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Coronavirus-Fall: 33-Jähriger aus Landkreis Landsberg in Klinik | BR24

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Coronavirus-Fall: 33-Jähriger aus Landkreis Landsberg betroffen

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Coronavirus-Fall: 33-Jähriger aus Landkreis Landsberg in Klinik

Bei dem ersten Coronavirus-Patienten in Deutschland handelt es sich um einen 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg, der von einer Kollegin aus China angesteckt wurde. Die bayerischen Gesundheitsbehörden überprüfen nun 40 Kontaktpersonen.

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Der mit dem neuen Coronavirus infizierte Mann in Bayern ist im Klinikum München-Schwabing isoliert und wird dort behandelt. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte in München, dem Patienten gehe es sehr gut.

Die Behörden nähmen die Lage sehr ernst, "aber wir sind auch gut vorbereitet", betonte Huml. Derzeit werde versucht, die Kontaktpersonen des Mannes zu finden. Diese Suche, vor allem im familiären Umfeld, laufe auf Hochtouren.

Ansteckung durch Kollegin aus China

Laut dem Präsidenten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, hatte der 33-jährige Mitarbeiter einer Firma im Landkreis Starnberg vor einer Woche an einer Schulung teilgenommen, bei der auch eine Kollegin aus dem Werk des Unternehmens in Shanghai gewesen war. Die Frau habe vor ihrer Reise nach Bayern Besuch von ihren Eltern aus der Region Wuhan gehabt, die besonders vom Coronavirus betroffen ist.

Die Frau habe zum Zeitpunkt der Schulung keine Symptome gezeigt, erst auf dem Rückflug nach China. Zapf betonte, dieser Punkt sei neu: Dass das Virus weitergegeben werde, bevor der Träger selbst Symptome zeige. Man wolle die Menschen sensibilisieren, aber keine Panik hervorrufen. Angesichts der heranrollenden Influenza-Welle sei das sehr wichtig. Gesundheitsministerin Huml sagte, bislang laufe alles auf die Region Wuhan zurück. Die Bevölkerung in Bayern sei nicht gefährdet, soweit sie keinen Kontakt in die Region Wuhan habe.

Chinesin ebenfalls in ärztlicher Behandlung

Der Mitarbeiter, der im Landkreis Landsberg am Lech lebe, habe sich am Wochenende "grippig" gefühlt, schilderte Zapf. Am Montag sei es ihm aber besser gegangen, und er sei zur Arbeit erschienen.

Der 33-Jährige arbeitet beim Automobilzulieferer Webasto, wie das Unternehmen mitteilte. Die Chinesin sei vergangene Woche in der Zentrale in Stockdorf zu Gast gewesen. Nach ihrer Rückkehr sei sie positiv auf den Coronavirus getestet worden und befinde sich ebenfalls stationär in ärztlicher Behandlung.

Chefarzt: Patient ist fieberfrei

Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing, berichtete, er habe den Patienten heute bei der Visite gesehen. Er sei fieberfrei und habe "keine Atemwegs-Symptomatik mehr". Der Mediziner fügte hinzu: "Er ist wach, ansprechbar." Für Mitpatienten bestehe keine Gefahr, versicherte Wendtner. Der Mann sei in einem Isolationszimmer mit einer Schleuse untergebracht. Der Chefarzt rechnet mit einer relativ zügigen Entlassung des Patienten. Der genaue Zeitpunkt sei noch offen.

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Clemens Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing

Bisher keine weiteren Verdachtsfälle

Vorrangig für die Gesundheitsbehörden ist es laut dem LGL-Präsidenten jetzt, die Kontaktpersonen des erkrankten Mannes ausfindig zu machen. Dazu gehört vor allem das familiäre Umfeld des 33-Jährigen. Weitere Verdachtsfälle gebe es bisher nicht. Enge Kontaktpersonen des Mannes sind aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

Wie der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, erläuterte, überprüfen die bayerischen Behörden 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie. "Die Zahl kann noch steigen," fügte er hinzu. Hoch betonte zugleich, die Gefahr, sich per Tröpfcheninfektion anzustecken, bestehe erst bei einem längeren Face-to-Face-Kontakt, also bei einem ungefähr 15-minütigen Gespräch. Die üblichen Maßnahmen seien empfehlenswert: sich die Hände zu waschen und von sichtlich Kranken Abstand zu halten.

