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CSSR-Grenztote: Prag ermittelt gegen frühere Staatsspitze | BR24

© pa/dpa

Die deutsch-tschechoslowakische Grenze im Jahr 1990. Auf dem Schild steht: "Staatsgrenze - Betreten verboten!"

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    CSSR-Grenztote: Prag ermittelt gegen frühere Staatsspitze

    Mehr als drei Jahrzehnte nach den Todesschüssen an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze ermitteln jetzt auch Staatsanwälte in Prag gegen mögliche Verantwortliche. Es geht dabei auch um den Fall eines getöteten Rentners aus Amberg.

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    Wegen der Todesschüsse an der früheren deutsch-tschechoslowakischen Grenze hat jetzt auch die Staatsanwaltschaft in Prag Ermittlungen gegen die damalige Staatsführung der Tschechoslowakei (CSSR) aufgenommen. Es geht um neun konkrete Fälle, in denen Flüchtlinge zwischen 1976 und 1989 an der damaligen CSSR-Grenze zum Westen erschossen oder von Hunden zerrissen worden seien, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte. Auf deutscher Seite laufen bereits seit zwei Jahren entsprechende Ermittlungen, sie werden von der Staatsanwaltschaft Weiden geführt.

    Es geht um neun Grenztote

    Im Visier der Prager Staatsanwaltschaft stehen drei alte Männer: Ex-ZK-Generalsekretär Milos Jakes (97), der frühere Ministerpräsident Lubomir Strougal (95) und Ex-Innenminister Vratislav Vajnar (89). Konkret geht es um neun Fälle, in denen Flüchtlinge zwischen 1976 und 1989 an der Grenze der damaligen Tschechoslowakei (CSSR) zum Westen erschossen oder von Hunden zerrissen worden seien.

    Amberger Rentner wurde 1986 erschossen

    Nach Informationen des Online-Dienstes "Onetz" wird im Zuge der Ermittlungen auch der Fall des Amberger Rentners Johann Dick neu aufgerollt. Dick war 1986 bei einer Wanderung in der Nähe von Mähring, einem Grenzdorf im Landkreis Tirschenreuth, von tschechoslowakischen Grenzsoldaten erschossen worden. Sie hatten ihn mit einem Grenzflüchtling verwechselt. Dick wurde 59 Jahre alt.

    Den Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass es an den CSSR-Grenzen zum Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge kam, heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Prag. Das Jahr 1976 wurde als Anfangszeitpunkt gewählt, weil in diesem Jahr der sogenannte UN-Zivilpakt in Kraft trat, der die Freizügigkeit garantierte.

    Bei einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs drohen den ehemaligen kommunistischen Funktionären zwischen zwei und zehn Jahre Haft. Die Beschuldigten bleiben vorerst auf freiem Fuß.

    282 Menschen starben auf Flucht aus CSSR

    Die Grenze der Tschechoslowakei zu Deutschland und Österreich war vor der demokratischen Wende von 1989 scharf bewacht. Zwischen 1948 und 1989 kamen nach Angaben der tschechischen Behörde mindestens 282 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben.