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Coronavirus: Schutzvisiere aus dem Kinderzimmer | BR24

© picture alliance/Nicolas Armer

Schüler Bastian Steinlein kontrolliert die Einstellungen seines 3D-Druckers, während der Drucker neue Halterungen für Faceshields anfertigt.

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    Coronavirus: Schutzvisiere aus dem Kinderzimmer

    Sogar in Kinder- und Jugendzimmern wird im Kampf gegen die Corona-Pandemie geholfen. In Oberfranken haben sich Schüler zusammengetan, um mit einem speziellen Verfahren Schutzvisiere herzustellen. Ärzte und Pfleger freut's.

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    Noch schlaftrunken schaltet Josias Neumüller jeden Morgen den Drucker in seinem Zimmer an. Wenn er zu rattern anfängt, riecht es leicht süßlich. Der Druckkopf fährt dann eine Hufeisenform ab, aus einer Düse kommt ein dünner Faden. Etwas mehr als eine Stunde dauert es, dann ist der 3D-Drucker fertig: Ein Kunststoff-Rahmen für den Kopf, in den eine durchsichtige Folie eingeklemmt wird. Die Schutzvisiere fürs Gesicht sollen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Krankenhäuser, Altenheime oder Pflegedienste brauchen sie.

    So viele Schutzvisiere wie möglich drucken

    Vom Aufstehen bis zum Schlafgehen: Der 17-Jährige will so viele Visiere drucken wie irgendwie möglich. Er habe längst den Überblick verloren, wie viele er schon gedruckt habe. Zwischen 80 und 120 sollen es sein. Das Drucken hat Neumüller in der Schule gelernt.

    Kulmbacher Gymnasium unterrichtet in 3D-Druck

    Am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach wird seit sechs Jahren 3D-Druck unterrichtet - als Wahlfach oder im Rahmen der Begabtenförderung. Eigentlich drucken die Schüler gerade eine Fräse, erzählt Physiklehrer Wolfgang Lormes. Doch dann kam die Corona-Krise, und Ärzte, Pfleger und Kliniken begannen, verzweifelt nach Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung zu suchen.

    13 Drucker rattern in der Kulmbacher Schule

    Seitdem sind der Lehrer und sechs Jugendliche im Dauereinsatz. Beziehungsweise ihre 13 3D-Drucker, die sie bei sich zu Hause aufgebaut haben. Manche Schüler hätten sich sogar selbst einen Drucker gekauft, sagt Lormes. Auch bei ihm daheim rattern fünf Stück.

    "Nach dem Aufstehen mache ich morgens erst die Kaffeemaschine und dann die Drucker an. Dann geht das halt wie beim Brezelnbacken." Wolfgang Lormes, Pfysiklehrer in Kulmbach

    Bis es soweit war, experimentierten die Schüler stundenlang. Anfangs hätten sie sich einfach eine Anleitung aus dem Internet geholt, sagt der Physiklehrer. Aber mit den ersten Prototypen hätte das Klinikum Kulmbach erst einmal wenig anfangen können: Das Visier müsse für den medizinischen Einsatz oben geschlossen sein, es brauche mehr Stabilität und genug Abstand für Brillenträger, so die Rückmeldung.

    Jeden Abend tauschen sich die Schüler über 3D-Druck aus

    "Wir haben uns viel darüber ausgetauscht, rumgetüftelt und neu konstruiert und überdacht", erzählt Schüler Bastian Steinlein. In Videokonferenzen, jeden Abend. Wie schnell soll der Drucker fahren? Bei welcher Temperatur? Bis auf einen halben Zehntelmillimeter müssen die Einstellungen passen.

    "Einfach machen und drucken - so leicht ist es halt doch nicht." Bastian Steinlein, Schüler

    Doch die Mühe lohnt sich: Mehr als tausend Visiere haben die Schüler schon kostenlos an Zahnärzte, Logopäden und das Klinikum Kulmbach geliefert. Aber nicht nur in Kulmbach laufen 3D-Drucker auf Hochtouren: Unter anderem auch die Hochschulen in Nürnberg, Regensburg, Coburg und Hof stellen ähnliche Gesichtsschilder mit dem Drucker her.

    Nicht viele Schulen sind für 3D-Druck ausgerüstet

    Einen Überblick über die Produktion haben nach eigenen Angaben weder das Kultus- noch das Wissenschaftsministerium. Warum werden die Bildungseinrichtungen nicht dazu aufgerufen, Gesichtsschilder zu drucken? Das Wissenschaftsministerium beruft sich auf die Freiheit der Wissenschaft. Es gebe nicht genug Schulen, die technisch dafür ausgerüstet seien, heißt es aus dem Kultusministerium.

    Bamberger Schulen drucken Schutzschilde für Altenheime

    Das Landratsamt Bamberg hat trotzdem alle Schulen angeschrieben - drei hätten sich gemeldet, teilte ein Sprecher mit. Die Koordination übernehme das Amt. Etwa 900 Masken habe man schon für Krankenhäuser, Altenheime, Pflegedienste und Arztpraxen gedruckt.

    "Vielleicht schützt es nur eine einzige Person, infiziert zu werden. Aber die eine Person ist es halt trotzdem." Bastian Steinlein, Schüler

    Man könne ohnehin nur so wenig tun, meint auch Josias Neumüller. Er wolle nicht nur herumsitzen, Abstand halten und Händewaschen. Es fühle sich immer alles so passiv an, findet der 17-Jährige. Da komme es gelegen, mit einer Sache helfen zu können, die einem auch noch Spaß mache.

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