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Coronavirus: Debatte um Schulschließungen in ganz Bayern | BR24

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Die Kritik an der Informationspolitik des Kultusministeriums hört nicht auf. Minister Piazolo weist das zurück.

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Coronavirus: Debatte um Schulschließungen in ganz Bayern

Die Coronavirus-Ausbreitung in Bayern hat zur vorsorglichen Schließung Dutzender Schulen geführt. Sollten nicht gleich alle für eine gewisse Zeit geschlossen werden? Darüber gebe es täglich intensive Diskussionen mit Experten, so der Kultusminister.

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Von Amts wegen muss Frank Meyer neugierig sein. Der Leiter der Kerschensteiner Grundschule in Schweinfurt und seine Lehrerkollegen versuchen herauszufinden, ob Schüler in Südtirol im Skiurlaub waren. Das sei schwierig, denn manche Kinder wüssten gar nicht genau, wo sie im Urlaub waren, ob nun in Österreich oder in Südtirol, sagt Meyer. "Im Zweifelsfall fragen wir bei den Eltern nochmal nach."

Südtirol gilt als eines der Corona-Risikogebiete. Wer in den Faschingsferien dort war, muss 14 Tage lang zuhause bleiben. Diese Regelung verkündete die Staatsregierung am Samstag. Inzwischen mussten Dutzende der rund 6.000 Schulen in Bayern wegen Coronaverdachts geschlossen werden.

Debatte um Schulschließungen in ganz Bayern

Ob alle Schulen dichtgemacht werden, hänge von der Einschätzung der Mediziner und Gesundheitsämter ab, sagt Kultusminister Michael Piazolo.

"Ratschläge von Medizinern sind immer so oder so. Bei denjenigen, die für uns zuständig sind, heißt es im Moment: nicht notwendig. Aber hier gibt es täglich intensive Diskussionen und man muss täglich eine Bewertung vornehmen." Kultusminister Michael Piazolo

Doch es gibt auch Kritik an dieser Vorgehensweise: Der Nürnberger Kinderarzt Dr. Michael Kandler hatte mit Kollegen im Gesundheitsministerium eine komplette Schulschließung im ganzen Freistaat angeregt, war damit aber nicht durchgedrungen:

"Von meinem Gefühl her hätte ich gesagt, es wäre gut gewesen, die Frühjahrsferien zu verlängern, um einfach in der Phase, in der wir alle noch nicht vorbereitet sind, eine möglichst große Kontaktsperre zu haben. Jetzt machen wir eine Einzelfallprüfung mit einzelnen Schulschließungen. Das ist Hinterherrennen, bei dem ich große Zweifel habe, das es nützt." Kinderarzt Dr. Michael Kandler

SPD fordert Notfallplan

Die bayerische SPD fordert einen Notfallplan vom Kultusministerium. Vor allem im Hinblick auf das Abitur, das Ende April beginnen soll. Haben alle Schüler die gleichen Voraussetzungen in Prüfungen mit zentral gestellten Aufgaben, wenn einige von ihnen wochenlang keinen Unterricht bekommen haben? Kultusminister Michael Piazolo sagt, eine Verschiebung des Abiturs stehe noch nicht zur Debatte:

"Wir haben in den Lehrplänen entsprechende Flexibilität. Ich erinnere an das sogenannte Schneechaos im letzten Jahr. Damals waren manche Schulen auch eine oder gar zwei Wochen geschlossen. Das gibt der Lehrplan durchaus her. Wenn allerdings Schulen länger geschlossen sind, wird man darüber nachdenken, wie man Stoff nachholen kann - vielleicht auch online. Ebenso, wie wir bei Prüfungen reagieren. Da müssen wir dann gegebenenfalls von Tag zu Tag nachsteuern." Kultusminister Michael Piazolo

Lehrerverband mahnt zu Gelassenheit

Zu Gelassenheit ruft auch Simone Fleischmann, Präsidentin der Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, auf.

"Wenn es um Abschlüsse geht, ist es wichtig, dass wir nicht zum Nachteil der Kinder agieren. Voll d'accord. Andererseits muss ich auch sagen, dass wenn jetzt mal in einer Krisensituation Unterricht für 14 Tage ausfällt, dann geht die Welt nicht unter. Das heißt überhaupt nicht, dass ich Unterricht nicht wichtig finde oder dass ich dazu motiviere, zuhause zu bleiben: Nein. Aber wir werden das hinbekommen." Simone Fleischmann, Präsidentin der Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes
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Die Ausbreitung des Coronavirus in Bayern hat zur vorsorglichen Schließung einiger Schulen geführt. Was bedeutet das vor allem für die Schüler?