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Coronavirus: Bayern überarbeitet Pandemieplan | BR24

© BR/Simon Emmerlich

Bundesgesundheitsminister Spahn hat seine Länderkollegen aufgefordert, ihre jeweiligen Pandemiepläne zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten. Bayern muss den Plan komplett überarbeiten. Denn er ist schon mehrere Jahre alt.

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Coronavirus: Bayern überarbeitet Pandemieplan

Bundesgesundheitsminister Spahn hat seine Länderkollegen aufgefordert, ihre Pandemiepläne zu aktivieren, damit sie jederzeit in Kraft treten können. Bayern muss den Plan jedoch vollständig überarbeiten. Denn er ist schon mehrere Jahre alt.

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Der Bayerische Pandemieplan für Influenza ist bereits 14 Jahre alt. Jetzt muss er wegen des sich ausbreitenden Coronavirus überarbeitet werden. Im Netz findet man ein 64-Seiten starkes Dokument aus dem Jahr 2006, das sich noch auf Influenza-Viren bezieht.

Grüne kritisieren veralteten Pandemieplan

Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, kritisiert, dass der Pandemieplan erst jetzt angepasst wird. Eigentlich hätte er schon 2016 überarbeitet werden sollen, so Haubrich. Es sei unerlässlich, ihn immer wieder an neue Viren anzupassen, damit anschließend jeder genau wisse, was er zu tun hat - angefangen vom Hausarzt über die Behörden bis hin zu den Kliniken.

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Was ist ein Pandemieplan?

In dem Pandemieplan zu Influenza werden verschiedene Szenarien und die dann nötigen Maßnahmen durchgespielt, die sich prinzipiell auch auf das Coronavirus übertragen lassen. Zum Beispiel, wie sich die Bevölkerung vor Virusübertragungen schützen kann. Darüber hinaus gibt es im Pandemieplan Empfehlungen, ab wann eine Schließung von Kindergärten, Schulen oder Universitäten oder die Absage von Großveranstaltungen sinnvoll sein kann.

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Extremszenarien bei Corona lange nicht in Sicht

Bei den Extremszenarien im Pandemieplan zu Influenza wären irgendwann 30 Prozent der bayerischen Bevölkerung erkrankt - eine Situation, von der man bei Corona sehr weit entfernt ist. Dann empfiehlt der Pandemieplan z.B. auch, wer als erstes einen Impfstoff bekommt, sobald einer zur Verfügung steht - nämlich Ärzte und Pflegepersonal.

Ein wichtiger Punkt im Plan ist auch die Information der Bevölkerung. So steht im Pandemieplan von 2006 zu Influenza. "Beim Auftreten erster Pandemiefälle im Ausland und erst recht in Bayern muss von einer erheblichen Verunsicherung und einem großen Informationsbedürfnis der Bevölkerung ausgegangen werden. Hier ist schnelle, sachliche und umfassende Information geboten, insbesondere um Unruhe in der Bevölkerung oder gar Panik entgegenzuwirken."

So infiziert das neue Coronavirus den Menschen

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Bundesgesundheitsminister Spahn hat seine Länder-Kollegen aufgefordert, ihre jeweiligen Pandemiepläne zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten. In Bayern muss der Plan komplett überarbeitet werden.

Grüne: Bevölkerung noch besser über Szenarien informieren

Genau das sei bisher noch nicht ausreichend geschehen, kritisierte diese Woche SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann. Auch Christina Haubrich von den Grünen würde sich noch mehr Transparenz und Aufklärung wünschen. Zwar bestehe im Moment kein Grund zur Panik, aber die Bevölkerung müsse wissen, was zu tun ist, wenn noch mehr Fälle vorkommen. Schließlich wüssten die Menschen gern, wohin sie sich im Notfall wenden können, so Haubrich "Das ist zum Teil schon kommuniziert worden, aber ich würde das noch viel mehr ausweiten auf jeden Fall."

Morgen Vormittag wollen Gesundheitsministerin Huml, Innenminister Hermann und der Leiter des Landesamts für Gesundheit sich vor der Presse äußern. Zuvor wird Ministerpräsident Markus Söder im Kabinettsausschuss mit allen beteiligten Ministerien das weitere Vorgehen in Sachen Corona beraten.

Unsicherheit bei bayerischen Hausärzten

Nicht nur in der Bevölkerung, auch bei Hausärzten gibt es derzeit eine gewisse Unsicherheit, sagt der Münchner Kinderarzt Christoph Bidlingmaier. Auch er würde sich eine bessere Informationspolitik wünschen. "Mir liegt kein Pandemieplan vor, auch bei uns in der Praxis nicht. Ich kenne die Internetseiten des Robert-Koch-Institutes, wo man die Falldefinitionen runterladen kann, aber eine konzertierte Aktion, dass wir jetzt vom Gesundheitsamt alle angeschrieben wurden, wie wir jetzt wirklich vorgehen sollen, wo denn die Patienten hingeschickt werden sollen, das ist uns aktuell nicht bekannt, aber das ist sicherlich aktuell Gegenstand der Planung."

Kinderarzt befürchtet Engpässe bei stationärer Unterbringung

Laut Pandemie-Plan für Influenza müssen Arzt-Praxen ausreichend Schutzkleidung, Masken und Brillen vorhalten. Staatliche Unterstützung gibt es dabei aber bislang nicht, sagt der Kinderarzt. Er habe sich bereits vor ein paar Wochen mit ein paar Masken versorgt. Inzwischen gebe es Lieferengpässe.

Christoph Bidlingmaier war lange als Kinderarzt im Krankenhaus tätig. Er glaubt, dass die Kliniken vor allem in der Landeshauptstadt schnell an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, wenn sich die Corona-Fälle häufen: Schon jetzt sei es schwierig, Kinder mit Grippe oder Durchfall, die isoliert werden müssen, in München unterzubringen. "Wenn ich anrufe und sage, ich hätte hier ein Kind, das müsste isoliert und überwacht werden, dann werde ich in der Regel weiterverwiesen oder gebeten, irgendwo anders zu suchen."

Bei Verdacht vor Besuch in Praxis anrufen

Glücklicherweise verlaufe die Krankheit bei Kindern auch ohne stationäre Behandlung meist glimpflich, sagt der Kinderarzt. Trotzdem appelliert er an Eltern, im Corona-Verdachtsfall vorher in der Praxis anzurufen und das weitere Vorgehen zu besprechen, damit nicht zusätzlich Menschen im Wartezimmer angesteckt werden.

Die wichtigsten Fragen zu Corona werden derzeit von staatlicher Seite auf den Seiten des Landesamts für Gesundheit beantwortet.

Freistaat verweist auf nationalen Pandemieplan

Das Bayerische Gesundheitsministerium räumt ein, dass der bayerische Pandemieplan veraltet ist und überarbeitet werden muss. Aber es gebe auch einen nationalen Pandemie-Plan: Den hat das Robert Koch-Institut ausgearbeitet und nach dessen Vorgaben richten sich die Bundesländer mit ihren eigenen Konzepten.

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