Kinderkrippe bleibt geöffnet

Die Kinderkrippe in Landsberg am Lech, in der das Kind des 33-Jährigen betreut ist, bleibt vorerst geöffnet. "Wir sehen derzeit keine Veranlassung dazu, die Krippe zu schließen", sagte ein Sprecher des dortigen Landratsamts. "Weder die Frau noch das Kind des Patienten sind bisher erkrankt." Die Eltern der betroffenen Einrichtung seien nicht eigens informiert worden, sagte der Sprecher. "Das ändert sich natürlich, wenn das Kind doch noch krank wird."

Bürgertelefon eingerichtet

Laut bayerischem Gesundheitsministerium wurde für besorgte Bürger eine Coronavirus-Hotline eingerichtet. Das Bürgertelefon ist unter 09131 / 6808 5101 erreichbar. Informationen sind zudem auf der Internetseite www.coronavirus.bayern.de zu finden.

Laut Ministerin Huml beraten die bayerischen Behörden mit dem Bund über weitere Maßnahmen. So werde derzeit geprüft, ob Fiebermessstationen an den Flughäfen aufgebaut werden sollen. Hierzu sei aber noch keine Entscheidung gefallen

Wohl erste Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin handelt es sich bei dem Coronavirus-Fall in Bayern offenbar um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens. Bislang sei außerhalb des Ursprungslands China nur eine Übertragung von Mensch zu Mensch in Vietnam nachgewiesen worden, sagte eine RKI-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP.

Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der "Task Force Infektiologie" des LGL und vom Robert Koch-Institut derzeit als gering erachtet.

Webasto: Keine weiterer Corona-Fall

Der Autozulieferer Webasto hat derweil den Mitarbeitern am Standort Stockdorf freigestellt, diese Woche im Homeoffice zu arbeiten. Zudem sagte das Unternehmen alle Reisen nach und von China für mindestens zwei Wochen ab. "Die Gesundheit und der Schutz der Mitarbeiter stehen für uns an erster Stelle", teilte Webasto mit.

Laut einer Unternehmenssprecherin sind derzeit keine Kollegen aus China mehr zu Gast. Die drei Chinesen, die vergangene Woche an der Schulung teilgenommen hätten, seien vergangenen Donnerstag nach China zurückgereist. Bei zwei der drei Mitarbeiter seien bisher keine Krankheitssymptome bekannt.

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Statement Webasto

Spahn will Meldeplficht bei begründeten Verdachtsfällen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will angesichts des ersten Falls in Deutschland die Meldepflicht für Coronavirus-Erkrankungen per Eilverordnung senken. Krankenhäuser sollten bereits begründete Verdachtsfälle weitergeben, sagt Spahn. Bislang gelte die Meldepflicht erst bei bestätigten Fällen.

Zudem sollten Piloten und Pilotinnen bei Flügen aus China bei der Landung über den Gesundheitszustand der Passagiere informieren. Die Fluggäste sollten Formulare mit ihren Kontaktdaten ausfüllen, damit sie im Notfall erreichbar seien. Die Airlines sollten diese 30 Tage vorhalten. Dies trete binnen von 24 Stunden in Kraft. Die Situation werde aufmerksam und ernsthaft, aber auch gelassen verfolgt. "Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund."

Sondersendung im BR Fernsehen

Das Bayerische Fernsehen informiert am Abend mit einer Sondersendung über die jüngsten Entwicklungen: Von 19.00 bis 19.30 Uhr ist ein "Gesundheit! Spezial" mit dem Titel "Coronavirus in Bayern – Wie groß ist die Gefahr wirklich?" zu sehen.

(mit Material von dpa, AFP und Reuters)

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