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CSU-Experte: "E-Auto wäre auf dem Land nur das Kindertaxi" | BR24

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Münchner Runde vom 19.06.19

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CSU-Experte: "E-Auto wäre auf dem Land nur das Kindertaxi"

In der Münchner Runde ging es um die Zukunft der Mobilität. Für CSU-Verkehrspolitiker Ulrich Lange ist das E-Auto dabei „nicht die Antwort auf alle Fragen“. Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer warf dem Verkehrsministerium Untätigkeit vor.

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Moderator Achim Wendler kam mit einem E-Scooter ins Studio der Münchner Runde, es wurden Simulationen von Flugtaxis gezeigt und es wurde über selbstfahrende E-Minibusse gesprochen, in denen bis zu 15 Personen Platz haben. Der Elektrofahrzeug-Hersteller Günther Schuh sagte über sein Kurzstrecken-E-Auto "e.GO", dass es 150 Kilometer weit fahren kann und ein Auto "für jedermann" sein soll.

E-Autos für ländlichen Raum ungeeignet

Die Visionen für unsere Mobilität von Morgen sind vielfältig - die Praxis zeigt in der Gegenwart jedoch noch ein anderes Bild. CSU-Verkehrsexperte Ulrich Lange sprach den derzeitig auf dem Markt erhältlichen E-Autos die Eignung für den ländlichen Raum weitgehend ab.

"Für uns auf dem Land wäre das maximal der Zweitwagen. Ich sage ganz offen, ohne gewisse Reichweiten, die ich an einem Tag im Wahlkreis fahren muss, wäre das der Wagen für daheim, für die Einkäufe, für das - früher mal - Kindertaxi." Ulrich Lange, CSU-Verkehrspolitiker

Die Zukunft der Mobilität sei "auch eine soziale Frage", so der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Niemand dürfe sich "abgehängt fühlen". Die Kaufpreisprämie für E-Autos funktioniere nicht, weil dadurch noch nicht die entsprechende Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge geschaffen sei. Daher ist für Ulrich Lange das E-Auto "nicht die Antwort auf alle Fragen, die wir im Rahmen des Klimaschutzes beantworten müssen". Die Verkehrswende müsse "technologieoffen" gestaltet werden.

Grünen-Verkehrsexperte Krischer kritisiert Verkehrspolitik der CSU

Der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag Oliver Krischer warf dem CSU-geführten Bundesverkehrsministerium hingegen Untätigkeit vor, wenn es um das Entwickeln zukunftsgerechter Mobilitätskonzepte geht. Er erwarte "konkrete Vorschläge" der Regierung, wie beispielsweise eine CO2-Bepreisung und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

"Es geht vor allem darum, wenn wir das Pariser Klimaabkommen ernst meinen, dass wir ab 2030 faktisch keine neuen Fahrzeuge mehr zulassen dürfen, die mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden." Oliver Krischer, Grünen-Verkehrspolitiker

CSU-Politiker Ulrich Lange rechtfertigte die Verkehrspolitik der Bundesregierung. Vor allem in die Schieneninfrastruktur und den öffentlichen Personennahverkehr sei viel investiert worden. Das müsse man nun wirken lassen, so Lange. Die Infrastruktur werde weiter ertüchtigt. Mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern bräuchte darüber hinaus mehrjährige Planungsvorläufe. Das könne nicht von heute auf morgen umgesetzt werden.

Umweltexpertin rät zu Anhebung der Dieselsteuer

Verkehrs- und Umweltexpertin Claudia Kemfert plädierte für Lösungen, die weniger Verkehr produzierten. Es gehe um Verkehrsoptimierung und Verkehrsvermeidung, etwa durch mehr Carsharing, da auf diese Weise nicht nur eine Person im Auto säße, so Kemfer. Auch On-Demand-Verkehr, also flexible Reisemöglichkeiten auf Bestellung, seien ein Schritt in die richtige Richtung. Außerdem dürfe Diesel über die Steuer künftig nicht mehr bevorteilt werden. Sinnvoll sei außerdem eine Elektroquote für neue Fahrzeuge.

"Die Dieselsteuer ist künstlich niedrig. Die müsste man erstmal auf das Niveau der Benzinsteuer anpassen (…) Es geht um individuelle Mobilität und da gehört Elektromobilität dazu. Aber da braucht man erstmal einen Markt und da muss man anfangen, diejenigen, die gut sind, zu bevorteilen und die, die schlecht sind, zu benachteiligen." Claudia Kemfer, DIW

Immer wieder kamen alle Gäste der Münchner Runde auf den "Fahrzeug-Mix" zu sprechen. Auch der Elektrofahrzeug-Hersteller Günther Schuh plädierte dafür. "Es ist nicht sinnvoll, mit einer Batterie weit und schnell zu fahren", sagte er. Zukünftig seien Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge eine gute Lösung, die weitere Fahrstrecken ermöglichten, in der Stadt aber emissionsfrei führen.

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Günther Schuh, E-Mobilität

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Ulrich Lange in der Münchner Runde

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Oliver Krischer in der Münchner Runde

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Claudia Kemfert in der Münchner Runde