BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / ROBIN UTRECHT
Bildrechte: picture alliance / ROBIN UTRECHT

Schlecht besuchte Impfstation im niederländischen Zeist.

182
Per Mail sharen

    Covid-19 in den Kliniken: Die Welle der Ungeimpften

    Die Corona-Stationen füllen sich wieder, der größte Teil der Patienten ist ungeimpft: Ärzte und Pfleger verlieren die Geduld, wie Recherchen des ARD-Politikmagazins report München zeigen.

    182
    Per Mail sharen
    Von
    • Fabian Mader
    • Ulrich Hagmann
    • Johannes Reichart

    Seit zwei Wochen müsse er jetzt wieder geplante Operationen verschieben, weil die Intensivstationen in seinen Häusern mit Covid-19-Patienten belegt sind, sagt Dr. Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer der RoMed Kliniken. Der Klinikverbund betreibt vier Krankenhäuser in Rosenheim und Umgebung. Die Stadt am Zusammenfluss von Mangfall und Inn war schon während der früheren Infektionswellen der Corona-Pandemie ein Hotspot und ist es jetzt wieder.

    Aktuell alle Patienten auf Intensivstation des Klinikums ungeimpft

    "Von den 41 Intensivpatienten, die wir in den letzten Wochen behandelt haben, waren 39 ungeimpft", berichtet Deerberg-Wittram. Mit einer Impfung sei ein Aufenthalt auf der Intensivstation in über 90 Prozent der Fälle vermeidbar, ergänzt Dr. Christoph Spinner von der Technischen Universität München. Alle Patienten, die derzeit im Klinikum rechts der Isar auf Intensivstation liegen, seien ungeimpft.

    "Die Patienten werden jünger, die Verläufe sind dennoch schwer und ein wesentlicher Anteil der Patienten hat nach einem solchen Aufenthalt Wochen und Monate später noch bleibende Folgen und benötigt zusätzlich eine Anschlussheilbehandlung (Reha)." Dr. Christoph Spinner, Technische Universität München

    Eine Stichprobe des BR ergibt, dass die Situation in anderen bayerischen Kliniken ähnlich ist. "Wir haben auf unseren Intensivstationen am Klinikum Nürnberg bislang überwiegend ungeimpfte Patientinnen und Patienten mit Covid-19", schreibt die Stadt Nürnberg auf BR-Anfrage. Aktuell seien es zehn – "davon hat eine Patientin eine Impfung (und eine sehr schwere Vorerkrankung), alle anderen sind ungeimpft".

    Regensburg teilt mit, dass seit Anfang August zehn Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis Regensburg, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, auf eine Intensivstation aufgenommen wurden. "Alle zehn waren ungeimpft." Die Stadt weist aber darauf hin, dass ihr nur für die Covid-19-Patienten aus Stadt und Landkreis Regensburg Angaben zum Impfstatus und über eine eventuelle Aufnahme auf eine Intensivstation vorliegen.

    Behandlungskosten pro Corona-Intensivpatient: rund 34.000 Euro

    Nach einer exklusiven Erhebung der AOK für das ARD-Politikmagazin "report München" kostet jeder beatmete Patient mit einer Corona-Infektion im Schnitt 34.200 Euro. Insgesamt haben die Kliniken seit Beginn der Corona-Krise 2,9 Mrd. Euro für Behandlungskosten bei den Krankenkassen abgerechnet. Hinzu kommen milliardenhohe Zuschüsse aus Steuermitteln, um Betten für Intensivpatienten freizuhalten.

    Schwere Verläufe und damit auch diese Kosten wären durch eine Impfung zu großen Teilen vermeidbar, aber die Impfquote steigt in Deutschland nur noch langsam - obwohl die Impfkampagne jetzt zu den Menschen kommt. report München hat einen Impfbus im südlichen Thüringen begleitet. Dort ist die Impfquote besonders niedrig, die Zahl der Impfgegner besonders hoch. Das erlebte das Team hautnah. Impfgegner belagerten den Bus, ein Spießrutenlauf für die wenigen Impfwilligen.

    Kosten tragen Versicherte und Steuerzahler

    Die enormen Kosten für Intensivbehandlungen und Impfkampagnen tragen die Versicherten und Steuerzahler. Krankenhaus-Chef Dr. Deerberg-Wittram hat noch ein anderes Problem, das ihn langfristig Geld kosten wird. Den hohen Krankenstand unter Mitarbeitern auf Covid-19-Intensivstationen, der sich in der vierten Welle jetzt zeigt.

    Es sei eben ein Unterschied, ob man sich um schwerkranke Patienten kümmere, die ohne ihr Zutun eine schwere Erkrankung bekommen hätten, oder ob "Sie auf einer Station arbeiten, wo ausnahmslos Menschen sind, die angebotene Schutzmaßnahmen wie eine Impfung nicht angenommen haben." Wenn die Patienten dann nicht einmal dankbar seien für die Hilfe, sei das für Kolleginnen und Kollegen belastend.

    Für den Krankenhausmanager ist es nicht nachvollziehbar, dass nach wie vor ein so großer Teil der Bevölkerung ungeimpft ist.

    "Wenn man auf eine Station schaut und sagt: Das sind eigentlich alles Fälle, die durch Impfung hätten vermieden werden können, dann ist das für die Kollegen eigentlich unerträglich." Dr. Deerberg-Wittram, Geschäftsführer der RoMed Kliniken

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!