Ein Angeklagter wartet in einem Bamberger Gericht auf den Prozessbeginn (Archivbild)
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Ein Angeklagter wartet in einem Bamberger Gericht auf den Prozessbeginn (Archivbild)

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    Coups mit Kunst und Gold: Aufsehenerregende Diebstähle in Bayern

    Coups mit Kunst und Gold: Aufsehenerregende Diebstähle in Bayern

    Sie wüteten mit Axt und Vorschlaghammer, nutzten einen SUV als Rammbock - oder schmuggelten Gold in der Hosentasche. In den vergangenen Jahrzehnten sorgten in Bayern bereits einige schwere Diebstähle für Schlagzeilen. Ein Rückblick.

    Der Diebstahl des millionenschweren Goldschatzes aus einem Kelten-Museum in Manching zieht immer weitere Kreise - und könnte ein Fall von historischem Ausmaß werden. Der erste seiner Art ist er jedoch nicht. Ein Rückblick auf kriminelle Coups, Kunstdiebstähle und gestohlenes Gold.

    Millionen aus Bankschließfächern in München geraubt

    Es klingt beinahe wie die Vorlage für einen Hollywood-Film: Mitten in München wurden zwischen Dezember 2017 und März 2018 bei einer großen Bank etwa 4,6 Millionen Euro aus Schließfächern gestohlen.

    Eine Angestellte der Bank soll gewusst haben, dass eine russische Kundin viel Geld in den Schließfächern lagerte. Laut Anklage erzählte die Mitarbeiterin dies ihrem Sohn, der dann mit einem Freund und möglichen weiteren Komplizen den Coup geplant haben soll - während ihnen die Mutter den Zutritt zum Tresorraum ermöglichte. Dass das Geld verschwunden war, fiel dagegen eher zufällig auf: Die Schließfächer waren aufgebrochen und nur noch mit Klebeband verschlossen.

    Der Prozess gegen das Trio startete Ende Oktober 2021 am Landgericht München I - und endete im März 2022 mit einem Freispruch der Angeklagten. Die Strafkammer fand keine ausreichenden Beweise gegen sie, wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung und der Merkur berichteten.

    Juwelier-Schaufenster mit SUV durchbrochen

    Ebenfalls filmreif lief der Einbruch in ein Bamberger Juweliergeschäft im Januar 2019 ab: Zwei Männer hatten mit einem Geländewagen die Scheibe des Ladens durchbrochen, die Vitrinen zerschlagen und mit weiteren Komplizen Uhren und Schmuck im Wert von mehr als 750.000 Euro gestohlen. Den Ermittlern zufolge brauchten sie dafür nicht einmal zwei Minuten, bevor sie sich mit der Beute in einem zweiten Wagen aus dem Staub machten.

    Im Laufe des Prozesses hatten beide schließlich gestanden, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Ende März 2021 wurden die Täter vor dem Landgericht Bamberg wegen schweren Bandendiebstahls zu fünf Jahren und sechs Monaten sowie vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Den Wert des Diebesgutes müssen sie ersetzen.

    Baselitz-Werke gestohlen, verkauft und geschreddert

    Aber auch vor Kunstwerken schreckten Diebe in der Vergangenheit in Bayern nicht zurück. Zwischen Juni 2015 und März 2016 wurden 19 Werke mehrerer Künstler, unter anderem von Georg Baselitz, aus einem Lager in Aschheim gestohlen - und anschließend weiterverkauft. Im Prozess wurde ihr Wert auf 1,8 Millionen Euro beziffert. Verurteilt wurden im Frühjahr 2018 ein damals 40-jähriger Mann aus Düsseldorf und ein 52-Jähriger aus Leverkusen, sie erhielten Haftstrafen von je drei Jahren.

    Ein zu diesem Zeitpunkt 26-Jähriger erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Beihilfe. Er hatte zugegeben, ein Baselitz-Werk, "Akt Elke", geschreddert zu haben. Die meisten anderen Kunstwerke wurden inzwischen zurückgegeben.

