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CSU-Klausur in Seeon: Unruhe wegen Datenklau | BR24

© BR/Achim Wendler

Das Thema des Tages sucht man auf der Tagesordnung vergeblich: Datensicherheit spielt laut Planung der CSU-Landesgruppe keine Rolle bei der Klausur in Seeon. Trotzdem reden alle drüber.

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CSU-Klausur in Seeon: Unruhe wegen Datenklau

Das Thema des Tages sucht man auf der Tagesordnung der Klausur in Seeon vergeblich: Datensicherheit spielte laut Planung der CSU-Landesgruppe heute keine Rolle. Trotzdem reden alle darüber.

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Über Informationen, die nicht hätten veröffentlicht werden sollen, sprechen die CSU-Politiker bei ihrer Winterklausur in Seeon überall: beim Kaffee, beim Mittagessen, in den Gängen des Klosters. Passwörter, Telefonnummern, Chatverläufe, Adressen fanden ihren Weg an die Öffentlichkeit, wie Innenstaatssekretär Stephan Mayer in Seeon bestätigt.

Teilweise veraltete Daten

Auch die meisten CSU-Bundestagsabgeordneten sind mehr oder weniger betroffen. Aber nicht alle geleakten Daten sind auf dem aktuellen Stand. Entwicklungsminister Gerd Müller berichtet, von ihm seien Handynummer und private Wohnanschrift veröffentlicht worden, allerdings sei die Anschrift seit geraumer Zeit veraltet.

Gehackt oder zusammengesucht?

Die Frage, ob die Daten gehackt oder nur aufwändig zusammengesucht worden sind, beschäftigt die Abgeordneten. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warnt vor verfrühten Debatten über Datensicherheit. Nur eines stehe fest: Man dürfe die Sicherheit nicht vernachlässigen.

Passend zum Tagesordnungspunkt Künstliche Intelligenz

Das ist ganz im Sinn des ersten Gastes an diesem Tag: Richard Socher ist Chef-Wissenschaftler für Künstliche Intelligenz (KI) beim amerikanischen Unternehmen Salesforce. Er ist Mitte 30, steht in blauer Sport-Winterjacke und mit roten Zottelhaaren neben Dobrindt und sagt in leichtem Sächsisch: "Künstliche Intelligenz kann auch genutzt werden für Hackerangriffe und für die Sicherheit."

Socher zufolge wird sich unsere Alltags- und Berufswelt durch KI komplett verändern. Wie lernen Computer menschliche Sprachen? Wie können sie Krankheiten erkennen? Wie füttert man Computer am besten mit den Trainingsdaten, um ihre Algorithmen zu perfektionieren? Solche Fragen beschäftigen Socher.

Seine Thesen findet die CSU-Landesgruppe so spannend, dass sie ihn nach Seeon eingeladen hat. Und am liebsten wäre Dobrindt, Socher bliebe gleich ganz in Deutschland. Denn er hat zwar in seinem Geburtsland studiert, machte dann aber seinen Doktor in Stanford, lehrte dort eine zeitlang, gründete ein Unternehmen, blieb in den USA.

CSU: Deutschland soll in Sachen KI an die Spitze

Solche Karrieren schmerzen die CSU. Sie will Deutschland und Europa an der Spitze der KI sehen, gleichauf mit den USA und China. Dafür soll eine "KI-City Europe" entstehen, wie es im Beschlusspapier der Klausurtagung heißt. Gemeint ist ein "gemeinsamer Standort aller relevanten Akteure aus Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft".

Insgesamt sei Deutschland schon jetzt sehr gut aufgestellt in Sachen KI, sagt Richard Socher. Ausnahme sei die Bildung. Der Informatikunterricht an Schulen lasse zu wünschen übrig: "Es gibt sehr gute Gymnasien auch in Bayern, die noch gar kein Informatik haben, bis zur 12. Klasse. Da muss sich mehr tun!“

KI: Forscher nach Deutschland locken

Aber auch in der Wissenschaft sieht Socher gewissen Nachholbedarf. Diese Meinung teilt er mit dem CSU-Forschungspolitiker Albert Rupprecht. Zwar sieht die KI-Strategie der Bundesregierung, verabschiedet im November, hundert neue Professuren vor. Laut Rupprecht kommen renommierte Wissenschaftler aber nur nach Deutschland, wenn man ihnen einen gutes Geld bietet und vor allem Freiheit: "Habe ich die Möglichkeit, neben meinem wissenschaftlichen Auftrag mich an Startups zu beteiligen? Habe ich die Möglichkeit, mit der Industrie zusammenzuarbeiten?" Solche Fragen seien entscheidend.

Die Antworten überzeugen Richard Socher offenkundig nicht. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass er Dobrindts Wunsch erfüllt und künftig in Deutschland forscht.

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Weitere Information zur Verweildauer

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Nach dem Streit über die Flüchtlingspolitik im vergangenen Sommer will die CSU einen neuen Schulterschluss mit der Schwesterpartei CDU. Die Einladung an die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer soll ein Zeichen dafür sein.

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Autor
  • Achim Wendler
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