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Coronavirus: Bürgermeisterkandidat unter Quarantäne | BR24

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    Coronavirus: Bürgermeisterkandidat unter Quarantäne

    Ein Bürgermeisterkandidat unter Quarantäne, zwei abgesagte Messen und eine Bilanz-Pressekonferenz, die ins Netz verlegt wird: Die Auswirkungen des Coronavirus werden auch in Bayern fühlbar. Die Lage am Nachmittag.

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    Von
    • Michael Kubitza

    22 - seit Donnerstag gerechnet - neue Fälle von Coronainfektionen sind in Bayern bekannt, die meisten in Oberbayern und Schwaben. Zuletzt wurde ein Erkrankungsfall im niederbayerischen Vilshofen bestätigt. Die Stadt Vilshofen bestätigte dem BR, dass es mögliche Kontakte in die Kindergärten St. Raphael und St. Benedikt im Stadtteil Alkofen gibt. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bleiben diese beiden Einrichtungen bis einschließlich Donnerstag geschlossen.

    Inzwischen hat das Virus auch eine erste Auswirkung auf den bayerischen Kommunalwahlkampf. Die CSU Au in der Hallertau hat drei noch ausstehende Veranstaltungen abgesagt. Vier Teilnehmer stehen aktuell vorsichtshalber unter häuslicher Quarantäne, darunter auch Bürgermeisterkandidat Michael Hillebrand.

    Dem BR berichtete er, es gehe ihm aktuell gut; das Ergebnis seines Tests soll er heute noch erfahren. Hillebrand war kürzlich bei einer politischen Veranstaltung einem Mann gegenüber gesessen, der am Wochenende als infiziert ins Krankenhaus Freising eingewiesen worden ist. Darauf habe ihn das Gesundheitsamt kontaktiert und unter häusliche Quarantäne gestellt.

    Freising: Eingeschränkter Parteiverkehr bei den Behörden

    Der Landkreis Freising ist derzeit relativ stark betroffen - sieben von 21 neuen Coronafällen sind hier aufgetreten. Die Stadt meldet zudem einen "Corona-Verdachtsfall im städtischen Umfeld", weshalb der Parteiverkehr in den Ämtern an der Amtsgerichtsgasse teilweise, bei den Stadtwerken vollständig eingestellt wird.

    Telefonhotlines für Freising und München

    Das Landratsamt Freising hat eine Informationshotline geschlaltet, die allerdings nur von 10 bis 15 Uhr besetzt ist. Die Nummer: 08161/600601. Ein Bürgertelefon hat seit gestern die Stadt München unter (089) 233-44740 geschaltet. Weitere Hotlines gibt es in Mittelfranken

    Zwei Messen und ein Sportevent abgesagt

    Wie die Leipziger Buchmesse sind auch in Bayern zwei wichtige Branchentreffen abgesagt worden: Bereits gestern die Internationale Handwerksmesse (IHM) in München, heute die Schleiftechnikmesse Grindtec in Augsburg. Sie wäre wohl eine Rekordveranstaltung geworden - jetzt haben die Veranstalter den Stoppknopf gedrückt, weil viele Firmen ihre Mitarbeiter nicht mehr auf Dienstreise schicken wollen und viele Teilnehmer aus Fernost oder Frankreich und Italien zur Schleiftechnikmesse gekommen wären. Für den Standort Augsburg ist die Grindtec wichtig: Viele Zulieferer und das Hotel- und Gastronomiegewerbe haben die Grindtec als festen Posten im Kalender, 30 Millionen "Umwegrentabilität" werden seitens der Messe genannt.

    In Weiden ist ein für den 26. April geplanter Tanz-Wettbewerb in den Oktober verschoben worden. Zu dem "Dance your Style"-Turnier im Weidener Jugendzentrum "JuZ" wären rund 400 Tänzer aus ganz Deutschland nach Weiden gekommen.

    Veranstaltungsabsagen: Was kommt als nächstes?

