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Coronavirus: Berchtesgadener Land setzt auf Abwasser-Analysen | BR24

© BR/ Theresa Krinninger

Das Klärwerk in Berchtesgaden ist eine von zehn Entnahmestellen im Berchtesgadener Land.

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    Coronavirus: Berchtesgadener Land setzt auf Abwasser-Analysen

    Um neue Corona-Hotspots besser und schneller zu erkennen, untersuchen Forscher das Abwasser. Erste Ergebnisse aus den Abwasser-Monitoring im Berchtesgadener Land sind vielversprechend.

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    Von
    • Theresa Krinninger

    An zehn Entnahmestellen werden seit Anfang Dezember 2020 zwei Mal wöchentlich Abwasser-Proben entnommen. Erste Ergebnisse seien schon nach wenigen Wochen vielversprechend gewesen, sagte der Projektleiter an der TU München, Jörg Drewes. Die regelmäßige Überwachung zeige, ob die Zahl der Infizierten in den Gemeinden steige oder falle und das mit einigen Tagen Vorsprung, bevor sich Menschen testen ließen und die Fallzahlen an die Gesundheitsbehörden übermittelt werden.

    Krisenstab nutzt Ergebnisse bei der Pandemie-Bekämpfung

    Auf BR-Anfrage gab das Landratsamt bekannt, dass das Gesundheitsamt und der Krisenstab die Informationen der Abwasser-Analysen bereits genutzt haben, um in der betroffenen Gemeinde zeitnah Schnelltests in Einrichtungen und Unternehmen durchzuführen.

    Abwasser enthält Infos über den Gesundheitszustand der Bewohner

    Das Abwasser steckt voller Informationen über den Gesundheitszustand der Menschen. Für Coronaviren gilt: Viele mit Corona infizierte Menschen, aber nicht alle, scheiden Fragmente des Virus mit dem Stuhl aus. Die Viren können auch im Abwasser noch aktiv sein, müssen aber nicht, in jedem Fall sind sie nachweisbar. Diese Informationen nutzen Forscher inzwischen weltweit, um rechtzeitig vor Coronaviren warnen zu können. In Deutschland arbeiten verschiedene Forschergruppen etwa in Aachen und Frankfurt am gleichen Thema.

    Pilotprojekt in der Hotspot-Region

    Das Berchtesgadener Land, das bis vor kurzem einen Inzidenzwert von mehr als 200 Neuinfektionen pro Woche verzeichnete, spielt eine besondere Rolle. Erstmals würden damit in Deutschland flächendeckend zumindest Abwasserproben analysiert, teilte das Landratsamt mit. Beteiligt an dem Projekt sind auch das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe und Epidemiologen der Bundeswehr.

    Nach knapp zwei Monaten Projektlaufzeit sollen die Vorhersagen noch genauer werden. Dafür haben Projektmitarbeiter der TU München das Abwasser an zwei Entnahmestellen im Landkreis innerhalb von 24 Stunden im Zehn-Minuten-Intervallen beprobt. "Wir wollen noch besser verstehen, wie die Abwasserströme unsere Messergebnisse beeinflussen“, sagt der Mikrobiologe Christian Wurzbacher. Wie genau die Messergebnisse sind, hänge unter anderem davon ab, wie groß die beprobten Kanalsysteme sind und wie viel Fremdwasser von Duschen, Spül- und Waschmaschinen enthalten ist.

    Wo sind coronafreie Gemeinden

    Momentan wird das Abwasser von fast 90 Prozent der Bevölkerung im Landkreis untersucht. Die Forscher-Gruppe will noch genauer herausfinden, wie sich das Infektionsgeschehen örtlich verteilt, wo Hotspots sind und wo Gemeinden sogar coronafrei sind.

    Untersuchungen auch in anderen bayerischen Städten

    Die Abwasser-Studie läuft noch bis April 2022. Dabei beteiligen sich auch andere Städte in Bayern. Die Forschenden erhoffen sich, dass sie das Frühwarnsystem bis dahin so perfektionieren, dass es jede Gemeinde deutschlandweit anwenden kann. Das könne auch für künftige Pandemien sehr nützlich sein.

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