CSU-Ergebnis bei der Landtagswahl am 14. Oktober ist Seehofer parteiintern stark unter Druck geraten. Denn wie schon bei der Bundestagswahl 2017 hat die CSU auch bei der Landtagswahl große Einbußen hinnehmen müssen. Die Christsozialen verloren die absolute Mehrheit und sind in der neuen Legislaturperiode auf die Freien Wähler als Koalitionspartner angewiesen.

Die Aufarbeitung des Absturzes auf 37,2 Prozent hatte die CSU unmittelbar nach der Landtagswahl zunächst vertagt. Der vom Vorstand beschlossene Fahrplan lautete: zunächst volle Konzentration auf die Bildung einer stabilen Regierung, erst dann Wahlanalyse und Debatte über personelle Konsequenzen. Mittlerweile ist der Koalitionsvertrag unterschrieben und Markus Söder als Ministerpräsident bestätigt. Am Montag soll dann noch das Kabinett ernannt werden.

BR-Reporter Julian von Löwis

BR-Reporter Julian von Löwis