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Der Vorabend des Teil-Lockdowns: Ein Abschied für vier Wochen | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/Frank Duenzl

Es war ein ruhiger Halloween-Abend und letzter Samstagabend vor dem Teil-Lockdown in Bayern. Die Polizei meldet, dass die Einsatzzentralen nur vereinzelt Anrufe wegen Ruhestörung bekommen haben. Viele nutzen den Abend für ein letztes Ausgehen.

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Der Vorabend des Teil-Lockdowns: Ein Abschied für vier Wochen

Es waren die letzten Stunden, bevor ab heute weite Teile des öffentlichen Lebens heruntergefahren werden, um dem Coronavirus Einhalt zu gebieten. Auch in der Nürnberger Innenstadt herrschte gestern Abschiedsstimmung.

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Von
  • Susanne Nüsslein
  • BR24 Redaktion

Nach Mitternacht begann er, der teilweise Lockdown in Bayern und Deutschland. Ab heute sind die meisten öffentlichen Orte in geschlossenen Räumen bis Ende des Monats dicht: Theater, Kinos, Schwimmbäder und natürlich auch Restaurants. Die Nürnberger Nicole und Oliver Dümpelmann begingen den Samstagabend bei ihrem Lieblingsitaliener in der Nürnberger Innenstadt mit einem viergängigen Menü. Sie sind Stammgäste.

Ist die Schließung der Restaurants gerecht?

Zwar sieht das Ehepaar den Lockdown als gerechtfertigt an, aber sie finden, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Gerade die Gastronomie werde benachteiligt, findet Oliver. Es sei nicht gerecht, dass die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln dicht an dicht stehen, aber die Gastronomie jetzt schließen müsse. Und das obwohl sie so viele Investitionen getätigt habe, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Restaurantbesitzer Alessandro Franco glaubt nicht, dass er sein Lokal in einem Monat wieder öffnen kann. Für ihn ist dieser zweite Lockdown noch schlimmer als der im Frühjahr. Schließlich mache er im Winter das Hauptgeschäft des Jahres. Er wisse noch nicht, wie er durchkomme, sagt er.

Auch Außenbereiche der Restaurants geschlossen

Nicht nur die Lokale waren an diesem Wochenende bis auf den letzten Platz ausgebucht. Auch der Außenbereich der Restaurants und Bars in der Nürnberger Altstadt war bei vielen Gästen beliebt. Sie saßen mit Decken und Winterstiefeln am beliebten Tiergärtnertorplatz unterhalb der Kaiserburg. Mit Schal und Mütze wird hier gerne Aperol Spritz getrunken.

Unter den Gästen ist auch eine Krankenschwester, die derzeit ihre Freunde nur noch im Außenbereich von Restaurants trifft – hier fühlt sie sich sicherer vor Corona. Sie glaubt, dass die Gastronomie wohl noch länger geschlossen bleiben wird. Und es überzeugt sie nicht, dass Bekleidungsgeschäfte und Friseure in den nächsten Wochen offen bleiben, aber die Nagelstudios und Restaurants schließen müssen. Schließlich kämen die Kunden einander in Bekleidungsgeschäften näher, als wenn sie im Außenbereich von Restaurants an getrennten Tischen stehen würden.

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Reaktionen von Bürgern zum Beschluss eines Teil-Lockdowns, der am Montag in Bayern beginnt.

Hoffnung auf Dezember

Auch im Gelben Haus ging der letzte Drink über die Theke. Barbetreiber Oliver Kirschner fordert mehr Respekt für die Arbeit der Gastronomie. Als zweiter Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes hat er kein Verständnis für die Zwangspause. Für ihn hat Hygiene höchstes Gebot. In der gut geführten Gastronomie und Hotellerie sei die Ansteckungsgefahr darum denkbar gering.

Er will die vierwöchige Zwangspause nutzen, um die Bar mit Raumluft-Filtergeräten auszustatten, die - so sagt er - 99 Prozent aller Schadstoffe – also auch Viren – herausfiltern. So hätten seine Gäste die größtmögliche Sicherheit.

Um kurz vor 21 Uhr fordert Kirscher seine Gäste dann zum letzten Mal auf auszutrinken und das Lokal zu verlassen. Diesmal nicht bis morgen, denn ein Wiedersehen gibt es frühestens im Dezember. Er hofft, dass die Politik die Anstrengungen der Gastronomie honoriert, damit seine Gäste nach dem Teil-Lockdown bald zurückkommen können.

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Die ab Montag geltenden neuen Corona-Maßnahmen werden nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) rund 591.000 Menschen ihren Job kosten. Zudem rechnet das IW mit Kosten von 19,3 Milliarden Euro für die Wirtschaft.

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