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Coronavirus: Mehr Kontrollen nicht die richtige Lösung | BR24

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"Münchner Runde" am 29. Januar zum Coronavirus.

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Coronavirus: Mehr Kontrollen nicht die richtige Lösung

Sind wir auf Massen-Infektionen gut vorbereitet? Wie können wir uns vor einem Ausbreiten des Coronavirus schützen? Diese Fragen wurden in der Münchner Runde kontrovers diskutiert. Mehr Kontrollen seien jedenfalls nicht unbedingt die richtige Lösung.

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Knapp vier Wochen ist es her, seit Chinas Behörden erstmals die Welt über eine mysteriöse Lungenkrankheit informiert haben. Ausgehend von der Stadt Wuhan hat sich das Coronavirus ausgebreitet und nun auch Bayern erreicht.

Woher das Virus kommt, wie hoch die Ansteckungsgefahr ist und wie wir die globale Ausbreitung in den Griff bekommen - darüber diskutierten Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München, Andreas Zapf, der Leiter des Bayerischen Landesamts für Gesundheit, Anja Opitz, Expertin für Gesundheitspolitik und Eva Corell, die langjährige China-Korrespondentin der ARD.

Infektiologe warnt: "Temperaturkontrollen helfen uns nicht weiter"

Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München, kann die Ansteckungsgefahr einschätzen und gibt Entwarnung: Die Menschen in Bayern sollten sich keine Sorgen machen. Selbst für kleine Kinder und ältere Menschen gäbe es bisher keinen Grund zur Panik.

Auf der einen Seite lobt er die enorme Leistung des Krisenmanagements: Die Infizierten zu identifizieren und auf das Corona-Krankheitsbild zu testen, hätten sehr gut geklappt. Doch auf der anderen Seite kritisiert er schärfere Temperaturkontrollen an Flughäfen oder auch im klinischen Alltag. Sie könnten beim Entdecken von Corona-Fällen nicht helfen. Grund: Fieber sei beim Coronaviurs nicht unbedingt ein Symptom. Temperaturkontrollen würden deshalb im medizinischen Screening überhaupt nicht weiterhelfen.

"Jede gute Klinik ist gut beraten, einen Pandemie-Plan vorzuhalten. (…) Es ist schwer, die Symptome festzustellen, weil Fieber gar nicht unbedingt mit dabei ist." Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum rechts der Isar in München

Anstelle von Fieber seien vielmehr schwer erkennbare Atemwegssymptome für das Corona-Krankheitsbild typisch - deshalb sei es bei der ersten Anamnese auch schwierig, das Coronavirus zu entdecken.

Doch der Infektiologe hat auch eine gute Nachricht: Die Informationswege hätten sich international zwischen den Kliniken strukturell gebessert. Die Datenwege innerhalb Europas seien kürzer geworden. Bleibt die Frage, ob man auf den Daten aus China mit Vertrauen aufbauen kann.

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Die Verunsicherung in der Bevölkerung nehme zu, sagt Christoph Spinner, Infektiologe am Klinikum Rechts der Isar.

Können wir den Infos über das Coronavirus aus China trauen?

Die langjährige China-Korrespondentin der ARD, Eva Corell, kann diese Frage nicht mit einem klaren "Ja" beantworten. Schon vorhergegangene Krisen hätten gezeigt, dass die Menschen in China den dortigen Behörden nicht vertrauen würden. Grund: In China ist das oberste Propaganda-Gebot der Parteiführung "Stabilität".

Und die Regierung hat ein großes Interesse daran, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung die Kontrolle behält. Bis zu einer öffentlichen Erklärung vergeht gewohnheitsgemäß viel Zeit - das sei auch bei der SARS-Krise 2002 so gewesen. Das Versprechen der vollkommenen Transparenz und Offenheit nach der SARS-Krise hätte die Regierung nur zum Teil eingelöst.

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Seit SARS im Jahr 2002 hat sich die Informationspolitik in China verbessert, sagt Eva Corell, China-Expertin des Bayerischen Rundfunks. Doch sie bezweifelt, dass die chinesische Regierung die ganze Wahrheit preisgibt.

Sicherheitsexpertin kritisiert Intransparenz

Laut Anja Opitz von der Politischen Akademie Tutzing ist in der internationalen Politik jede Weitergabe von Information "interessengeleitet". Daher kritisiert Sie, dass wir auf die Echtheit der Informationen staatlicher Behörden Chinas angewiesen sind. Gerade, wenn es um die Ausbreitung des Coronavirus geht. Die Volksrepublik China könnte ein Interesse daran haben, die Ausbreitung herunterzuspielen.

Deshalb wird die Vernetzung nichtstaatlicher Organisationen, aber auch von Unternehmen wichtiger. Genau hier sieht sie großen Nachholbedarf: Firmen sollten ihre Sicherheitsdaten unbedingt um das Thema Gesundheit erweitern und genau angeben, welche Beschäftigten erkrankt sind. Sie fordert damit ein neues Mindset, damit wir in Gefahrenlagen globale Zusammenhänge besser erkennen. Aktuell beobachtet sie:

"Wir reagieren erst dann, wenn der Vorfall schon passiert ist." Anja Opitz, Sicherheitsexpertin der Politischen Akademie Tutzing

Bayerisches Landesamt für Gesundheit: "Mehr Kontrollen nicht sinnvoll"

Der Chef des Bayerischen Landesamts für Gesundheit, Andreas Zapf, sieht seine Behörde in einem Spagat: Auf der einen Seite habe man vier am Coronavirus Erkrankte, denen es rein klinisch gut gehe. Auf der anderen Seite wisse man aber nicht, wie sich das neue Virus weiterentwickele.

Mehr Kontrollen mit Temperaturmessgeräten am Flughafen seien auf jeden Fall nicht die Lösung, findet auch er - weil Fieber nicht als einziger Indikator gesehen werden kann. Er lobt die internationale Zusammenarbeit innerhalb Europas, durch der sich in den letzten Jahren der Informationsaustausch weiter verbessert hätte.

Der Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministerium hat nach der Sendung mitgeteilt, dass die Darstellung in der Sendung, die eingeladene Ministerin Huml „möchte“ nicht in die Sendung kommen, nicht zutrifft. Richtig sei, dass die Ministerin wegen der aktuellen Coronavirus-Lage zahlreiche dringende Verpflichtungen hatte und deshalb nicht selbst an der 45 - minütigen Talksendung „Münchner Runde“ teilnehmen konnte. Sie habe aber am selben Abend in der „Rundschau“ in einem Interview Fragen zum Thema Coronavirus beantwortet

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© Johannes Lenz, BR

Ob Deutschland im Fall einer Masseninfektion gut vorbereitet ist – darüber hat die Münchner Runde im BR Fernsehen diskutiert. Unter anderem wurde Kritik an der Politik laut.