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Coronavirus fordert viele Opfer in Bayerns Pflegeheimen | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Seniorenheime sind besonders stark vom Coronavirus betroffen

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    Coronavirus fordert viele Opfer in Bayerns Pflegeheimen

    Die Hälfte der bisherigen Corona-Toten in Deutschland lebte in Seniorenheimen. Das hat die Universität Bremen herausgefunden. Auch in Bayern infizierten sich viele Pflegeheim-Bewohner, etliche starben an den Folgen. Eine (unvollständige) Übersicht.

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    Menschen, die in Seniorenheimen leben, sind besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Das macht eine Studie der Universität Bremen deutlich: Die Hälfte aller bisherigen Corona-Toten bundesweit lebten in Senioren- und Pflegeheimen, und das, obwohl hier nur ein Prozent der Bevölkerung wohnt. In manchen Heimen starben überdurchschnittlich viele Menschen an den Folgen der Infektion. Im mittelfränkischen Langenzenn etwa waren es 26 Bewohner. Traurige Berühmtheit erlangte das Hans-Lilje-Heim im niedersächsischen Wolfsburg. Dort starben über 40 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Aber auch mehrere Heime in Bayern hatten während der ersten Corona-Welle viele Tote zu beklagen.

    Pflegekräfte in der Altenpflege besonders häufig an Corona erkrankt

    Fehlende Pflegekräfte waren zudem eine besondere Herausforderung. Die AOK Bayern hat die Krankmeldungsdaten zwischen März und Mai 2020 ausgewertet: Von jeweils 100.000 Beschäftigten in der Altenpflege waren 1.760 Pflegekräfte mit einer Corona-Diagnose krankgeschrieben. Mehr waren es nur in der Gesundheits- und Krankenpflege mit 1.916 Krankschreibungen. Hier ein Überblick über die Corona-Brennpunkte in Seniorenheimen in Bayern.

    Würzburg: Gleich zwei Seniorenheime von Infektionen betroffen

    Würzburg: In der unterfränkischen Bezirkshauptstadt sind gleich zwei Seniorenheime von Corona-Infektionen betroffen. Im Heim St. Nikolaus, einer Einrichtung des Würzburger Bürgerspitals, sterben 25 Bewohnerinnen und Bewohner an den Folgen, in einem AWO-Seniorenheim sind es 19. Die Staatsanwaltschaft Würzburg leitet daraufhin Vorermittlungen ein, jedoch ohne Ergebnis. Konkrete Vorwürfe könnten weder einzelnen Personen noch der Heimleitung gemacht werden, teilt ein Sprecher mit. Allerdings habe es Engpässe beim Pflegepersonal gegeben. Im Juli 2020 werden mehr als 200 Bewohner und Mitarbeiter des Nikolausheims noch einmal auf das Coronavirus getestet, nachdem sich ein Bewohner womöglich erneut infiziert hatte. Die Tests verlaufen alle negativ.

    Langenzenn: Mitarbeiter beklagen Hygienemängel

    Langenzenn, Cadolzburg, Roßtal: Im AWO-Seniorenheim in Langenzenn (Lkr. Fürth) sterben 26 Bewohnerinnen und Bewohner an den Folgen des Virus. Weil sich auch 43 Mitarbeiter infiziert haben, muss die Heimleitung innerhalb kürzester Zeit Leiharbeiter einsetzen. Mitarbeiter berichten dem BR im Mai 2020 von massiven Hygieneverstößen. Die Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth kann aber keinen kausalen Zusammenhang zwischen Hygienemängeln und Todesfällen feststellen. Sie sind inzwischen eingestellt. Eine ehemalige Pflegekraft berichtet dem BR auch von Hygieneverstößen vor der Coronakrise. Sie habe mehrfach erlebt, dass Mitarbeiter volle Windeln in den Betten der Bewohner vergaßen. Auch in den AWO-Seniorenheimen in Cadolzburg und Roßtal sterben Menschen am oder mit dem Virus. In Cadolzburg sind es acht, in Roßtal sieben.

    Aichach: Polizei durchsucht Heim nach Todesfällen

    Aichach: Im Seniorenheim der AWO Schwaben in Aichach (Lkr. Aichach-Friedberg) sterben 17 Bewohner an den Folgen einer Corona-Infektion. Anfang Juli durchsucht die Polizei das Heim und stellt Kranken- und Pflegeunterlagen sicher. Der Angehörige eines verstorbenen und infizierten Bewohners hatte Anzeige erstattet. Daraufhin leitet die Staatsanwaltschaft Augsburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung oder fahrlässigen Tötung ein. Die Ermittlungen laufen noch.

    Schliersee: Bundeswehr hält Betrieb in Seniorenresidenz aufrecht

    Schliersee: In einer Seniorenresidenz am Schliersee (Lkr. Miesbach) kann der Betrieb zeitweilig nur mit Hilfe der Bundeswehr aufrechterhalten werden. 18 Bewohner und sieben Mitarbeiter haben sich mit Sars-CoV2 infiziert. Drei Bewohner und eine Pflegekraft sterben. Träger des Seniorenheims ist die italienische Pflegefirma "Sereni Orizzonti". Sie setzt im Mai 2020 eine neue Heim- und eine neue Pflegeleitung ein. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt. Das Landratsamt Miesbach hatte Anzeige erstattet, nachdem verschiedene Missstände aufgefallen waren.

    Bad Steben: 17 Menschen sterben nach Corona-Infektion

    Bad Steben: In einem Seniorenwohnpark der Diakonie in Bad Steben (Lkr. Hof) sind im April 2020 ein Drittel der 60 Bewohnerinnen und Bewohner infiziert, ebenso wie mindestens 19 Mitarbeiter. 17 Menschen sterben an den Folgen der Infektion. In der benachbarten Humboldt-Klinik haben sich 18 Patienten infiziert.

    Arzberg: Pflegeheim muss geräumt werden

    Arzberg: Das Alten- und Pflegeheim "Löwenzahn" in Arzberg (Lkr. Wunsiedel) muss im April 2020 geräumt werden, nachdem sich mehr als die Hälfte der 30 Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert hat. Acht Senioren stecken sich an und kommen ins Klinikum Fichtelgebirge in Selb. Eine Frau stirbt dort an den Folgen.

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