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Coronavirus: "Einschneidende Maßnahmen" auch in Bayern möglich | BR24

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Die Abschottung ganzer Städte wegen des Coronavirus wie jetzt in Italien darf aus Sicht von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml nur die Ultima Ratio sein. Einscheidende Maßnahmen seien aber schon möglich.

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Coronavirus: "Einschneidende Maßnahmen" auch in Bayern möglich

Die Abschottung ganzer Städte wegen des Coronavirus wie jetzt in Italien darf aus Sicht von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml nur die Ultima Ratio sein. "Einschneidende Maßnahmen" seien aber auf jeden Fall möglich.

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Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sieht Notmaßnahmen, wie sie Italien gegen das Coronavirus ergreift, als "Ultima Ratio". Ganze Städte zu Sperrgebieten zu machen, sei der letzte Ausweg, so die Ministerin: "Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden."

Oberste Priorität habe immer der Schutz der Bevölkerung, so Huml. Deshalb könne es auch in Bayern "einschneidende Maßnahmen" geben, um eine großflächige Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Wichtig sei dabei aber, immer im konkreten Einzelfall zu entscheiden und mit Augenmaß vorzugehen.

Bei einem Treffen der Gesundheitsminister aus Deutschland, Italien, Österreich, Slowenien, Frankreich, Kroatien und der Schweiz am Dienstag in Rom lehnten die Teilnehmer Reisesperren zum jetzigen Zeitpunkt als "unverhältnismäßig" ab.

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Das Coronavirus ist in Bayern ein Thema, aber bei weitem noch kein Angstmacher. Doch was ist, wenn die Zahlen plötzlich schnell ansteigen?

Experten-Treffen: Staatsregierung setzt auf Aufklärung

Zu der Coronavirus-Lage in Italien gab es am Dienstag im Gesundheitsministerium in München ein Gespräch mit Ärzteverbänden und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Besprochen wurden dabei unter anderem Details für das Vorgehen im Fall möglicher Infektionen von Reisenden, die aus Italien zurückkehren. Dieser Personenkreis wird zudem gezielt informiert.

"Wir müssen jetzt alles daran setzen, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen. Wichtig ist zunächst zu klären, ob überhaupt ein begründeter Verdachtsfall vorliegt." Gesundheitsministerin Melanie Huml

Wer befürchtet erkrankt zu sein, sollte sich telefonisch an den Hausarzt wenden. Ein begründeter Verdachtsfall besteht bei Personen, die Symptome haben und sich vorher in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Wer in Italien mit einem Coronavirus-Erkrankten persönlichen Kontakt hatte, sollte sich umgehend an sein Gesundheitsamt wenden.

Huml sieht Bayerns Kliniken gerüstet

Die Gesundheitsministerin verwies darauf, dass die bayerischen Krankenhäuser auf mögliche Krankheitsfälle vorbereitet sind.

"Bayerns Krankenhäuser stellen sich auf die Versorgung stationär behandlungsbedürftiger Patienten ein und halten im Rahmen ihrer Kapazitäten entsprechende qualifizierte Versorgungangebote vor." Gesundheitsministerin Melanie Huml
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"Wir müssen jetzt alles daran setzen, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen", sagt Bayerns Gesundheitsministerin Huml.

Todesfälle in Italien: Virus nah an Bayern herangerückt

Bereits gestern hatte die stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Ruth Waldmann (SPD), die Staatsregierung aufgefordert, über geplante Notfallmaßnahmen im Falle von verstärkt auftretenden Corona-Infektionen zu informieren. Diese Information sei nötig, um einer Beunruhigung der Bevölkerung vorzubeugen, so Waldmann im BR-Interview. Mit den Todesfällen und den vielen Infektionen in Italien sei das Virus nah an Bayern herangerückt. Mittlerweile gibt es auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Fälle von Corona-Infektionen. Experten gehen davon aus, dass es weitere Fälle in Deutschland gibt, die bisher noch unentdeckt sind.

SPD fordert Informationen von Staatsregierung

Insbesondere fordert Waldmann, Informationen über konkrete Notfallpläne: Wann müsse zum Beispiel ein Zug gestoppt werden, oder was haben die Gesundheitsämter vor? "Worauf muss sich die Bevölkerung einstellen? Wie ist das mit der häuslichen Quarantäne, einer Art Hausarrest, was muss man da beachten, sind die Familienmitglieder genügend geschützt?" Es seien drastische Maßnahmen, so Waldmann, "wenn Menschen in häusliche Quarantäne geschickt werden müssten und Schulen geschlossen werden."

RKI-Präsident: Versorgung in Quarantäne-Gebieten "sehr schwierig"

Der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler warnte im ZDF derweil davor, ganze Ortschaften in Quarantäne zu nehmen. Er könne sich das in Deutschland nicht vorstellen, denn die Menschen müssten dann mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden und bräuchten auch Ärzte, die sich um sie kümmern. In einem Quarantänegebiet sei das sehr schwierig.

Viele Ärzte seien hierzulande aber aufmerksam und würden rechtzeitig Tests auf das neuartige Coronavirus veranlassen. Sobald ein Fall entdeckt werde, würden möglichst schnell die Kontaktpersonen untersucht. So sei es in Bayern gelungen, den Ausbruch der Krankheit einzudämmen. Im Freistaat gab es 14 der bislang 16 deutschen Coronavirus-Patienten.

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