    Gestohlene Goldfäden - Schmuggel in der Hosentasche

    Wesentlich subtiler, am Ende jedoch erfolglos, versuchte es dagegen ein Dieb in Regensburg: Über Jahre hinweg hatte er feine Goldspäne in seiner Hosentasche aus den Produktionsräumen seines Arbeitgebers Osram in Regensburg geschmuggelt. So kamen insgesamt mindestens 68,4 Kilogramm zusammen. Der Wert des Materials beträgt laut Gericht 1,13 Millionen Euro. Davon hatte der Mann etwa 400.000 Euro für sich behalten - der Rest ging an einen Mittelsmann, der das Gold weiterverkaufte.

    Sein ehemaliger Arbeitgeber, der Leuchtmittelhersteller Osram, hatte gegen den Mann 2018 Anzeige erstattet. 2021 wurde er in Russland gefasst und nach Deutschland ausgeliefert. Im März 2022 wurde er schließlich zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

    Henri Nannen und der Volkacher "Madonnenraub"

    Etwas länger zurück liegt ein Diebstahl in Unterfranken - der jedoch bis heute in der Region für Gesprächsstoff sorgt. Vor 60 Jahren stahlen Diebe in Volkach die "Madonna im Rosenkranz" von Tilman Riemenschneider. Offenbar handelte es sich bei den Tätern aber um Kunstbanausen, die nicht wussten, was sie da gestohlen hatten. Denn als Riemenschneider-Werk war die Gottesmutter unverkäuflich - Kennern wäre sie sofort ins Auge gesprungen, wie ihnen ein Komplize nahelegte. Die Diebe spielten daraufhin mit dem Gedanken, die hölzerne Madonna zu verbrennen.

    Doch ausgerechnet der - heute umstrittene - Verleger Henri Nannen schaltete sich damals in den Fall ein. Er war studierter Kunsthistoriker und wusste sofort, dass es sich um ein wertvolles Kunstwerk handelte. Am 21. August 1962 erschien im "Stern" die Aufforderung "Gebt die Madonna von Volkach zurück!" Auch viele fränkische Blätter druckten den Appell: Den Dieben wurden Verschwiegenheit und ein Lösegeld von 100.000 Mark zugesichert.

    Als nichts geschah, drohte Nannen die Summe als Kopfgeld für die Täter zu verwenden. Daraufhin meldete sich ein Mann namens "Leininger" beim "Stern" und beschrieb auf Wunsch Einzelheiten des Bildwerks.

    Am 26. Oktober erhielten die Diebe die erste Hälfte des Lösegeldes, am 4. November schließlich in Großgründlach bei Nürnberg die zweite - im Austausch gegen die Holzfigur. Am 6. August 1963 - 364 Tage nach dem Raub - kam die Madonna wieder zurück nach Volkach - und die Diebe wurden am Ende dennoch zu langen Haftstrafen verurteilt, denn der Tipp eines Ex-Häftlings aus Bamberg brachte die Polizei Jahre später auf ihre Spur.

    Juwelenraub mit Axt und Vorschlaghammer

    Besonders brutal gingen dagegen fünf Männer im November 2014 in einem Juweliergeschäft in München vor: Sie überfielen den Laden, zertrümmerten mit Axt und Vorschlaghammer Vitrinen und raubten binnen 67 Sekunden Uhren sowie Schmuck im Wert von 818.000 Euro. Noch auf der Flucht wurden vier von ihnen jedoch gefasst, während ein weiterer Mann entkommen konnte.

    Das Münchner Landgericht verhängte im Prozess gegen die vier Angeklagten wegen besonders schweren Raubes teils Haftstrafen von bis zu siebeneinhalb Jahren.

    Goldbarren aus Transporter in Bayreuth gestohlen

    Stoff für einen Action-Thriller bot im vergangenen Mai auch ein Diebstahl in Bayreuth: Am helllichten Tag wurde dort ein Goldbarren im Wert von 800.000 Euro aus einem Transporter gestohlen. Eine Überwachungskamera zeigte, wie der oder die Unbekannte das Gold auf eine Sackkarre packte und anschließend flüchtete. Die Polizei und das LKA haben inzwischen eine Belohnung für Hinweise ausgelobt. Aufgeklärt werden konnte der Fall bisher nicht.

    Mit Informationen von dpa

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