    Auch über anderen Großveranstaltungen hängt das Damoklesschwert Covid 19 - in München etwa über der Fußball-EM und dem Oktoberfest. , Dieter Reiter (SPD) Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, verlangte rasch konkrete Beurteilungskriterien für Großveranstaltungen. Bisher gebe es nur eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums, internationale Großmessen abzusagen.

    "Ich bin mir hier mit dem Deutschen Städtetag völlig einig, dass wir schnellsten einheitliche Standards brauchen, um verantwortungsvolle Entscheidungen treffen zu können." Dieter Reiter

    Wirtschaft: Handwerkspräsident fordert Rettungsschirm für betroffene Betriebe

    Die bayerische Wirtschaft reagiert inzwischen auf Ratschläge der Experten, aufschiebbare Auslandsreisen zu überdenken und Home-Office-Möglichkeiten auszuloten. Das gilt nicht nur für Autobauer und Konzerne. Die Firma Taktomat im schwäbischen Pöttmes etwa, ein klassischer Mittelständler, der in China produziert, hat Mitarbeiter aus dem Ausland zurückgeholt. Die Firma DMG Conti in Pfronten (Allgäu) kann nach einem Covis-19-Fall am Samstag ihre Tore wieder aufsperren

    Der Präsident des Bayerischen Handwerkstags, Franz Xaver Peteranderl, drängt nach der Absage der IHM auf ein "Signal von der Politik". Wenn  sich das Corona-Virus weiter ausbreite, könnten die Folgen für Betriebe "gravierend" sein, sagte Peteranderl dem Bayerischen Rundfunk. Etwa wenn man daran denke, dass ganze Belegschaften von Handwerksbetrieben unter Quarantäne gestellt werden könnten. Auch Lieferketten könnten beeinträchtigt werden.

    "Wir sind derzeit mit der bayerischen Staatsregierung im Gespräch, auch mit der Bundesregierung, dass wir hier so eine Art Rettungsschirm wieder für Unternehmen, die in Liquiditätsschwierigkeiten kommen, aufspannen, damit langfristig diese Betriebe lebens- und leistungsfähig sind"

    CSU-Chef Markus Söder sagte der Wirtschaft zu, im Koalitionsausschuss am Sonntag über einen ökonomischen Notfall- und Vorsorgeplan für den weiteren Verlauf dieses Jahres zu reden.

    Weitere Wirtschaftsnachrichten zu Corona aus Bayern

    *BMW hat beim Februarabsatz in China eine deutliche Delle verspürt, so BMW-Chef Oliver Zipse am Dienstag in München in einer Telefonkonferenz. Außerhalb des Landes sehe er jedoch keine Auswirkungen auf den Absatz. Auch die Produktion ist kurzfristig unbeeinträchtigt. Ob die Lieferketten - auch im Hinblick auf chinesische Standorte weiter stabil blieben, ließe sich erst in einigen Wochen sagen.

    *Der Chemiekonzern Wacker - größter Arbeitgeber der Chemieindusrie in Bayern - untersagt aufgrund der aktuellen Coronavirus-Lage Dienstreisen von und nach China, Südkorea und Italien. Sollten MitarbeiterInnen privat in betroffenen Regionen unterwegs gewesen sein, müssen diese laut Bachmair anschließend einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Darin wird abgefragt, ob sie in einer betroffenen Region waren, Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten und ob sie gesundheitliche Probleme haben. Insgesamt beschäftigt der Chemiekonzern weltweit rund 14.500 MitarbeiterInnen, davon 8.100 am Standort in Burghausen

    *ProSiebenSat.1-Chef Max Conze und sein Finanzvorstand Rainer Beaujean müssen nach einem Coronavirus-Fall im Konzern von zu Hause aus arbeiten. Eine geplante Bilanz-Pressekonferenz in Unterföhring wurde abgesagt, die Zahlen sollen per Webcast im Internet präsentiert werden.

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