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Crowdfunding soll der Museumsbahn im Frankenwald helfen | BR24

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Durch die Corona-Pandemie konnten die Eisenbahnfreunde Rodachtal den Betrieb der Museumsbahn nicht aufnehmen. Jetzt müssen auch noch Brücken und Strecken teuer saniert und erneuert werden.

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Crowdfunding soll der Museumsbahn im Frankenwald helfen

Der "Rote Brummer" lässt Eisenbahnfreunde im Frankenwald in Erinnerungen schwelgen. Doch Corona und eine Brückensanierung nagen an der Kasse des Fördervereins der Museumsbahn. Nun soll ein Crowdfundingprojekt die Weichen für die Zukunft stellen.

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Ralf Ellinger steht frühmorgens zwischen Steinwiesen und Nordhalben im Regen. Er ist einer der ersten an der Baustelle an der Bahnstrecke. Ungemütlich und kalt ist es, der Erste Vorsitzende der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn ist etwas aufgeregt, doch er lacht unter seinem breiten Hut. Endlich ist der Tag gekommen, auf den er und die anderen Bahnfans so lange gewartet haben. Eine etwa zehn Meter lange Brücke über den kleinen Fluss soll wieder eingesetzt werden. Die Straße neben den Schienen ist extra gesperrt, ein Schwerlastkran rückt an und bringt sich in Position.

Brückensanierung – teuer aber alternativlos

Die Stahlbrücke stammt aus den 1930er Jahren und musste nach einer Überprüfung saniert werden. Ein kostspieliges Unterfangen: Für die Sanierung in Dresden, die Lagerung und den Transport rechnet Ralf Ellinger mit Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro. Allerdings gibt es keine Alternative zur Sanierung, schließlich muss die Museumsbahn sicher auf den Gleisen zwischen Nordhalben und Steinwiesen im Landkreis Kronach unterwegs sein.

"Roter Brummer" muss zum "Zug-TÜV"

Doch nicht nur die Kosten für die sanierte Brücke belasten die Eisenbahnfreunde im Frankenwald. Auch die beiden Schienenbusse aus dem Jahr 1959, mit denen die Fahrgäste vor der Corona-Pandemie die Gegend erkunden konnten, müssen gewartet werden. Ralf Ellinger rechnet hierfür 60.000 Euro ein.

Corona bremst Eisenbahnfreunde völlig aus

In diesem Jahr stehen die beiden roten Triebfahrzeuge im historischen Lokschuppen in Nordhalben und haben Staub angesetzt. Seit 2007 fahren sie normalerweise die elf Kilometer lange Strecke zwischen Nordhalben und Steinwiesen an Wochenenden und Feiertagen zwischen Mai und Oktober. Etwa 8.000 Fahrgäste wollen pro Jahr das historische Zug-Gefühl miterleben. Diese Saison ist wegen Corona komplett ausgefallen, Ralf Ellinger und die anderen Zugführer der Eisenbahnfreunde konnten keinen einzigen Fahrgast begrüßen. Die Kassen bleiben leer.

Crowdfundingprojekt soll Betrieb der Museumsbahn sichern

Die Museumsbahn ist mehr als ein Hobby, der Aufwand groß und die bürokratischen Hürden sind oft nicht leicht zu nehmen, erzählt Ralf Ellinger in einem alten Speisewagen, der im stillgelegten Bahnhof von Nordhalben steht. Normalerweise können sich Bahnfans hier mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen die Wartezeit auf die Fahrt mit der Museumsbahn vertreiben. Auch dieses Geld fehlt in der Kasse des Vereins. Aus der Not heraus habe man sich dann für das Crowdfundingprojekt im Internet entschieden. Das erste Zwischenziel sind 40.000 Euro.

"Uns fehlen die Fahrgeldeinnahmen von etwa 30.000 Euro im Jahr. Es haben auch nicht alle Fördermaßnahmen gegriffen, sodass wir ein großes finanzielles Loch stopfen müssen." Ralf Ellinger, Erster Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn e.V.

Spender bekommen Museumsbahnfahrt als Dankeschön

Über die Website der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn gelangen Interessierte auf die Seite des Crowdfundings. Je nachdem, wie viel Geld Bahnfreunde spenden wollen, bekommen sie unterschiedliche Dankeschöns. Bei kleineren Beträgen sind das Postkarten mit der Museumsbahn, bei höheren Spenden gibt es eine Urkunde oder sogar exklusive Sonderfahrten mit der Bahn im nächsten Jahr.

Verein geht in finanzielle Vorleistung

Die Brückensanierung hat nicht länger warten können, sonst fallen auch im nächsten Jahr die Saison und die Einnahmen weg, erzählt Ralf Ellinger. Deshalb sei der Verein in finanzielle Vorleistung gegangen, auch wenn das natürlich nicht ohne Risiko ist. Doch Ralf Ellinger ist Berufsoptimist und glaubt fest daran, dass die Finanzierung klappt.

Erster Schritt geschafft: Brücke ist eingesetzt

Der Aufwand an der Brückenbaustelle an der Strecke hat sich gelohnt. Der Schwerlastkran hat die sanierte Brücke zentimetergenau eingesetzt – hier könnte der "Rote Brummer" also wieder fahren. Damit die Eisenbahnfreunde im nächsten Jahr aber sicher wieder ausrücken können, fehlt noch Geld. Bislang sind etwa 10.000 Euro über die Crowdfundingseite zusammengekommen. Bis Ende November können Bahnfreunde den Eisenbahnfreunden Rodachtalbahn finanziell unter die Arme greifen, so lange läuft die Aktion im Internet noch.

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BR-Korrespondent Richard Padberg traf den Vorsitzenden der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn, Ralf Ellinger, zum Interview.

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